Film

Grandios gaga, diese Damen: „Absolutely Fabulous“

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Thomas Abeltshauser

Foto: 20th Century Fox

In den Neunzigern waren sie Kult. Als Serie. Jetzt kommen die schrillen Damen ins Kino. Und schmeißen Kate Moss in die Themse.

Es ist noch gar nicht so lang her, da war Comedy ein exklusiver Spielplatz für Jungs. Frauen wurde genauso abgesprochen, witzig zu sein wie Fußballspiele zu kommentieren oder ein Land zu regieren. Dass sie sich herausnehmen, selbst zu denken und eine Position einzunehmen, aus der sie bestehende Verhältnisse reflektieren, zumal satirisch, ging vor allem vielen Männern nicht in den Kopf.

Dabei gab es lange vor heute gefeierten Komikerinnen wie Tina Fey, „Girls“-Erfinderin Lena Dunham und Anke Engelke schon in den Neunzigern mit Maren Kroymann eine Künstlerin, die mit ihrer Satiresendung „Nachtschwester Kroymann“ für Furore sorgte, bevor das Format aus fadenscheinigen Gründen abgesetzt wurde,

Die Serie schaffte es bei uns, der Film jetzt schon

Ihre Pendants in Großbritannien, dem nicht nur wegen Monty Python noch immer unerreichbar scheinenden Humorvorbild, waren Dawn French und Jennifer Saunders. Sie revolutionierten vor einem Vierteljahrhundert bei BBC mit ihrer Sketchshow „French & Saunders“ nicht nur das Comedygenre, sondern auch die eingefahrene Vorstellung, dass Frauen höchstens witzig sind, wenn sie Sätze von einem Mann aufsagen.

Umso schlimmer, wenn die Figuren auch noch betrunken und ausfallend sind. Aus einer dieser Nummern entwickelte die Saunders schließlich eine eigene Serie namens „Absolutely Fabulous“, die ab 1992 weltweit zum Kult wurde, es aber bis auf ein kurzes Gastspiel auf Arte nie ins deutsche Fernsehen geschafft hat. So respektlos und durchgeknallt wie bei „Ab Fab“ hatte sich einfach noch nie eine Frau auf dem Bildschirm verhalten.

Etliche Staffeln und Specials sind seitdem vergangen, jetzt kommt „Absolutely Fabulous“ endlich ins Kino, auch bei uns. Die Grundidee ist so simpel wie effektiv: Eddy, eine alleinerziehende Mutter und selbsterklärte PR-Frau (Serien-Erfinderin Jennifer Saunders), benimmt sich mit ihrer besten Freundin Patsy (Joanna Lumley), angeblich Redakteurin eines Modemagazins, wie die Axt im Wald, wenn sie zusammen durch Londons Gesellschaft tingeln. Sie verharren im berufsjugendlichen Dauerzustand, Schampus und Zigaretten sind ihre Begleiter, an den Morgen danach wird kein Gedanke verschwendet, sehr zum Missfallen von Eddys konservativer Tochter Saffy (Julia Sawalha).

Mit ihrem anarchischen Gaga-Hedonismus taumelten sie durch Londons Mode- und Medienwelt und hielten der Oberflächlichkeit der Branche gekonnt den Zerrspiegel vor. Und anders als Carrie in „Sex and the City“, ihre US-Epigone eine Dekade später, sind sie nicht auf der Suche nach Mr. Big.

Zahlreiche Promi-Cameos

All das wird nun im ersten Kinoabenteuer der beiden als Hintergrund vorausgesetzt. Inzwischen sind 25 Jahre verstrichen und die Zeichen der Zeit auch an den Partyqueens nicht spurlos vorüber gegangen. In Würde zu altern, ist alles andere als leicht, zumal in einem Umfeld wie der Modebranche, in der Jugend, Schönheit und Aufmerksamkeit die höchsten Güter sind. Keine gute Ausgangssituation also für die nicht mehr ganz taufrischen Society-Ladies, auch wenn Patsy sich mit ihrer Wodka-Botox-Diät konserviert hat. Aber für Eddy läuft es nicht mehr so prima, längst haben jüngere Frauen das Ruder übernommen.

Auf einer Party will sie Supermodel Kate Moss als Klientin gewinnen. Und schubst sie versehentlich in die Themse. Als das Opfer nicht mehr auftaucht, hat Eddy die Öffentlichkeit gegen sich. Es bleibt ihr nichts anderes übrig, als sich mit Patsy nach Südfrankreich abzusetzen. Es folgt ein Reigen absurder Momente und unzähliger Gastauftritte vom Spice Girl Mel B über Joan Collins bis Modezar Jean-Paul Gaultier. Das wirkt zuweilen eigenartig altmodisch, als hätten auch die Macherinnen den Zeitgeist verschlafen. Aber sei’s drum. Sie sind noch immer fabulöser als fast alles, was in Deutschland für Humor gehalten wird.