Film

Zwangs-Zurück zu Muttern: „Willkommen im Hotel Mama“

Eine Komödie über die Generation Bumerang: Eine erwachsene Tochter zieht wieder zu ihrer Mutter. Konflikte sind da vorgezeichnet.

Das will eigentlich keiner:

Das will eigentlich keiner:

Foto: Kinofreund

Ralf Krämer

Sie sind Architektin?“ Stéphanies Jobvermittler hebt theatralisch die Augenbrauen. Der etwa 40-Jährige rät der 40-Jährigen, umzuschulen, Flyer zu verteilen oder sich als Coach zu versuchen. „Das machen gerade alle,“ gluckst er: „Großartig! Gescheiterte bringen anderen bei, wie man Erfolg hat.“ Stéphanie, sonst nicht auf den Mund gefallen, fehlen die Worte.

Da stiert ihr Vermittler einer vielleicht 20-jährigen Kollegin hinterher, ruft: „Hey, wann gehen wir endlich mal was essen?“ und – Jacqueline verabschiedet sich mit den Worten: „Ich will ehrlich zu Ihnen sein: Vergessen Sie’s. Sie ist jung. Und sie sind ein alter Sack mit Wampe und Haarausfall.“

Das geht nur ein Wochenende gut

„Treffer, versenkt!“ würde man da gern jubeln. Obwohl, oder gerade weil es hier nicht um das spielerische Versenken von Schiffen geht, sondern um ein Schicksal, das im Zuge von Globalisierung und Neoliberalismus auch in Frankreich immer mehr Menschen betrifft. Sie werden arbeitslos, in einem Alter, das man einst als das beste ansah. Nun sehen sich als Teil der treffend benannten „Generation Bumerang“ gezwungen, zumindest vorläufig, bei ihren Eltern einzuziehen.

Auch für Stéphanie (Alexandra Lamy) kommt es einer Demütigung gleich, noch einmal im titelgebenden „Hotel Mama“ einchecken zu müssen. Trotz großer Zuneigung: Mehr als ein Wochenende hatte sie es schon lange nicht mehr bei ihrer Mutter Jacqueline (Josiane Balasko) ausgehalten. Warum auch? Schließlich kommt Jacqueline nicht nur gut allein zurecht, sie blüht unübersehbar auf, nachdem Stéphanies Vater vor einiger Zeit gestorben ist.

Genau genommen ist sie glücklich verliebt in einen alten Freund und Nachbarn, was sie Stéphanie und ihren anderen beiden Kindern allerdings bisher verheimlicht hat. Bei einem gemeinsamen Abendessen will Jacqueline die Neuigkeit verkünden. Aufgeregt beginnt sie schon im Vorfeld zu stottern, ist nervös und abgelenkt, was ihre Kinder mit zunehmender Besorgnis als Zeichen von beginnender Demenz interpretieren.

Und so entspinnt Regisseur und Drehbuchautor Éric Lavaine einen feinen, tragikomischen Reigen aus den Vorbehalten, die die Generationen gegenüber den jeweils anderen pflegen. Dass sich dabei die traditionellen Verhältnisse mitunter umkehren, sich hier die Seniorin einen weitaus entspannteren, offeneren Zugang zum Leben erhalten hat – und ihre Würde eben nicht gegen den Wahn eintauscht, ewig jugendlich bleiben zu müssen – , macht den großen Reiz dieses formidablen Kammerspiels aus.

Lediglich das allzu sehr in Harmonie abgleitende, geradezu märchenhafte Finale weckt sehnsüchtige Erinnerungen an den souveränen Witz, den die erste Szene im Arbeitsamt so tapfer gegen die schonungslose Realität in Stellung gebracht hatte.