Kino

„Smaragdgrün“ ist besser als „Rubinrot“ und „Saphirblau“

Die Edelstein-Trilogie nimmt nun auch im Kino ein Ende. Von FIlm zu Film hat sich hier eine solide Fantasy-Action entwickelt.

Zum dritten Mal auf Zeitreise: Maria Ehrich (r) als Gwen und Justine del Corte als Madame Rossini.

Zum dritten Mal auf Zeitreise: Maria Ehrich (r) als Gwen und Justine del Corte als Madame Rossini.

Foto: Concorde Filmverleih / dpa

Ralf Krämer

Woran erkennt man mit verbunden Augen, dass im Kino gerade eine Adaption der „Edelstein-Trilogie“ läuft? Man muss nur auf einen Satz wie „Lass uns Freunde bleiben“ warten, schon geht ein bedauerndes Gelächter durch die fast gänzlich weiblich besetzten Reihen.

Ansonsten wird die andachtsvolle Stille nur gelegentlich von leisem Flüstern unterbrochen, wenn eine Freundin der anderen mal wieder zu erklären versucht, warum die Leute auf der Leinwand plötzlich so komische Klamotten tragen („Die sind jetzt in London im Jahr 1955“), warum sich die Heldin Gwendolyn (Maria Ehrich) plötzlich so vertraut mit einem scheinbar Unbekannten unterhält („Der Typ ist ihr Großvater. Das weiß sie noch nicht, aber eigentlich ist er schon tot.“) und was das Ganze eigentlich soll („Da gibt es diese Zeitreisemaschine. Sie funktioniert nur mit einem geschlossenen Blutkreislauf“).

Lustvoller Kulissenwechsel

Dieses fast ritualisierte Publikumsverhalten wird sich auch nun wieder beobachten lassen, wenn nach „Rubinrot“ und „Saphirblau“ mit „Smaragdgrün“ der dritte und letzte Teil der Trilogie ins Kino kommt. Für Nichteingeweihte: Hier handelt es sich einmal mehr um die Verfilmung einer sehr erfolgreichen, in 27 Sprachen übersetzten Jugendromanreihe, geschrieben von der Bestsellerautorin Kerstin Gier aus der Stockhausen-Gemeinde Kürten. Zeitreisen dienen ihr indes weniger als spirituelle Horizonterweiterung, sondern ganz pragmatisch als Hindernis oder Zuflucht ihrer Helden und nicht zuletzt als Vorwand, lustvolle Kostüm- und Kulissenwechsel zu vollziehen.

Im Kern der etwas verquast konzipierten Geschichte geht es nur um die Beziehungskiste der 16-jährigen Gwendolyn und dem zwei Jahre älteren Gideon (Jannis Niewöher). Beide gehören zum Kreis von zwölf Trägern eines Zeitreise-Gens. Auf die Probe gestellt wird ihre Liebe durch Gideons Mitgliedschaft bei einer Geheimloge, die im Verdacht steht, die Weltherrschaft an sich reißen zu wollen.

„Saphirblau“ endete mit einem scheinbaren Verrat Gideons, daher wundert es nicht, dass Gwendolyn zu Beginn von „Smaragdgrün“ unter Liebeskummer leidet. In emotionalen Dingen – mit dieser schönen Ironie spielen die Filme auf durchaus unterhaltsame Weise – sind eben auch Zeitreisende ganz normale Teenager.

Neubesetzung in Drehbuch, Schnitt und Kamera

Außergewöhnlich gestaltet sich hingegen der Konflikt mit dem intriganten Graf von Saint Germain (Peter Simonischek), der Gwendolyn erneut kaum eine ruhige Filmminute lässt. Bemerkenswert ist, dass sich „Smaragdgrün“ von seinen oft allzu ungelenk wirkenden Vorgängern emanzipiert hat und durchaus als solider Fantasy-Actionfilm durchgeht. Neubesetzungen in den Schlüsselpositionen Drehbuch, Schnitt und Kamera haben hier einen genre-dienlichen Effekt gehabt

Es ist davon auszugehen, dass nach dem enttäuschenden Abschneiden von „Rubinrot“ und der solideren Performance von „Saphirblau“ „Smaragdgrün“ verdientermaßen zum erfolgreichsten der drei Film werden wird.