Film

„Bergman Island“: Sehr sommerliche Szenen einer Ehe

| Lesedauer: 2 Minuten
Eberhard von Elterlein
Von Bergman inspiriert: Das Filmemacher-Paar Chris (Vicky Krieps) und Tony (Tim Roth).

Von Bergman inspiriert: Das Filmemacher-Paar Chris (Vicky Krieps) und Tony (Tim Roth).

Foto: Weltkino

Ein Filmemacher-Paar zieht sich zum Schreiben auf die schwedische Insel Fårö zurück: „Bergman Island“ huldigt dem großen Regisseur.

Der Flug ist wacklig, der Weg mit dem Mietwagen kurvig und unwegsam, das Navi nervt. Ja, es ist gar nicht so leicht, einen Zugang zu Ingmar Bergman zu finden. Zumal, wenn man es sich zum Ziel gesetzt hat, in der Idylle der Insel Fårö, wo der große Schwede einst gefilmt und gelebt hat, Drehbücher zu schreiben, wie es das Filmemacher-Ehepaar Chris (Vicky Krieps) und Tony (Tim Roth) plant.

Dass sie dabei in jenem Bett schlafen, in dem „Szenen einer Ehe“ gedreht wurde, „der Film, nach dem sich Millionen scheiden ließen“, wie die Haushälterin weiß, ist nur eine jener feinen Ironien, mit denen die französische Filmemacherin Mia Hansen-Løve in ihrem Film „Bergman Island“ den Kult um Schwedens größten Filmregisseur auf der kleinen Insel karikiert.

„Bergman Island“: Düstere Skripts in luftiger Umgebung

Bergman-Safari, Bergman-Center, Bergman-Mühle und viele Bergman-Gespräche. Es ist ein leichter Sommerfilm über einen Regisseur der schweren Themen, touristisch, locker und lichtfroh wie nur die allerwenigsten Filme des düsteren Schweden.

„Einen schönen Film von Bergman? Gibt es nicht“, weiß Tony, dessen (offenbar düsteres) Skript in der luftigen Umgebung von Holz und Licht von Fårö genauso gut zu erblühen scheint wie einst Bergman-Werke wie „Schande“ oder „Persona“.

Dementgegen stockt Chris` Kreativität, weswegen der Film nach gut einer Stunde seine sommerliche Unbeschwertheit verlässt und uns in eine Film-in-Film-Handlung entführt, in der sich die Dauer-Liebenden Amy (Mia Wasikowska) und Joseph (Anders Danielsen Lie) auf einer Hochzeit mal wieder finden, um sich dann für immer zu trennen.

„Bergman Island“: Filmische Idee verschenkt

Diese filmische Volte hätte Gelegenheit gegeben, sich mit Bergmans Lieblingsthemen wie den eigenen Dämonen oder dem weiblichen Selbstbild filmisch kunstvoll zu beschäftigen und Realität und Fiktion zu vermischen. Doch diese beiden Ebenen stehen viele zu lose nebeneinander.

Man kann Amy als Chris’ Alter Ego sehen, muss es aber nicht, weil der Film sich nicht entscheidet, mal hier ein bisschen Kritik am Patriarchat anbringt, dort über die Schwierigkeit des künstlerischen Prozesses sinniert. Letztlich löst sich alles in sommerlichem Wohlgefallen auf. Ein bisschen mehr Bergman-Düsterkeit und etwas weniger Bergman-Tourismus hätte „Bergman Island“ gut getan.

Drama F/BL/D/S 2020 112 min., von Mia Hansen-Løve, mit Vicky Krieps, Tim Roth, Mia Wasikowska.