„Tatort“

Der neue Schweiger-Film „Tschiller: Off Duty“ im Check

Kann Nick Tschiller Selbstironie? Und funktioniert ein „Tatort“ überhaupt auf großer Leinwand? Wir beantworten ein paar Fragen.

Fahri Yardim und Til Schweiger (von links) haben den „Tatort“ ins Kino gebracht.

Fahri Yardim und Til Schweiger (von links) haben den „Tatort“ ins Kino gebracht.

Foto: Daniel Reinhardt / dpa

Hamburg.  Til Schweigers neues „Tatort“-Experiment ist in den deutschen Kinos angelaufen. Doch warum sollten Zuschauer einen „Tatort“ im Kino ansehen und wie viel Hamburg steckt noch in dieser Folge? Der Actionfilm „Tschiller: Off Duty“ im Check:

Ist das überhaupt ein echter „Tatort“?

Ehrlich gesagt: Nö. Das sagt aber genau nullkommanix über die Qualität des Films aus. Erinnert sich noch jemand an die Diskussion um den Vorspann, als vor einigen Jahren bekannt wurde, dass Til Schweiger „Tatort“-Kommissar werden soll? Er wollte ihn abschaffen, das Geschrei war groß. Tja, jetzt hat er ihn abgeschafft. Vorübergehend. Bei „Tschiller: Off Duty“ gibt es das berühmte Fadenkreuz nicht. Es ist halt ein deutscher Kino-Actionfilm. Ein richtig gut gemachter Genre-Film. So, und jetzt kommt’s: eine Art deutscher Bond (jaha, tatsächlich!). Wobei es natürlich extrem vermessen wäre, das mit einem echten Bond zu vergleichen, die Budgets sind viel zu unterschiedlich. Aber es ist in einigen Momenten geradezu eine Bond-Persiflage.

Warum sollte ich einen Fernsehfilm im Kino sehen?

Weil man diese Art von Film einfach besser auf der großen Leinwand und mit einer Tüte Popcorn guckt als auf dem Sofa. Ist einfach so: Der Schweiger-„Tatort“ funktioniert im Kino tatsächlich viel besser als im Fernsehen. Große Bilder, großer Wumms, Genre-Kino!

Deutscher Actionfilm? Ist doch lächerlich.

Nö. Lächerlich macht sich nur, wem es peinlich ist, zuzugeben, dass das einfach ein sehr gut gemachter Film ist.

Ist die Story nicht etwas unglaubwürdig?

Total unglaubwürdig sogar! Aber seit wann ist denn Glaubwürdigkeit eine Kategorie, in der man diese Art von Film misst? Wie glaubwürdig sind denn Bruce-Willis-Filme oder Bond-Werke? Also, bitte. Die entscheidende Kategorie heißt Unterhaltsamkeit. Und unterhaltsam ist er. Punkt.

Kann Nick Tschiller Humor und Selbstironie?

Kann er seit der ersten Folge, als sein Nuscheln thematisiert wurde und über harte und weiche Eier philosophiert wurde. Und wo er es nicht kann, ist ohnehin Fahri Yardim zuständig. Und der ist sehr, sehr lustig. Meistens jedenfalls, bisweilen sind die Dialoge und Gags etwas pubertär – aber geschenkt. Jeder Zielgruppe das ihre. Aber auch abgesehen davon: Szenen wie das Falschparken eines riesigen Mähdreschers auf dem Roten Platz sind sehr komisch. Splatter mit eben diesem Mähdrescher ist – im Rahmen des Genres, versteht sich – komisch. Til Schweiger, wie er als Nick Tschiller durch eine Hotelwand hechtet: sehr komisch!

Es gibt anderthalb Bond-Girls, diverse Bösewichte (als Firat Astan war Erdal Yildiz schon in den bisherigen Folgen fabelhaft, jetzt kommt Özgür Emre Yildirim als der noch bösere und ekligere Mädchenhändler dazu) und Verfolgungsjagden mit absurden Fahrzeugen. Es gibt sogar eine Szene, in der Fahri Yardim als eine Art Q auftaucht, um Tschiller aus dem Istanbuler Knast zu holen.

Wie viel Hamburg steckt noch in diesem Hamburg-„Tatort“?

Die meisten Szenen aber spielen in Istanbul und Moskau. Aber: Fahri Yardim spielt mit. Und wenn der den Mund aufmacht, muss jedem Hamburger das Herz aufgehen, er kommt sehr deutlich und unüberhörbar nicht aus Schwaben oder Sachsen. Und, entscheidend: das Film-Team hinter den Kulissen kommt zum großen Teil aus Hamburg.