SCience Fiction Kult

Enterprise-Brücke ohne Schiff: „Star Trek Byond“

Im dritten Teil der neuen Reihe geht es ans Eingemachte. Das sieht manchmal verdächtig nach „Fast & Furious“ aus. Sogar mit Motorrad.

Letzte Action für den kürzlich gestorbenen Enterprise-Star: Navigator Chekov (Anton Yelchin, r.) mit Captain Kirk (Chris Pine)

Letzte Action für den kürzlich gestorbenen Enterprise-Star: Navigator Chekov (Anton Yelchin, r.) mit Captain Kirk (Chris Pine)

Foto: Kimberley French/Paramount / dpa

Eigentlich sollte der neue „Star Trek“- Film ja der Start zur großen 50-Jahr-Sause werden. Wurden doch im September 1966 die allerersten Folgen der TV-Serie „Raumschiff Enterprise“ ausgestrahlt, die den ganzen Star-Trek-Kult ausgelöst haben. Dann sollte der Film auch eine Hommage an den im Vorjahr gestorbenen Leonard Nimoy sein, der Ur-Spock, der auch in den ersten zwei Teilen der Kino-Neuauflage mit jüngeren Darstellern dabei war.

Aber dann ist, einen Monat vor der Premiere des dritten Teils, Anton Yelchin, der Darsteller des Navigators Cechov, den wohl bizarrsten Tod des Jahres gestorben, als er von seinem eigenen Wagen an seiner Toreinfahrt erdrückt wurde. So ist „Star Trek Beyond“ vor allem ein Nachruf auf den erst 27-jährigen.

Während die ersten zwei Teile so etwas wie die (vielfach gebrochene) Vorgeschichte erzählt haben, geht es jetzt in Teil Drei endlich, wie in der Ur-Serie, auf eine Forschungsreise durch die Galaxien. Captain Kirk (Chris Pine) vermeldet dabei in seinem berühmten Logbuch auch mal ironisch das ewige Einerlei auf so einer langen Reise: der All-Tag, wörtlich genommen.

Etwa wenn in Kirks Schrank nur die immergleichen gelben Uniformen hängen. Oder wenn gezeigt wird, dass die Raumfahrenden auch mal Sex haben. Im Fall von Sulu (John Cho) sogar gleichgeschlechtlichen – was im Vorfeld zu einigem Unmut geführt hat.

Dann aber wird „Star Trek Beyond“ quasi ein „Fluch der Karibik“-Film. Nicht von un­gefähr wird die Raumfahrt von jeher mit der Seefahrt ver­glichen. Hier wird konsequent allerlei Seemannsgarn gesponnen. Bis es – Vorsicht, Spoiler! – zum Super-Gau kommt: Piraten aus dem All entern die Enterprise und, da müssen die Trekkies jetzt ganz stark sein, schlagen nicht nur die Flügel des Schiffes ab, sondern reißen auch Ober- und Unterdeck auseinander.

Eine Weile ist „Star Trek Beyond“ damit auch so etwas wie „Titanic“, wenn die Helden panisch durch die Gänge des havarierenden Schiffs rennen. Es gibt allerdings mehr Rettungsboote bzw. -shuttles. Und so landen die meisten auf einem fremden, unwirtlichen Planeten.

Dann spielt „Star Trek Beyond“ quasi „Lost“, weil sich auf der Suche nach der Crew einige Besatzungsmitglieder erst mal zu zweit durchschlagen. Uhura (Zoe Saldana) mit Sulu, Pille (Karl Urban) mit Spock (Zachary Quinto). Cechov hat dabei das große Los gezogen, an der Seite des Captains (und des Haupt-Stars des Films) durch die Handlung zu stolpern.

Letztlich aber ist „Star Trek Beyond“ nichts anderes als ein „Fast & Furious“-Film. J.J. Abrams, der den Reboot der Reihe verantwortet, hat bekanntlich auch die neuen „Star Wars“-Filme übernommen und will jetzt, das ist sehr weise, nicht in beiden Galaxien gleichzeitig unterwegs sein. Deshalb hat er Teil Drei nur noch produziert und die Regie an Justin Lin abgegeben. Der aber ist bekannt für seine Autorasereien in „F & F“. Und macht auch in diesem „Star Trek“-Film das, was er am besten kann: auf die Tube drücken.

Das geht ein bisschen auf Kosten der Figurenzeichnung der Vorgänger-Teile, sorgt aber für spektakuläre Actionszenen, bei denen am Ende ganz schön viel Weltraumschrott durch den Weltraum wabert. Dass Justin Lin allerdings auch in einem Science-Fiction-Film eine Szene mit Motorrad einbaut, ist doch etwas zu dick aufgetragen. Manche Marotten passen einfach nicht in jedes Genre.

Aber das sind nur klitzekleine Kritikpunkte an einem Film, der als Actionspektakel ganz prima funktioniert. Das ist auch Simon Pegg zu verdanken, der einmal nicht nur als Techniker Scotty am Schiff, sondern auch als Drehbuchautor am Plot herumschraubt. Die feindlichen Aliens werden dann übrigens mit der irrwitzigsten Idee seit „Mars Attacks!“ bekämpft. Solcherlei Ironie steht der alten Enterprise sichtlich gut.