Filmkritik

„Nirgendwo“: Ein Sommer der Entscheidung

In dem Drama „Nirgendwo“ wird die Generation Y porträtiert. Ein Film mit Klischees, einem souveränen Ensemble und schönen Bildern.

Hängt noch mal mit der alten Clique ab: Danny (Ludwig Trepte, M.)

Hängt noch mal mit der alten Clique ab: Danny (Ludwig Trepte, M.)

Foto: Photographer:MaximilianSeibert

Es gibt ein paar Kennzeichen, die scheinbar jedem Film übers Erwachsenwerden zu eigen sind. So spielt auch „Nirgendwo“ erstens während eines Sommers. Zweitens: Den Hauptprotagonisten treibt eine unterdrückte Leidenschaft um, in diesem Fall kann sich Danny (Ludwig Trepte) nicht zwischen seinem väterlich verordneten BWL-Studium und seinem Traumberuf Fotograf entscheiden.

Drittens: Weil es in „Nirgendwo“ nicht mehr um Teenager, sondern um junge Erwachsene geht, muss erst jemand aus Dannys Familie sterben, damit der in die Großstadt Geflohene wieder in die heimische Provinz zurückkehrt.

Emotional aufgewühlt, beschließt Danny den Sommer doch noch mal mit seiner alten Clique zu verbringen, an alten Lieblingsplätzen zwischen Baggersee und Kinderzimmer. Vielleicht um noch mal Abschied zu nehmen, vielleicht um seiner Jugendliebe Susu (Saskia Rosendahl) wieder näher zu kommen.

Nachwuchsregisseur Matthias Starte schreibt auch eine Liebes-Kolumne für das hippe Online-Magazin „Zeitjung“. Dort plädiert er etwa für mehr Zärtlichkeit in Männerfreundschaften oder gibt Tipps für den Umgang mit der Dating-App Tinder. Etwas bedauerlich ist es schon, dass er für sein Leinwanddebüt einen weit engeren Erfahrungshorizont ausbreitet. Die existentielle Frage, wie man leben will, reduziert er auf große Lebensentscheidungen: weggehen oder bleiben? Provinz oder Großstadt? Will ich Familie und wenn ja, wann?

Entsprechend landen die Antworten allzu oft beim offensichtlichsten Klischee. Da kann ein Mädchen, das sich übergibt, nur schwanger sein. Der suizidgefährdete Depressive wird gleich in seinem ersten Dialog als solcher kenntlich undsoweiter. Trotzdem muss man anerkennen, dass Starte sein gut besetztes Ensemble souverän führt und mit seinem Kameramann Thomas Schiller viele stimmungsvolle Bilder findet für seinen Sommer im Nirgendwo.