Neu im Kino

"John Wick – Kapitel 2" - Ein Profi-Killer wird gejagt

Ein gewalttätiges Todesballett voller schwarzem Humor: Keanu Reeves schießt sich in „John Wick – Kapitel 2“ durch New York und Rom.

Keanu Reeves schießt sich in „John Wick –  Kapitel 2“ durch halb Rom. Der zweite Teil steht seinem Vorgänger in nichts nach|

Keanu Reeves schießt sich in „John Wick – Kapitel 2“ durch halb Rom. Der zweite Teil steht seinem Vorgänger in nichts nach|

Foto: Niko Tavernise / picture alliance/AP Photo

Er ist ein einsamer Jäger, der einfach nicht zur Ruhe kommt. Mit John Wick hat Hollywood vor gut zwei Jahren einen phänomenal neuen Action-Helden geboren. Sensibler als Schwarzenegger, pathosbeladener als Stallone, brutaler als Jason Statham. Die Figur des Auftragskillers John Wick wurde zur Paraderolle für Keanu Reeves, der sich in imposanten, brachialen Choreographien immer wieder den Weg frei schoss und der zu einem Überraschungserfolg an der Kinokasse wurde.

Da nimmt es nicht Wunder, dass die Geschichte nun mit "John Wick – Kapitel 2" nicht weniger opulent weitergesponnen wird. In einem zweiten Teil, der seinem Vorgänger in nichts nachsteht. Und Keanu Reeves gibt seinem zwiespältigen Helden in diesem mit Leichen gepflasterten Schlachtengemälde aus einer Parallel-Unterwelt einmal mehr betörend Format. Sein Blick: traurig, einsam und endgültig. Seine Kunstfertigkeit: artistisch, punktgenau und tödlich. Es fließt wieder Blut. Viel Blut.

Kapitel zwei führt die Story nahtlos weiter. War Teil eins noch von menschlichen Gefühlsregungen durchzogen, vom Schmerz um den Tod der geliebten Ehefrau, vom Leid über den grausam gemeuchelten Hundewelpen, der Rache an einem russischen Gangsterclan, geht es nun um einen mit Blut besiegelten Schwur. Wick will nur noch sein von den Russen gestohlenes Auto, den geliebten 69er-Ford-Mustang, zurückholen und sich dann endgültig zur Ruhe setzen. Allein, es soll nicht sein.

Einer Ouvertüre aus einem Bond-Film gleich beginnt der Film ohne viel der Vorrede mit einer irrwitzigen Verfolgungsjagd durch ein nächtliches New York zwischen einem getunten Sportwagen und einem Motorradfahrer. Am Steuer des Wagens sitzt John Wick, der im ersten Teil zwar den Boss des russischen Kartells (den Michael Nykvist damals spielte) beim Showdown in den Tod geschickt hat, doch sein Ford Mustang ist immer noch im Besitz der Bande. Peter Stormare spielt nun in einem wunderbaren Gastauftritt den Bruder des Getöteten, der sich seinem Gegner so respektvoll wie kaltblütig entgegenstellt. Die Runde geht an Wick.

Eigentlich stünde nun seinem Rückzug ins Privatleben nichts mehr im Wege. Doch hat Wick einst einem Mafiaboss ein mit Blut besiegeltes Versprechen gegeben, eine Gegenleistung für erstattete Dienste sozusagen. Und eines Abends steht eben jener Santino (Riccardo Scamarcio) vor seiner Tür, den Marker in Händen, um die Begleichung der Schuld einzufordern. Wick windet und wendet sich. Nachdem seine gläserne Luxusvilla effektvoll in die Luft geht, sagt er zu. Er soll in Rom Santinos Schwester Gianna (Claudia Gerini) beseitigen, die ihm auf dem Weg zur Macht im Weg steht. Die Spiele können wieder beginnen.

Regisseur Chad Stahelski und sein Kameramann Dan Laustsen haben dieses von viel schwarzem Humor und noch mehr brutaler Gewalt geprägte Todesballett klug und einfallsreich inszeniert. Die Actionszenen sind einmal mehr von hoher Qualität. Kaum Nahaufnahmen, keine Wackelkamera, keine hektisch geschnittenen Bilder. Die Kamera hält immer gebührenden Abstand und macht die Kampfszenen in U-Bahn-Tunneln, auf einem Popkonzert in einem römischen Amphitheater oder in einem Museum in einer surreal anmutenden Spiegelinstallation geradezu physisch erfahrbar. Und mittendrin boxt und ballert sich Keanu Reeves mit der Eleganz eines Gene Kelly durch den Unterwelt-Sumpf.

Man trifft alte Bekannte. John Leguizamo hat einen kurzen Auftritt als Wicks Autoklempner. Ian McShane ist wieder der Chef des Continental Hotels, der Killer-Zentrale. Auch den stets freundlich grüßenden Portier gibt es noch. Wie auch die tätowierten Damen der antiquierten Telefonzentrale, die mit der Rohrpost beförderte Mordaufträge per SMS auf die Handys der Killer weiterleiten. Neu dabei ist neben Rapper Common als schlagkräftigem Leibwächter und Ruby Rose als stumme, aber nicht weniger schlagkräftige Killerin auch Laurence Fishbourne, der einen großartigen Gaunerkönig von Brooklyn gibt. Und Direktor der römischen Continental-Hotel-Filiale ist kein geringerer als Franco Nero.

"John Wick – Kapitel 2" hat noch mehr Action, noch mehr Tote, aber auch höchst komödiantische Szenen. Groß, wie Wick sich bei einem italienischen Schneider killergerecht einkleiden lässt, geradezu satirisch der Besuch beim Hotel-Sommelier, bei dem das Gespräch über die schlagkräftigen Waffen im Regal klingt wie eine Plauderei zweier Restaurantkritiker.

Ein Muss für Actionfans. Wer zu viele Kopfschüsse nicht erträgt, sollte diesen surrealen, polarisierenden, atemlos machenden Film allerdings besser meiden. Und nur zur Beruhigung: John Wick überlebt. Sein neuer Hund, ein Pitbull ohne Namen, auch. Kapitel drei kann kommen.

Action, USA, 2016, 122 min., von Chad Stahelski, mit Keanu Reeves, Ian McShane, Laurence Fishbourne, John Leguizamo, Common, Franco Nero

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