Film

Ein Jesus-Film für die Osterzeit: „Auferstanden“

Ostern ist die Zeit der Bibelfilme. So auch dieses Jahr. Den Auftakt macht „Auferstanden“. Mit viel blutigem Realismus, aber wenig Tiefe.

Aus Freunden werden Feinde: Die Römer Clavius (Joseph Fiennes, l.) und Lucius (Tom Felton)

Aus Freunden werden Feinde: Die Römer Clavius (Joseph Fiennes, l.) und Lucius (Tom Felton)

Foto: © 2015 Sony Pictures Releasing GmbH

Bald ist Ostern, da laufen besinnliche Inhalte gut. Der „Spiegel“ wird sicher wieder mit irgendeinem frommen Titel erscheinen, etwas über Abraham oder die Weltreligionen, wer weiß. Da will sich das Kino nicht hinten anstellen und präsentiert einen Film über das Osterthema schlechthin, die größte und sicher wirkungsmächtigste Geschichte aller Zeiten: den Sieg gegen den Tod, Auferstehung des Fleisches in Gestalt von Jesus Christus.

Der US-amerikanische Regisseur Kevin Reynolds, der sich mit „Robin Hood“ (1991), „Der Graf von Monte Christo“ (2002) oder „Tristan und Isolde“ (2006) immer wieder an historischen Stoffen probiert hat, erzählt diese Geschichte aus der Perspektive eines Außenseiters – keines schwachen Außenseiters freilich, denn der von Joseph Fiennes gespielte Tribun Clavius gehört zum Kreis der römischen Aggressoren.

Und das merkt man schon von der ersten Minute an, wo wir ihn auf dem Schlachtfeld beim Niedermetzeln von Aufständischen zusehen dürfen – so wie im gesamten Film auch kaum ein Augenblick verstreichen wird, in dem Joseph Fiennes’ dreitagebärtiges Gesicht nicht blut- oder wenigstens dreckverschmiert ist.

Reynolds hat sich einem blutigen Realismus verschrieben. Wir sehen die Kreuzigungsszene ohne jede Beschönigung als Dokumentation bestialischer Gewalt – und als wäre das nicht schon genug, wird uns auch noch von einem Fachmann kleinteilig erläutert, warum das Ende am Kreuz zu den grausamsten aller Todesarten gehört.

Tribun Clavius bekommt jedenfalls den Auftrag, dem seltsamen Verschwinden eines Leichnams aus einer Höhle nachzugehen, die mit einem schweren Stein versperrt war. Pontius Pilatus (Peter Firth), der sich in einer aufdringlich symbolhaften Szene natürlich die Hände waschen muss, sieht darin eine Gefahr: Denn den Prophezeiungen zufolge würde die Auferstehung einen Aufstand in Jerusalem zur Folge haben und große Unruhe in die Region bringen.

Wir kennen die Geschichte und wissen, dass Clavius keine Leiche finden wird. Stattdessen findet er unter den Jüngern einen höchst lebendigen Jesus – der, das muss man diesem höchst durchschnittlichen, oft auch langweiligen Film zugute halten, mit Cliff Curtis ausgezeichnet besetzt ist.

Er verkörpert das Charisma des Gottessohns glaubwürdig und sieht mit seinen dunklen Augen und seinen schwarzen Haaren auch so aus, wie der historische Jesus aller Wahrscheinlichkeit nach ausgesehen hat – und nicht wie die blonde, blauäugige Lichtgestalt, die in der kirchlichen Ikonographie überliefert wird.

Clavius lässt sich fesseln von der Welt christlicher Begeisterung – und zugleich entfesseln vom martialischen Regime Roms. Er zieht, man kann das ohne Angst vor Spoilern verraten, mit den Jüngern in die Wüste und wird Zeuge der Himmelfahrt. Dann ist der Film zu Ende, der nichts weiter ist als ein akkurat abgefilmtes Stück Bibel.

Es hätte der Entwicklungsroman eines zum christlichen Glauben konvertierenden Menschen werden können – aber dazu fehlt der Figur trotz Joseph Fiennes die psychologische Tiefe. Ein Blick ins Neue Testament ist manchmal nicht nur erbaulich, er spart auch die Fahrt ins Kino und das Geld fürs Ticket.