Kino

Bryan Cranston gibt wieder den Drogenmann: „The Infiltrator“

„Breaking Bad“ machte Bryan Cranston berühmt. Jetzt spielt er seine Kultfigur irgendwie nochmal. Nur mit umgekehrter Motivation.

Scheinverlobt zur Tarnung:

Scheinverlobt zur Tarnung:

Foto: ARP Sélection

Wer Bryan Cranston in einem Film über Drogenhandel besetzt, legt es darauf an, mit „Breaking Bad“ verglichen zu werden, der Serie, die Cranston zum Status der Wiedererkennbarkeit verhalf. Weshalb der einfachste Einstieg in Brad Furmans Verfilmung einer wahren Undercover-Agenten-Geschichte aus den 80-ern darüber läuft, sie von der Serie abzugrenzen.

Dort verkörperte Cranston bekanntermaßen einen krebskranken Lehrer, der sein verborgenes Talent zum Drogenkönig auslebte. In „The Infiltrator“ beschreitet seine Figur einen ähnlichen Weg, aber mit gegenteiliger Motivation: Der Zollbehörden-Agent Robert Mazur schlägt aus Frustration über die Vergeblichkeit von Drogenbeschlagnahmungen seinen Vorgesetzten vor, statt dessen der Geldspur zu folgen.

Also kreiert er das Alter Ego eines Miami-Geschäftsmanns, der seine Dienste als Geldwäscher entsprechenden Kreisen anbietet. Dem echten Robert Mazur ist es so gelungen, sehr nah an Pablo Escobar und dessen Riege vorgeblich seriöser Bankpartner zu kommen.

Die wahre Geschichte eines Undercover-Agenten

Ohne sich lange mit Behörden-Prozedere aufzuhalten, schildert der Film, wie Cranstons Mazur in seine Rolle als „Bob Musella“ erstaunlich gut hineinwächst. Bewundert dafür wird er sowohl von dem rauen Kollegen Emir Abreu (John Leguizamo) als auch vom Sträfling Dominic (Joe Gilgun), den er eigens aus dem Knast holen lässt und zu seinem „Bodyguard“ macht, um sich mehr kriminelle Glaubwürdigkeit zu verschaffen.

Wie es der Zuschauer da schon lange erwartet, ist seine Ehefrau (Juliet Aubrey) weniger begeistert von der Verwandlungskunst ihres Mannes. Zumal der für seine Rolle eine Verlobte an die Seite gestellt bekommt, die von Diane Kruger gespielt wird.

Das Hinzukommen von Kruger als Kathy entwickelt sich überraschenderweise zum interessantesten Aspekt des Films. Zum einen, weil ein Versagen von Mazur die Ursache dafür ist: Gerade als er mit den Drogenhändlern warm wird, verweigert er sich dem Ritual, sich mit Prostituierten zu entspannen. Seine Ausrede: Er sei frisch verlobt.

Dass er damit durchkommt, hat er nicht nur den Auftritten einer den Punkt zwischen aufregender Gespielin und seriöser Partnerin treffenden Diane Kruger zu verdanken. Mazur erkennt dabei auch die alte Schauspielerweisheit, dass man nie überzeugender spielt, als wenn man Teile der „Lüge“ aus echten Empfindungen holt.

Aus dem Konflikt zwischen echten und vorgeblichen Gefühlen schlägt „The Infiltrator“ große Spannung, und das obwohl der Film fast erschreckend konventionell inszeniert ist. Letztlich ist es ein Triumph der Schauspieler, und zwar sowohl Cranstons als auch Krugers, denen es gelingt, über ein flaches Drehbuch hinweg doch so etwas wie Charaktertiefe zu schaffen.