Film

Glücksritter aus Ghana landet im tristen Mannheim: „Borga“

| Lesedauer: 3 Minuten
Eberhard von Elterlein
Finden zusammen: Kojo (Eugene Boateng) und Lina (Christiane Paul).

Finden zusammen: Kojo (Eugene Boateng) und Lina (Christiane Paul).

Foto: Chromosom Film

„Borga“ erzählt von einem Ghanaer, der in Deutschland reich, aber nicht glücklich wird. Immerhin verliebt er sich in Christiane Paul.

Kojo (Eugene Boateng) brennt für Europa. Schon als Kind auf der Deponie Agbogbloshie in Ghanas Hauptstadt Accra, wenn er die wertvollen Metallteile aus europäischem Elektroschrott herausbrennt, um sich für ein paar Cedi eine Cola kaufen zu können.

Und besonders als nun erwachsener Mann, als er einem „Borga“ begegnet, einem Ghanaer, der es im Ausland zu Reichtum gebracht, wovon allein schon dessen schicker Anzug zeugt, als edle Rüstung dieses Glücksritters.

Auch Kojo wird später in Deutschland einen schicken Anzug tragen und die Zöpfe hochgesteckt zum schicken Knoten. Aber allein schon die Tatsache, dass das edle Tuch nur ausgeliehen und sein Pass gefälscht ist, zeigt, dass der Traum vom Aufstieg nur ein kurzweiliger, ja und auch falscher ist, wenn man darüber seine eigene Familie vergisst.

„Borga“: Suche nach den eigenen Wurzeln

Insofern ist „Borga“, das Regiedebüt von York-Fabian Raabe, über den beschwerlichen Weg eines Ghanaers nach Deutschland und wieder zurück, ein Film über die Suche nach den eigenen Wurzeln. Ein globales Thema eines deutschen Films, der mit Fördermitteln unter anderen aus Baden-Württemberg und Hessen eigentlich ein Heimatfilm sein könnte, aber die meiste Zeit in Ghana spielt. Was nur eine Volte dieses interessanten Films ist.

Die zweite ist, dass Raabe hier mit sehr viel Authentizität den Alltag auf Europas Müllkippein Afrika darstellt. Man meint, den beißenden Rauch in der Nase zu spüren; und tappt gemeinsam mit den Protagonisten durch die Dunstglocke über diesem unwirtlichen Ort.

Mit Kofi (Jude Arnold Kurankyi), Kojos älterem Bruder, der die Familienehre hochhält und vom stets weiß gekleideten Vater (Adjetey Anang) bevorzugt wird. Weswegen Kojo, der lieber mit seinen Freunden am Meer abhängt, weg will und auch nach vier Jahren dank seines abenteuerlustigen Freundes Nabil in Deutschland landet.

„Borga“: Gefangen im Feuer

Aber das ist dann eben kein Paradies. Kojo landet in Mannheim, wieder umzingelt von Elektroschott, diesmal in einem trostlosen Wohn-Container im tristen Industriegebiet. Der Schrott, aus dem später in Accra das Metall herausgebrannt wird, Koja wird ihn verschiffen in seine Heimat, erst als Helfer, dann tatsächlich als Borga im schicken Anzug, mit dem er dann auch das Herz der hübschen Ärztin Lina (Christiane Paul) erobert. Läuft also.

Bis, ja bis er als Borga in seiner Heimat zurückkehrt und mit all dem Neureichtum den Kopf seines Neffen Ezwo verdreht, mit Kofi streitet, die Beerdigung seines Vaters verpasst und mächtig Ärger kriegt in Agbogbloshie. Und wieder brennt es, aber er selbst steckt diesmal mitten im Feuer.

„Borga“ erzählt diese Geschichte mit angemessener Nüchternheit. Lange Schwarzblenden akzentuieren das Geschehen, geben der Irrfahrt Kojos Struktur. Raabe, der selbst vorher Dokumentarfilme über den Alltag in Accra gemacht hat, ist sichtbar bemüht, die westliche nicht gegen die afrikanische Welt auszuspielen. Er sieht sie vielmehr als Stationen seines Helden auf dem Weg zu sich selbst. Festgehalten im Symbol eines Anhängers, der jeden Träger an seine Wurzeln erinnern soll. Ein Stück Edelmetall, das man nicht verbrennt.

Drama, Deutschland 2021, 109 Minuten. Regie: York-Fabian Raabe. Darsteller: Eugene Boateng, Christiane Paul.