Kino

Auch Aliens lieben Jubiläen: „Independence Day: Wiederkehr“

20 Jahre nach seinem Welthit lässt Roland Emmerich eine Fortsetzung folgen. Die ist erstaunlich gelungen. Nur Will Smith fehlt sehr.

So sieht es aus, wenn die Aliens sich über London hermachen

So sieht es aus, wenn die Aliens sich über London hermachen

Foto: 20th Century Fox

Erinnern Sie sich noch an den verrückten Wissenschaftler aus dem ersten „Independence Day“-Film? Der mit den wirren Haaren? Damals, 1996, wurde er von einem Alien gewürgt und gegen ein Panzerglas geschleudert. Und alle dachten, er sei tot. Von wegen. Im Koma lag er, 20 Jahre lang, jetzt reißt er plötzlich wieder die wirren Augen auf und fragt: „Haben wir gewonnen?“

Ja, die Menschheit hat gewonnen. Und will das in „Independence Day: Wiederkehr“ feiern. Aber auch die Aliens haben einen feinen Sinn für Reizdaten und rüsten punktgenau zum Jubiläum noch mal zum Angriff. Es ist schon seltsam. Science-Fiction ist ja eigentlich das Gen- re, das ausschließlich in die Zukunft blickt. Aber noch nie wurden so viele Déjà-vus, so viele „Weißt du noch?“-Momente angerissen wie in dieser Fortsetzung, die auch „ID 20“ heißen könnte oder „ID 2.0“.

Eigentlich lehnt Roland Emmerich, daraus hat er nie einen Hehl gemacht, Fortsetzungen ja strikt ab. Aber nachdem sein ambitioniertes Shakespeare-Drama „Anonymus“ ebenso floppte wie sein kämpferischer Schwulenfilm „Stonewall“, hat sich der „Master of Disaster“ doch wieder auf das verlegt, was er am Besten kann. Und führt die Geschichte lieber selber weiter, bevor das andere tun.

Es kann nicht schaden, wenn man sich den alten Film vorher noch einmal anschaut. Denn es gibt viele kleine, hübsche Zitate und Anspielungen, die das Weißt-du-noch?-Spiel kräftig ausreizen. Den ganz großen Coup von 1996 kann Emmerich naturgemäß nicht wieder erreichen. Damals hat er die B-Movies der 50er-Jahre in die Blockbusterkategorie gehievt, mit Effekten, die dann dauernd zitiert wurden. Dieser Überraschungsmoment ist in Zeiten von CGI vorbei. Dennoch ist Emmerich mit seiner „Wiederkehr“ sowas wie die Quadratur des Kreises gelungen.

Alle wünschen sich ja von einer Fortsetzung, dass sie möglichst genauso ist wie der erste Teil, aber irgendwie doch auch ganz anders. Genau das löst er ein. So kann er sowohl die neuen, jüngeren Zuschauer ansprechen, die den alten Film gar nicht kennen, als auch die, die schon vor zwei Dekaden im Kino saßen.

Die Welt im Film ist nicht mehr dieselbe wie die unsere, sie ist ja im ersten Teil fast komplett zerstört worden. Ergo sieht die National Mall von Washington im neuen Film etwas spaciger aus, der Präsident ist eine Frau, und sie führt nicht die Vereinigten Staaten von Amerika an, sondern die Vereinigten Staaten der Erde. Auch die Technik ist etwas weiter als in unserer realen Gegenwart. Die Zukunft hat längst begonnen. Aber auch die Aliens haben sich modifiziert.

Die Action bleibt diesmal der Next Generation vorbehalten: dem Film-Sohn von Will Smith (Jessie T. Usher), der Tochter des Ex-Präsidenten (Maika Monroe) und deren Verlobtem (Liam Hemsworth). Aber – weißt du noch? – auch all die Stars vom ersten Teil, Bill Pullmann, Jeff Goldblum, Judd Hirsch, sind wieder da, um sich noch einmal von den Special Effekten die Schau stehlen zu lassen. Nur Will Smith fehlt schmerzlich, er wollte nicht mehr mitmachen. Sein Bild hängt gleichwohl im Weißen Haus, weil er, so heißt es, bei einem Testflug ums Leben kam. Der große Held von einst – bei einem Routineflug umgekommen? Man hätte ihn würdevoller verabschieden können.

Und, dies die versöhnlichste Botschaft des Films: Wir sind nicht allein im All. Es gibt da draußen auch Mächte, die uns gegen die zerstörungswütigen Glibbermonster beistehen. Gute Aliens, schlechte Aliens. Ein xenophobischer Blockbuster mitten in der derzeitigen Flüchtlingskrise hätte schnell als Parabel auf Überfremdungsangst missverstanden werden können. Nicht so bei Emmerich: Sein Popcornuniversum erweist sich als idealistischer Werbespot auf Integration und Gemeinschaftsdenken. Nicht das Schlechteste, was man einem Actionfilm nachsagen kann.