Kino

„Le Prince“: (K)ein Märchen im Bahnhofsviertel

| Lesedauer: 2 Minuten
Eberhard von Elterlein

Der Trailer zum Film: „Le Prince“

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Eine Kunstkuratorin verliebt sich in Frankfurt in einen kongolesischen Geschäftsmann: „Le Prince“ ist ein Märchen voller Misstrauen.

Es war einmal. Da trifft also die alleinstehende Kunst-Kuratorin Monika (Ursula Strauss) mitten im Frankfurter Bahnhofsviertel den kongolesischen Geschäftsmann Joseph (Passi Balende) und verliebt sich in „Le Prince“, wie ihn alle in der kongolesischen Gemeinde nur nennen.

Die Umstände des Treffens, eine Razzia, vor der Joseph flieht, ist dabei für Monika kein Problem. Ein bisschen rebellisch ist die ehemalige Atomkraftgegnerin ja auch heute noch, weswegen die Chancen der Mittvierzigerin auf die vakante Stelle der Leitung der Kunsthalle, in der sie arbeitet, nicht so gut sind.

„Le Prince“: Von Rassismus und Postkolonialismus

Aber egal, schließlich sind die Leute der Kunstszene doch immer irgendwie aufgeschlossen, oder? Weswegen Monika Joseph gern zu privaten Treffs im Kollegenkreis mitnimmt. Derweil sie selbst versucht, sich in der Stammbar der Kongolesen nicht nur farblich anzupassen, wenn sie im dunklen Kostüm mit der Welt der schwarzen Geschäftsmänner in ihren edlen Anzügen fast zu verschmelzen scheint.

Der Trailer zum Film: „Le Prince“

Aber mit der Assimilation ist das eben so eine Sache, und es ist die große Leistung von Regisseurin Lisa Bierwirth, dass sie in „Le Prince“ den Rassismus und Postkolonialismus nicht offen vorführt, sondern er sich quasi einschleicht in die Gespräche wie der Wein und die Zigaretten.

Von einer Diamantmine im Kongo

So lässt sie bewusst offen, was für Geschäfte der stets gut gekleidete Joseph exakt betreibt und welche Rolle dabei sein zwielichtiger Freund Ambara spielt. So beflügelt Joseph die Phantasie nicht nur der etablierten Kunstkollegen, die mit nur gespielter Offenheit auf dessen Pläne einer Diamantmine im Kongo reagieren. Misstrauen gegenüber dem Fremden mischt sich hier mit Sorge um die gute Freundin, die langsam selbst anfängt, die vielen Abwesenheiten Josephs und die vielen Besucher in ihrer bald gemeinsamen Wohnung zu hinterfragen.

Der Film bleibt dabei auch durch das subtile Spiel der starken Darsteller stets in der Schwebe. Liebt da die elegante Kunst-Dame einen Verbrecher oder ein stolzer Mann, der allein ums Überleben kämpft, eine zu misstrauische Frau? Im Schatten der Bürotürme entwickelt sich so ein beeindruckendes Märchen voller Missverständnisse in einer multikulturellen Metropole – komplex und zärtlich, intensiv und entlarvend.


Drama Deutschland 2021 125 min., von Lisa Bierwirth, mit Ursula Strauss, Passi Balende.