Film

Neurotischer Sektenguru hasst Sex und Dreck: „A Pure Place“

Eberhard von Elterlein
Verführer mit Schlange: Sektenguru Fust (Sam Louwyck).

Verführer mit Schlange: Sektenguru Fust (Sam Louwyck).

Foto: Koch Films

Sektenguru entführt Kinder auf seine griechische Insel, um sie dort Seife herstellen zu lassen. Merkwürdige Gründe, seltsamer Film.

Sie tragen weiße Gewänder, speisen feinstes Obst und trinken heiliges Wasser, während im Hintergrund die Zikaden zirpen. Die da oben. Sie placken sich ohne Tageslicht im Dunklen ab, sind dreckig und stinken, obwohl sie ja eigentlich Seife herstellen. Die da unten.

Schon klar, Entfremdung von der Arbeit, ausgebeutete Kreaturen da im Keller jene Waisenkinder, die Sektenführer Fust (Sam Louwyck) auf seine einsame griechische Insel verfrachtet, wo sie dann für ihn – also da oben – Seifenstücke mit seinem Namen für die äußere und innere Reinigung herstellen, zur Rettung der Welt und zum Übergang ins Elysion, eine Art Paradies, das man nur porentief rein betreten darf. Was man für einen Dreck man halt so als Sektenguru so erzählt.

„Elysion“ ist der Name eines Puffs

Das Schlimme an „A pure place“ des Deutsch-Griechen Nikas Chryssos sind dabei nicht nur seine aufdringliche Symbolik (oben - unten), die billigen Metaphern (Schlange als Haustier des Verführers) und die vorhersehbare Handlung, wenn Fust die hübsche Irina (Greta Bohacek) aus dem Keller befördert, wodurch ihr vernachlässigter Bruder Paul (Claude Heinrich) eine Revolution im Keller anzettelt.

Nein, Chryssos entwickelt keinerlei Haltung zu dieser Seifen-Sekte. Er wiederholt sich in der Abbildung symbolisch aufgeladener Rituale, schwenkt plötzlich zur Satire um (ist Elysion etwa nur der Name eines Puffs?), um sich dann an einer psychologischen Deutung Fusts als verklemmter Neurotiker zu versuchen, der Sex und Dreck hasst. Ergo: Seifen-Oper zum Vergessen!