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Mit Tricks und Lügen zum Erfolg

Wie man aus einem eiskalten Machtmenschen einen Sieger macht: „Die Wahlkämpferin“ mit Sandra Bullock undf Billy Bob Thornton

Sandra Bullock als Jane Bodine und Billy Bob Thornton als Pat Candy in einer Szene aus dem Film „Die Wahlkämpferin“

Sandra Bullock als Jane Bodine und Billy Bob Thornton als Pat Candy in einer Szene aus dem Film „Die Wahlkämpferin“

Foto: Warner Bros. Pictures / dpa

Sie hat sich in ein tiefes, verschneites Bergtal zurückgezogen und beschäftigt sich vor allem mit Töpfern. Die einst erfolgreiche Wahlkampfstrategin Jane Bodine lebt, seit sie vor sechs Jahren eine derbe Niederlage einstecken musste, wie eine Einsiedlerin in ihrer Hütte und will nichts mehr von ihrem alten Job wissen. Doch dann stehen ihre alten Kollegen vor der Tür, und machen ihr ein Angebot, das sie nicht abschlagen kann. Und das ihren alten Kampfgeist weckt.

In David Gordon Greens unentschlossen zwischen Comedy und Drama pendelnder Politsatire „Die Wahlkämpferin“ spielt eine wunderbare Sandra Bullock diese „Calamity Jane“ Bodine, deren Job es ist, Politiker jedweder Couleur durch eine medienwirksame Strategie an die Macht zu bringen. Kaltschnäuzig, sportiv und skrupellos – Hauptsache, die Kohle stimmt.

Ex-Präsident Castillo will zurück an die Macht

In diesem Fall ist es ein Wahlkampf in Bolivien. Ex-Präsident Castillo (Joaquim De Almeida) will nach 15 Jahren zurück an die Macht. Doch in Umfragen ist er weit abgeschlagen gegenüber seinem Konkurrenten Rivera (Louis Arcella). Also holt er sich ein ausgebufftes Beraterteam aus den USA, das ihm den Sieg sichern soll.

Und mittendrin Jane Bodine. Der fehlt zwar anfangs noch die nötige Motivation, doch als sie erfährt, wer den Wahlkampf von Rivera steuert, kehrt das alte Feuer zurück. Denn es handelt sich dabei um den diabolischen Spin-Doctor Pat Candy (Billy Bob Thornton), der einst der Auslöser für ihren Rückzug war.

Nun wird mächtig aufgefahren. Sie arbeiten gegenseitig mit allen zur Verfügung stehenden fiesen Tricks. Da wird schmutzige Wäsche gewaschen. Da wird mit fingierten Verfehlungen und Kriegsstrategien jongliert. Und da stört es offenbar niemanden, dass Castillo spürbar ein Machtmensch ist, der sich einen Dreck um das Volk schert. Ziel ist einzig und allein, zu gewinnen.

„Die Wahlkämpferin“ basiert auf einem Dokumentarfilm

Den Gegenkandidaten zu zerstören. Den eigenen Kandidaten zur Nummer 1 zu machen. Und das gelingt dem Team auch. Was sie damit für das Land angerichtet haben, stört nicht weiter. Mission erfüllt. „Die Wahlkämpferin“ basiert auf dem Dokumentarfilm „Our Brand Is Crisis“ von 2005, für den Rachel Boynton die US-Kampagnen-Strategen Greenberg Carville Shrum (GCS) nach Bolivien begleitete. Die verhalfen damals tatsächlich einem Präsidenten zum Sieg.

Es gibt hochkomödiantische Momente, wie die Dreharbeiten für einen Werbespot mit einem Lama (der für das Tier unglücklich endet) oder eine furiose Verfolgungsjagd zweier Wahlkampfbusse durch den bolivianischen Dschungel. Dann aber wird „Die Wahlkämpferin“ abrupt zu einer bitterbösen Anklage gegen das schäbige Geschäft mit der Politik. Mit einem platten Finale voller Pathos. Dennoch: Sandra Bullock und Billy Bob Thornton machen diesen Film sehenswert.

Komödie USA 2015 107 min.,
von David Gordon Green, mit Sandra Bullock, Billy Bob Thornton