Film

Ein Bierbike fällt vom Himmel: „Männertag“

| Lesedauer: 3 Minuten
Ralf Krämer
Das haben wir uns alles ganz anders vorgestellt: Die Trauergäste beim Grillen

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Foto: Laurent Trümper / Universum

Das hätte wirklich witzig sein können. Doch diese Filmkomödie findet leider viel zu spät zu sich. Trotz der vielen deutschen Stars.

Man ahnt es bereits beim Titel: „Männertag“ ist ein weiterer Versuch, das Konzept von Bromance-Comedys wie „Hangover“ für den deutschen Film zu adaptieren. Zu diesem Zweck vereinen sich vier Jugendfreunde nach zehn Jahren Funkstille in ihrer bayerischen Heimatstadt, um noch einmal „wie in alten Zeiten“ gemeinsam an Kröten zu lecken und sich überhaupt „richtig abzuschießen“.

Der arrogante TV-Star Chris wird sinnvollerweise von Tom Beck („Alarm für Cobra 11“) gespielt. Klaus-Maria (Axel Stein), ein blockierter Schriftsteller, hält als Familienvater seiner erfolgreichen Frau den Rücken frei. Peter (Oliver Wnuk) freut sich auf das Ende seiner Geschlechtsumwandlung. Der politisch korrekte Lehrer Stevie (Milan Peschel) ist als einziger seiner Heimat treu geblieben.

Ein lauer Gag nach dem anderen

Sie alle treffen sich auf dem Begräbnis von Dieter (Kida Khodr Ramadan), das ausgerechnet am Vatertag stattfindet. Dieter hat sich aus dem Leben verabschiedet, seinen alten Freunden ein Bierbike hinterlassen und verfügt, dass sie damit noch mal ordentlich auf Vatertag-Tour gehen sollen – um dann seine Asche an ihrem Lieblingsplatz zu verstreuen.

Leider scheint der Film vor seinen eigenen Abgründen regelrecht zurückzuschrecken. Auf die Beerdigungsfeier arbeitet er zwar lange hin, doch beim Gang in die Kirche gibt es plötzlich einen Schnitt, der Film springt zwei Stunden weiter. Statt seine Geschichten wirkungsvoll zu erzählen, spult Holger Haase einen lauen Gag nach dem anderen ab, unterbrochen von gelegentlichen, etwas unbeholfenen Slapstick-Nummern.

Aber dann, etwa eine halbe Stunde vor Schluss, kommt es zu einer Bruchlandung in Zeitlupe. Als hätte sich durch den Crash alle Verkrampfung gelöst, als wäre der Film von seiner Beweispflicht gelöst, in jeder Szene eine Pointe setzen, einen tölpelhaft Tritt in den Fettnapf liefern und die Sehnsucht nach leichten politischen Unkorrektheiten bedienen zu können, findet „Männertag“ seinen Rhythmus.

Die Masken fallen, Stevie will aufgeben, Peter schwelgt in ihrer neuen Identität und Chris stolpert auf der Suche nach „irgendwas, das knallt“ durchs Unterholz. Die Szene dauert vielleicht fünf Minuten. Sie ist witzig geschrieben, überzeugend gespielt, genau geschnitten und als dann noch das Bierbike vom Himmel fällt, bekommt man eine Ahnung davon, was aus diesem „Männertag“ hätte werden können.

Diese Ahnung blitzt auch bis zum Abspann immer wieder kurz auf – und mischt sich mit der melancholischen Erkenntnis, dass sich das geneigte Publikum bis zu diesem Zeitpunkt den Schlamassel so schöngesoffen haben könnte, dass es gar nicht mehr im Stande sein wird, die allzu spät durchsickernden Qualitäten dieses Films wahrzunehmen.