Film

Orgasmus der Putzfrauen: „Als Susan Sontag im Publikum saß“

Eberhard von Elterlein
Luise Helm spielt in der verfilmten Performance die LGBT-Aktivistin Jill Johnston. Vorne sitzt Saralisa Volm als Graham Greer, dahinter Céline Yilderim in der Rolle der Jaqueline Ceballos.

Luise Helm spielt in der verfilmten Performance die LGBT-Aktivistin Jill Johnston. Vorne sitzt Saralisa Volm als Graham Greer, dahinter Céline Yilderim in der Rolle der Jaqueline Ceballos.

Foto: Real Fiction Verleih

RP Kahl lässt eine Panel-Diskussion über Frauenrechte, die vor 50 Jahren in New York stattfand, nachspielen. Witziger als man denkt.

Ein intellektueller Spaß: Vier Frauen und ein Mann stellen im Ballhaus Ost die legendäre Panel-Diskussion „A Dialogue on Women’s Liberation“ nach, die vor 50 Jahren in New York weibliche Geistesgrößen wie Autorin Germaine Greer (Saralisa Volm), LGBT-Aktivistin Jill Johnston (Luise Helm) oder Literaturkritikerin Diana Trilling (Heike-Melba Fendel) um Schriftsteller Norman Mailer (RP Kahl) versammelte. Und im Publikum? Die Ostküsten-Elite.

„Als Susan Sontag im Publikum saß“ klingt dabei viel dröger, als es ist, und das liegt am Konzept von Regisseur, Drehbuchautor und Hauptdarsteller RP Kahl, der die damals sicherlich todernste Debatte um den Kampf der Geschlechter stets ironisch aufbricht.

Tötet Kommunismus den Sex?

Es gibt optische Farb- und Perspektivwechsel; schnitttechnisch sind wir mal auf der Bühne und mal in der Garderobe; und inhaltlich sind die Sprecher/innen mal in ihrer historischen Rolle, mal fallen sie aus ihr heraus. Das schafft hübsche Diskrepanzen, wenn etwa Céline Yildirim in der Rolle der Aktivistin Jaqueline Ceballos ein „Pflichtenheft für die Ehe“ fordert, sich aber als Frau in feministischer Umgebung einfach „unwohl“ fühlt.

Es gibt viele Diskrepanzen und Diskussionen an dem Abend. Aber die Darsteller sind mit so viel Streit- und Spiellust dabei, dass es Spaß macht, wenn es etwa um den Orgasmus von Raumpflegerinnen geht oder die Frage, ob Kommunismus den Sex tötet. Fragen, die man sich im Leben nie gestellt hätte – das Kino macht’s möglich.