Film

Melissa McCarthy ist ein Chef zum Davonlaufen: „The Boss“

Als schrille Dicke wurde sie berühmt. Jetzt hat der Filmstar kräftig abgespeckt. Und nervt als Turbo-Kapitalistin, ohne lustig zu sein.

Sie sagt allen, wie man das macht, an die große Kohle zu kommen: Melissa McCarthy als Michelle Darnell

Sie sagt allen, wie man das macht, an die große Kohle zu kommen: Melissa McCarthy als Michelle Darnell

Foto: Universal Pictures / dpa

Sie heißt Michelle Darnell, und sie tritt in ausverkauften Hallen auf. Dort bringt sie geldhungrigen Menschen bei, wie man sie macht, die ganz große Kohle, und wie man dafür sein muss: willensstark, kompromisslos und frei von jedem Mitgefühl. Dollarzeichen leuchten hinter ihr auf, Scheinwerferlichtkegel durchschneiden die Luft, die Masse tobt.

Ben Falcones „The Boss“ setzt von Anfang an auf das Moment der totalen Überdrehung. Vorspann, Schnitt und Bildmontage: Das ist alles exakt so angeberisch und laut wie die Hauptfigur dieses Films, der trotzdem unbedingt zu den langweiligsten und ärgerlichsten Komödien des Jahres gerechnet werden muss.

Alles schon tausendfach gesehen. Und besser

Denn die Geschichte der erfolgreichen Managerin, die über den Verrat ihres Ex-Geliebten Renault (Peter Dinklage aus „Game of Thrones“) stürzt und wegen Insider-Geschäften im Gefängnis landet, ist frei von jeder originellen Idee, frei auch von jeder Zweideutigkeit, die für Spannung sorgen könnte. Michelle Darnell alias Melissa McCarthy ist nichts als die lupenreine Abziehfolie einer Turbo-Kapitalistin, wie man sie schon tausendfach und weitaus besser auf der Leinwand gesehen hat.

Witz und Humor versucht der Film durch Ausflüge in den Klamauk zu erzeugen, was ihm durch die Bank misslingt. Michelle Darnell setzt sich eine Spreizmaske ein, um sich von ihrer Assistentin Claire (Kristen Bell) die Zähle bleichen zu lassen. Ach nein, wie sieht das lustig aus.

Sie zieht nach ihrem Gefängnisaufenthalt bei ihrer Assistentin ein, will auf dem Aufziehsofa übernachten und wird von dessen Mechanik an die Wand geschleudert. Irre, wie überraschend. Sie erklärt ihrer Assistentin vor deren Date mit einem ehemaligen Arbeitskollegen, wie sie ihr Dekolleté zu präsentieren hat, und tatscht ihr dabei permanent auf den Brüsten herum. In dieser humoristischen Güteklasse spielt dieser Film. Es ist die unterste.

Zickenkriege und zweifelhafte Pädagogik

US-Komödien wie „Brautalarm“ (übrigens auch mit Melissa McCarthy) oder „Hangover“ (in seiner dritten, schon reichlich lahmen Fortsetzung ebenfalls mit ihr) haben in den letzten Jahren demonstriert, dass in der brachialen Verletzung von Geschmacks- und Schamgrenzen tatsächlich noch ungeborgenes Potenzial für Komik liegt. „The Boss“ ist nun ein Beispiel dafür, wie sehr diese Masche abgewirtschaftet hat.

Michelle Darnell versucht dann an der Schule, die Claires Tochter besucht, ein Imperium für den Verkauf von Brownies aufzuziehen – verbunden natürlich mit diversen Zickenkriegen und pädagogisch zweifelhaften Methoden. Auch hier findet sich nicht eine Spur von Originalität oder gar von Liebe zum gelungenen Dialog – erklärbar vielleicht am ehesten durch ein Drehbuch, das nur von abgesicherten, weil schon seit Jahren erprobten Gags lebt. Ein überflüssiger Film.