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Jäger des verlorenen Goldschatzes

Ein Abenteuerfilm mit Längen zwischen dem Dschungel von Borneo und der Wall Street: „Gold“ mit Matthew McConaughey

Auf der Suche nach Gold: Matthew McConaughey als Kenny Wells (l.) und Edgar Ramirez als Michael Acosta stehen in einer Szene des Films „Gold“ im indonesichen Dschungel

Auf der Suche nach Gold: Matthew McConaughey als Kenny Wells (l.) und Edgar Ramirez als Michael Acosta stehen in einer Szene des Films „Gold“ im indonesichen Dschungel

Foto: Patrick Brown / dpa

Kenny Wells ist ein großmäuliger Loser. Ein Schaumschläger, dem nichts so richtig gelingen will. Als Erbe hat er die Firma seines Großvaters und seines Vaters in den Ruin getrieben. Selbst enge Freunde der Familie wollen ihm keinen Kredit mehr anvertrauen. Kenny führt die Geschäfte inzwischen von einer Kneipe aus, in der seine Freundin Kay kellnert. Und betäubt den Rest seines Lebens mit Alkohol.

Matthew McConaughey ist dieser glücklose Glücksucher Kenny in Stephen Gaghans Abenteuerfilm "Gold". Anfangs sehen wir ihn noch als adretten Juniorchef der väterlichen Washoe Mining Company in Reno, Nevada. Die beutet seit Jahrzehnten erfolgreich Bodenschätze auf der ganzen Welt aus. Sieben Jahre später ist der Vater tot und die Firma steht vor der Pleite. Und Matthew McConaughey macht für die Rolle eine mutige Wandlung durch. Mit Halbglatze, Bierbauch und schlechten Zähnen wirkt er ein wenig, als sollte eigentlich Woody Harrelson den Part übernehmen. Er spielt sich die Seele aus dem Leib.

Matthew McConaughey macht eine gute Figur

Es ist vor allem McConaughey, der diesen Film veredelt, der einen windigen Typen spielt, bei dem man nie so richtig weiß, ob man ihn mögen will oder nicht, ob man ihn abstoßend oder liebenswert findet. Ob er wirklich ein Aufschneider ist oder ganz genau weiß, was er da macht. Denn Kenny hat eines Nachts einen Traum. Er sieht riesige Goldvorkommen irgendwo am Fuße zweier Berge im indonesischen Dschungel. Er versteht den Traum als Zeichen, versetzt den Schmuck und die goldene Uhr seiner Freundin und fliegt nach Jakarta.

Dort trifft er den Geologen Michael Acosta (Edgar Ramírez), den er von einer früheren Reise kennt. Gemeinsam brechen sie auf zu einer Reise in den Dschungel von Borneo und ja, sie finden offenbar wirklich Gold. Jede Menge Gold. Unerhört viel Gold. Das bringt die Washoe Mining Company wieder ins Rennen. Und an die Wall Street. Der Traum vom ganz großen Geld scheint sich für Kenny doch noch zu erfüllen. Auf einer Serviette hat er zuvor schon mit Acosta einen Vertrag gemacht. Auf einer Papierserviette. Sie wird gegen Ende des sich mitunter etwas sämig über die zwei Stunden ziehenden Films noch von großer Wichtigkeit sein.

Plötzlich ist Kenny wieder begehrt. Geldhaie drängen sich auf, die Gier, etwas von dem Batzen abhaben zu wollen, im Blick. Und nach einem Angebot, das er nicht hätte abschlagen sollen, macht ihm plötzlich die indonesische Regierung einen Strich durch die Rechnung. Doch selbst aus diesem von einem millionenschweren Rivalen angezettelten Absturz kann sich Plappertasche Kenny retten. Kenny und Mike verbünden sich mit Danny Suharto, dem jüngsten Sohn von Indonesiens Diktator, und das Gold beginnt wieder zu fließen.

Gegen Ende kommt sogar so etwas wier Spannung auf

Nie weiß man bei diesem in opulenten Bildern erzählten Film, der sich nicht entscheiden kann, ob er Satire oder Drama sein will, ob das Ganze nur ein Fieberwahn von Kenny Wells ist oder tatsächlich so geschieht. Und plötzlich ist Kompagnon Michael Acosta verschwunden. Und mehr als 160 Millionen Dollar gleich mit. So kommt erst gegen Ende dann doch noch so etwas wie Spannung auf. Und der schlicht gestrickte Kenny erweist sich als gewiefter, als es anfangs den Anschein hatte.

Regisseur Stephen Gaghan ("Syriana") verzettelt sich mit "Gold" zwischen romantischem Schatzsucher-Abenteuer und geharnischter Kapitalismuskritik, zeigt viele unsympathische, geldgierige Männer und die Geschichte einer Männerfreundschaft. Die Partnerschaft zwischen Wells und Acosta überdauert alle Höhen und Tiefen, alle Ränkespiele und Intrigen.

Ohne Matthew McConaughey freilich wäre dieser Film nur ein weiteres gut gemeintes Drama, das schnell wieder im Archiv des Vergessens gelandet wäre.

Drama USA 2016 US121 min., von Stephen Gaghan, mit Matthew McConaughey, Bryce Dallas Howard, Stacey Keach

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