Filmbranche

James Bond: Die Suche nach der Craig-Nachfolge für 007

Schauspieler Daniel Craig will nicht mehr James Bond sein – Top-Stars stehen für die Nachfolge bereit. Eine Auswahl der Kandidaten.

Will nicht mehr: Daniel Craig hat die Rolle als 007 satt.

Will nicht mehr: Daniel Craig hat die Rolle als 007 satt.

Foto: Britta Pedersen / dpa

Berlin.  Der „Sherlock“-Darsteller Benedict Cumberbatch brachte es neulich auf den Punkt, als er – wie viele andere – gefragt wurde, ob er einen James Bond spielen könnte. Für britische Schauspieler ist das die wohl höchste Auszeichnung, die es geben kann. Cumberbatch sagte, blasiert, wie er manchmal sein kann: „Ich kann einen Anzug tragen, ich kann kämpfen und ich kann meine Augenbraue hochziehen.“ Doch nach einer Pause fügte er fast schon bescheiden an: „Aber das ist es nicht, was es braucht, um Bond zu spielen.“

Bisher gibt es sechs Männer, die wissen, was es braucht: Sean Connery, George Lazenby, Roger Moore, Timothy Dalton, Pierce Brosnan und zuletzt Daniel Craig. Letzterer deutet seit einer Weile an, dass er nicht mehr will – oder treibt er nur seine Gage weiter nach oben? So zumindest soll es 1981 gewesen sein, als Sean Connery sich zu wichtig nahm.

Doch in der Tat klingt Craig fast amtsmüde: Als ihn 2015 ein Journalist fragte, ob er einen fünften Film drehen würde, sagte er: „Lieber würde ich dieses Glas hier zerschlagen und mir mit einer Scherbe die Pulsader aufschneiden.“ Er klagte über anstrengende Dreharbeiten in Mexiko, London und Asien. Außerdem endet „Spectre“ damit, dass Bond erstmals seine Marke als Agent abgibt, ein Novum in der Serie. Er verabschiedet sich aus dem Dienst – und nimmt natürlich eine schöne Frau mit in den Agenten-Ruhestand.

Sexy, smart und schlagkräftig

So ganz ernst nehmen kann Andreas Pott diese Diskussion aber nicht. „Wir lachen ein bisschen darüber“, sagt er und meint mit „wir“ seine Kollegen vom James-Bond-Club, dessen Vorsitzender er ist. „Es ist ja bisher noch nicht einmal zu 100 Prozent bestätigt, dass Craig wirklich keinen Bond drehen will.“ Laut Vertrag müsste er einen weiteren Teil drehen. „Und Roger Moore zum Beispiel hatte ohnehin nur einen Vertrag für drei Filme“, sagt Pott, „jeder weitere Film wurde einzeln mit ihm abgesprochen.“ Weil die Diskussion schon weit fortgeschritten ist, hat auch er Spaß dabei. Wichtig sei zunächst, dass der Kandidat drei Eigenschaften erfülle: sexy, smart und gleichzeitig schlagkräftig.

Potts liebster Kandidat ist derzeit Michael Fassbender. „Als in Deutschland geborener Ire hat er ein Gespür für das Leben auf dem Kontinent“, sagt er, „und er hat im Film ‚Shame‘ bewiesen, dass er komplizierte Charaktere spielen kann.“ Auch passt er ins Bild des Frauenschwarms, das jeder Bond bisher verkörperte.

Debatte um ersten „schwarze Bond“

Das Lieblingskind der Medien ist klar Idris Elba, der mit 43 zu den älteren Kandidaten zählt, aber eben die Diskussion um den ersten „schwarzen Bond“ antreibt. Heiko Baumann, Chefredakteur des Bond-Magazins „gunbarrel“, hält ihn für einen „zweifellos guten Schauspieler“, aber fürchtet, dass dann „die Altersdiskussion sofort nach dem ersten, spätestens nach dem zweiten Film“ aufkäme. Idris Elba will sich dazu nicht mehr äußern. Er habe das Gefühl, für ein politisches Amt anzutreten, sagte er dem „Telegraph“.

Ein wichtiger Aspekt bei der Bond-Kür, so die Experten, ist der sogenannte Frischlingsaspekt. Das heißt, der Bond-Darsteller darf nicht zu bekannt sein. Aus diesem Grund wurde schon vor rund sieben Jahren Henry Cavill gefragt, ein damals mit 25 Jahren noch sehr junger Schauspieler. „Es hieß“, sagt er in einem Interview, „entweder Craig oder ich.“ Inzwischen sei er ganz froh, dass es nicht geklappt habe. Bond-Club-Vorstand Andreas Pott sieht dessen Gesicht aber inzwischen als „verbrannt“ an, weil ihn die Zuschauer als Superman aus dem Kino kennen.

Als Geheimtipp gilt derzeit noch immer Tom Hiddleston. Der gebürtige Londoner hat einen schottischen Vater – wie James Bond. Er ging auf das Elite-Internat Eton, wie Premier James Cameron, was in der britischen Klassengesellschaft wichtig ist. Kritiker finden ihn zu „zart“ oder „jungenhaft“ – aber als Titelheld in „The Night Manager“ (BBC) hat er immerhin schon TV-Erfahrungen als Geheimagent gesammelt: mit Anzügen, mit Waffen – und dem coolen Spiel der Augenbraue.