Film

Alter Grusel, neuer Blick: „Victor Frankenstein“

Es gibt das Monster. Und seinen Erschaffer. Der dritte Mann, Igor, blieb dabei immer etwas im Schatten. Daniel Radliffe soll das nun ändern.

Ich bin jünger, ich bin interessanter: Igor (Daniel Radcliffe, l.) und Frankenstein (James McAvoy)

Ich bin jünger, ich bin interessanter: Igor (Daniel Radcliffe, l.) und Frankenstein (James McAvoy)

Foto: dpa Picture-Alliance / face to face / picture alliance / ZUMAPRESS.com

Igor hat’s nicht leicht. Als Nebenrolle etlicher Frankenstein-Verfilmungen hat er sich einen hohen Wiedererkennungswert erarbeitet, obwohl er in der literarischen Vorlage von Mary Shelley gar nicht auftaucht. Igor ist eine Erfindung des Kinos, ein körperlich Versehrter, der dem wahnsinnigen Wissenschaftler Frankenstein meist als Laborassistent, mitunter auch als Organspender für das zusammengeflickte Monster diente.

Nun endlich ist Igor zur Hauptfigur aufgestiegen. Zwar nennt der Titel des neues Film von Paul McGuigan Igor immer noch nicht beim Namen, doch bereits auf den Plakaten von „Victor Frankenstein – Genie und Wahnsinn“ linst Igor (mit Eifer gespielt von Daniel Radcliffe) seinem Meister (James McAvoy) fast kokett über die Schulter. Sein Blick scheint zu sagen: Seht her, ich bin jünger, hübscher und meine Geschichte ist interessanter als die von Frankenstein!

Damit er Recht behält, hat ihm Drehbuchautor Max Landis eine Jugend im Zirkus auf den Leib geschrieben. Dort bietet Igor sich als deformierter Freak dar, liest nebenbei die neuesten medizinischen Fachbücher und verliebt sich in die Trapezkünstlerin Lorelei (Jessica Brown Findlay). Diesen ersten Teil gestaltet Mc-Guigan furios romantisch.

Wenn Lorelei dann aus der Zirkuskuppel stürzt, Dr. Frankenstein zu ihr eilt und Zeuge wird, wie der Laie Igor ihr mit einem instinktiven chiropraktischen Eingriff das Leben rettet, wandelt McGuigan kurz auf den Spuren des „Medicus“ und der TV-Serie „Sherlock“, für die er einige Folgen inszeniert hat. Doch statt den eingeschlagen Weg weiter zu verfolgen, wird Igors Buckel kurzerhand ausgequetscht, als wäre er nur ein riesiger Pickel.

Mit Bedauern sieht man ihn seiner Unverwechselbarkeit be­raubt, und aus dem Film wird eine groteske Komödie mit Gore-Elementen, die schließlich mit der Erschaffung des Monsters zum erschreckend einfallslosen Action-Abenteuer mutiert.

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