Kinostart

Wenn die Liebe ins Wasser fällt: „A Bigger Splash“

Viele kennen den „Swimming Pool“ mit Romy Schneider und Alain Delon. Luca Guadagnino hat den Klassiker neu verfilmt. Mit neuem Dreh.

Ungebetene Gäste: Henry (Ralph Fiennes) und seine Tochter Penelope (Dakota Johnson) stören die friedliche Stille

Ungebetene Gäste: Henry (Ralph Fiennes) und seine Tochter Penelope (Dakota Johnson) stören die friedliche Stille

Foto: Studiocanal

Es gibt Einladungen, die bereut man schon, wenn man sie ausspricht. Wie im Film „A Bigger Splash“, der diese Woche ins Kino kommt. Ein Paar besitzt ein schönes Landhaus auf einer verträumten Mittelmeerinsel, fernab von neugierigen Nachbarn, mit einem großen Pool, an dem man prima entspannen kann.

Aber eines Tages kommt ein alter Bekannter vorbei, bringt auch noch unangekündigt eine Tochter mit, von der er selbst erst seit Kurzem weiß. Und sofort beginnt er die Ruhe zu stören, muss immerzu im Mittelpunkt stehen und den Ton angeben. Wobei er penetrant betont, dass es hier keine Hotelzimmer gibt. Der Mann wehrt noch ab, aber die Frau fragt dann doch, warum sie nicht bei ihnen wohnen wollen. Man ahnt schon, dass das nicht gut gehen wird.

Aus dem intimen Drama wird ein öffentliches

Man ahnt es nicht nur, man weiß es ja auch. Denn „A Bigger Splash“ ist das Remake des Klassikers „Der Swimmingpool“, was im Abspann ein bisschen schneller abspult als die restlichen Credits. Und Jacques Derays Sommerdrama aus dem Jahr 1969 ist noch immer in guter Erinnerung, vor allem wegen der Besetzung.

Spielten hier doch Romy Schneider und Alain Delon, lange nach ihrer Trennung, noch einmal ein Paar, das sich am Pool liebt. Wobei die Stars allen zeigten, dass zwischen ihnen kein Riss, keine Verletzung war, sondern noch immer große Verbundenheit – und ein gewisses Knistern.

Diesmal spielt Tilda Swinton die Romy-Rolle und der Belgier Matthias Schoenaerts – obschon in vielen internationalen Produktionen präsent, noch kein Weltstar – muss sich den Vergleich mit Delon gefallen lassen. Eine immense Fallhöhe.

Versprechen auf etwas Größeres

Damals kam Maurice Ronet zu Besuch und brachte die blutjunge Jane Birkin mit, diesmal ist es Ralph Fiennes, der einer ganzen Generation nur noch als Lord Voldemort bekannt sein dürfte, mit Dakota Johnson, die man aus dem Soft-S/M-Sexfilmchen „50 Shades of Grey“ kennt.

Der Titel zielt jetzt nicht mehr direkt auf den Pool – der, wie jeder weiß, der den alten Film kennt, eine zentrale Rolle spielt –, sondern um die Ecke. „A Bigger Splash“, so heißt ein Gemälde von David Hockney, der bekanntlich viele Bilder von Menschen am Pool gemalt hat. „A Bigger Splash“: Das klingt aber auch wie ein Versprechen auf etwas noch Größeres, Besseres.

Das gelingt Regisseur Luca Guadagnino auf zweifache Weise. Die erste ist, dass er seine Figuren in der Pop-Industrie ansiedelt. Das intime Drama von einst wird damit öffentlicher. Tilda Swintons Marianne ist eine Rockröhre, die mit schwarzer Perücke und schwarzer Lederkluft Rockstadien füllt.

Fiennes ist ihr alter Musikproduzent Harry, mit dem sie auch mal was hatte, bis er sie, was er in seinem eitlen Zynismus als Geschenk versteht, an seinen Freund Paul, einen Dokumentarfilmer „abgegeben“ hat. Jetzt will Harry Marianne allerdings wieder zurück haben. Und die junge Tochter Penelope, wenn sie denn wirklich seine ist, kommt da nicht ungelegen, wenn sie Paul recht unverhohlen Avancen macht.

Dass Harry und Marianne längst Welten trennen, wird durch einen zusätzlichen Kunstgriff unterstrichen. Harry redet pausenlos und schwelgt in alten Erinnerungen an erfolgreiche Tage, womit er verdrängt, dass die schon ein bisschen her sind. Marianne muss sich dagegen von einer Kehlkopfoperation erholen, die ihr verbietet, zu sprechen. Und es ist gar nicht ausgemacht, ob sie je wieder in ihren Beruf, in die Arenen zurückgehen kann.

„A Bigger Splash“ hat zwar kein Schneider-Delon-Coup zu bieten. Aber es ist doch höchst unterhaltsam, wie hier zwei Stars gegen den Strich besetzt sind und mit Lust gegen ihr Image anspielen. Fiennes, der auf seine alten Tage noch als großer Komödiant überrascht und sich hier wirklich jede Blöße gibt.

Flüchtlingskrise überrollt Beziehungsdrama

Und Tilda Swinton, die Guadagnino – sowas wie ihr Hausregisseur, der mit ihr schon Filme wie „The Protagonists“ oder „Ich bin die Liebe“ gedreht hat – zum Flüstern und Stillsein verdonnert. In der flirrenden Hitze entlädt sich nun das Spannungsgeflecht von neuen und alten Gefühlen, von Eifersucht und eigenem Fremdbegehren. Bis es zur großen Auseinandersetzung am Pool kommt.

Dann aber macht der Film noch mal einen ganz anderen Dreh. Weil er nun mit der aktuellen Flüchtlingskrise kombiniert wird. Einmal sieht man, etwas aufdringlich ins Bild gerückt, Bilder von Flüchtlingen, die auf die Insel kommen.

Später stehen Paul und Penelope an einem einsamen Ort plötzlich vor ein paar Schwarzafrikanern, ein kurzer bedrohlicher Moment, bis die Fremden die Flucht ergreifen, weil sie viel mehr Angst haben – als illegale Einwanderer entdeckt zu werden.

Und je mehr sich die Aggressionen innerhalb der vier Protagonisten aufstauen und ihre Lebenslügen aufschimmern, desto deutlicher wird ins Bild gerückt, wie die Flüchtlingskrise die italienische Insel vor Tunesien verändert und aus dem einstigen Ferienidyll einen sozialen Brennpunkt macht. Bei dem – finsterster Moment dieser Neuverfilmung – die Probleme und Differenzen auch noch so berühmter Promis auf der Insel gar nicht mehr so wichtig sind.

Kinostart: 5. Mai