Film

Nur die Ratte weiß die Wahrheit: „Der menschliche Faktor“

Eberhard von Elterlein
Schauen irgendwie geschockt: Nina (Sabine Timoteo) und Jan (Mark Waschke).

Schauen irgendwie geschockt: Nina (Sabine Timoteo) und Jan (Mark Waschke).

Foto: Farbfilm

Ein Überfall zeigt die Brüche in einer dysfunktionalen Familie: „Der menschliche Faktor“ ist ungewöhnlich erzählt, aber zu verkünstelt.

Natürlich sind Filme erstmal spannend, die verunsichern; die klassische Erzählweisen aufbrechen und immer neue Perspektiven auf das immer gleiche Ereignis vermitteln. Doch wenn sich das künstlerische Konzept wie ein zu enges künstlerisches Korsett auf die Handlung legt, dann kommt so etwas wie „Der menschliche Faktor“ heraus.

Hier findet sich eine Vorzeigefamilie rund um Nina (Sabine Timoteo) und Jan (Mark Waschke), Besitzer einer erfolgreichen Werbeagentur in Hamburg, plötzlich beim Wochenendurlaub in Belgien mit einem ungeahnten Ereignis konfrontiert: Unbekannte sind im Haus, Nina ist verletzt, aber einzige Augenzeugin.

Jeder hat eine andere Version des Überfalls

Alle anderen haben nur etwas gehört und jeder daher eine andere Version des Überfalls, die Regisseur Ronny Trocker etwa jede halbe Stunde neu erzählt, aus einer anderen Perspektive: mal der Tochter Emma (Jule Hermann), mal des Sohnes Max (Wanja Kube), mal von dessen Ratte (!), was besonders putzig ist, weil ihr Blick möglicherweise der Wahrheit am nächsten kommt.

Doch bleiben im Bemühen, mit dem Überfall als Katalysator die Verunsicherung in einer dann tatsächlich dysfunktionalen Familie aufzuzeigen, zu viele Leerstellen. Jans geheimes Engagement für eine möglicherweise radikale Partei, Emmas Fehlstunden in der Schule oder Max’ Abneigung gegen den Chorunterricht schweben zu sehr in der Luft.

Was Trocker will, ist klar: Brüche im Establishment zeigen, die sich in der unkonventionellen Struktur spiegeln, die die Chronologie klassischen Erzählens unterläuft. Doch die Figuren sind letztlich zu leblos, als dass man sich für sie interessieren würde.

Drama D 2021 103 min., von Ronny Trocker, mit Sabine Timoteo, Mark Waschke, Jule Hermann