Film

Zaubermärchen aus der Zukunft: „Vesper Chronicles“

Eberhard von Elterlein
Vesper (Raffiella Chapman) mit Drohne als Begleiter.

Vesper (Raffiella Chapman) mit Drohne als Begleiter.

Foto: 24 Bilder

Stimmungsvolle Dystopie über das Überleben in einer unwirtlichen Welt: „Vesper Chronicles“ verzichtet dabei auf grelle Computereffekte.

Schlangenköpfe lugen aus Schlammlöchern, schwerer Nebel hängt in kahlen Bäumen. Nein, die Erde ist in ihren graubraunen Farben nach einer ökologischen Katastrophe kein wirtlicher Ort mehr. Die knappen Ressourcen beschützt eine Elite, die in „Zitadellen“ wohnt.

Der Rest streunt als schwarze Pilger durchs Land und sammelt Schrott. Oder versucht wie Protagonistin Vesper (Raffiella Chapman), durch synthetische Biologie in einem abgelegenen Gewächshaus Samenkulturen zu kreieren, um von dem Saatgut aus der „Zitadelle“ unabhängig zu sein, das deren Bewohner nur gegen Kinderblut hergeben, aus dem sie dann Sklaven züchten.

„Vesper Chronicles“: Zärtlich erzählte Geschichte einer Freundschaft

Auf diesem dystopischen Hintergrund hat das Regiepaar Kristina Buozyte und Bruno Samper mit den „Vesper Chronicles“ nun kein düsteres Science-Fiction-Drama mit überbordenden CGI-Effekten gemacht, sondern genau im Gegenteil: ein Zaubermärchen aus der Zukunft ohne Computereffekte, dafür aber umso mehr Liebe in der Ausstattung und Erzählweise.

Das reicht von der detaillierten Gestaltung bunter Raupen, Schleimwesen mit Tentakeln und seltsam leuchtenden Blumen mit Glühbirnenform bis zur nachgerade zärtlich erzählten Geschichte einer Freundschaft. Als nämlich mit Camellia (Rosy McEwen) eine Bewohnerin aus den „Zitadellen“ abstürzt, kommt Licht in Vespers düsteres Leben. Wenn die beiden etwa ein altes Buch mit Tieren durchblättern und deren Geräusche nachahmen, ist das – zumal in dieser abgestorbenen Welt – sehr rührend.

Science Fiction Litauen/F/BL 2020 110 min, von Kristina Buozyte und Bruno Samper, mit Raffiella Chapman, Eddie Marsan