Kino

„Fack ju Göhte 2“ hält nicht, was Teil Eins versprach

„Fack ju Göhte“ war der Sensationshit 2014. Teil Zwei ist leider nicht halb so lustig. Aber Jella Haase darf noch mehr aufdrehen.

Fremdes Terrain: Elyas M’Barek verschlägt es in „Fack ju Göhte 2“ nach Thailand. Da war er auch schon in „Türkisch für Anfänger“

Fremdes Terrain: Elyas M’Barek verschlägt es in „Fack ju Göhte 2“ nach Thailand. Da war er auch schon in „Türkisch für Anfänger“

Foto: flehmann@wmg.loc / BM

Thailand muss es richten. Dort durften sich Bradley Cooper und seine Trinkkumpanen 2011 in der ersten Fortsetzung von „Hangover“ austoben. Und dorthin verschlägt es auch den deutschen Regisseur Bora Dagtekin zum wiederholten Mal.
Hier hat er 2012 seine erfolgreiche Fernsehserie „Türkisch für Anfänger“ mit Elyas M’Barek noch einmal fürs Kino rebootet, wobei der Clash der Kulturen einfach auf eine einsame Insel verfrachtet wurde.

Hier nun versetzt er auch Teil zwei seines Pennäler-Hits „Fack ju Göhte“, wieder mit M’Barek, der am Montag Premiere in München feierte und am Donnerstag in die Kinos kommt. Thailand scheint nicht nur Ferien-, sondern auch Fortsetzungsparadies. Auch wenn das ein wenig fantasielos wirkt.

Alles anders diesmal: keine Schule, keine Romanze

Der erste Teil hat nach letztem Stand 7.334.548 Zuschauer gemacht. Über 7,3 Millionen Besucher: eine für das nicht eben erfolgsverwöhnte deutsche Kino sensationelle, ja, unfassbare Zahl. „Fack ju Göhte“ war damit nicht nur der Kinohit Nummer eins des Jahres 2014.

Er zählt inzwischen zum viert­erfolgreichsten deutschen Film – zwar nicht, wie zuweilen behauptet wird, aller Zeiten (da hat es in den Fünfzigerjahren, als es noch kein Fernsehen gab, noch anderen Zuspruch gegeben), aber doch seit es verlässliche Zuschauerzählungen gibt, also seit 1968.

Der vierterfolgreichste Film – nach zweimal Bully („Der Schuh des Manitu“: 11,7 Millionen, „(T)Raumschiff Surprise“: 9,1 Millionen) und einmal Otto Waalkes („Otto – Der Film“: 8,7 Millionen). Und vor dem „Schulmädchenreport“. Das schrie geradezu nach einer Fortsetzung.

Bora Dagtekin hat es sich nicht leicht gemacht. Der Erfolgsregisseur und -autor hat nicht einfach nur, was naheliegend gewesen wäre und was so viele an seiner Stelle wohl auch getan hätten, einen Neuaufguss von Teil eins geliefert. Sondern wagt einen radikal neuen Ansatz.

Solo für M’Barek

Erstens: weg von der Schule. Teil zwo spielt nicht länger an der von Katja Riemann geleiteten Goethe-Gesamtschule, sondern geht, zumindest nach der ersten halben Stunde, auf Klassenfahrt.

Zweitens: weg von der Romanze. Die Liebesgeschichte zwischen dem falschen Hilfslehrer Zeki Müller (M’Barek) und der Pädagogin Lisi Schnabelstedt (Karoline Herfurth) wird abrupt unterbrochen, Lisi wird in letzter Sekunde an der Mitreise gehindert.
Teil zwei gehört allein M’Barek . Das freut nicht nur die Schüler der Klasse 10b, sondern wohl auch alle weiblichen Fans des Schauspielers, die „ihren“ Zeki nun nicht mehr mit der Lehrerin teilen müssen.

Und drittens: weg vom Schüler-Lehrer-Clash. „Fack ju Göhte 2“ ist so was wie eine Romanze zwischen dem Lehrkörper und seinen Schutzbefohlenen. Indem sie sich gegen einen gemeinsamen Feind behaupten: in Form des Schiller-Gymnasiums.

Beide Schulen buhlen um eine Werbekampagne vom Bildungsministerium, beide schicken deshalb Schüler an eine Partnerschule im Entwicklungshilfeprogramm. Diesmal geht es also um Problemkids gegen schnieke Streber. Und nicht nur Göh-, pardon: Goethe bekommt dabei sein Fett weg, sondern auch Schiller.

Schiller kontra Goethe

Und doch ist die Fortsetzung in gewisser Weise „Verrat“ am ersten Teil. Der unglaubliche Erfolg von „Fack ju Göhte“ – und die Tatsache, dass ganze Schulklassen den Film gesehen haben, inklusive Lehrer, wohlgemerkt – erklärt sich zu einem Großteil daraus, dass sich nun mal jeder wiederfindet in den alten Schul- und Tafelkulissen. Weil sich jeder damit identifizieren kann. Deshalb erfreut sich die Pennäler-Komödie auch einer gewissen Tradition im deutschen Lachkino.

„Fack ju Göhte 2“ aber verlässt das vertraute Terrain. Und damit das breite Identifikationsangebot für die Zuschauermassen. Wer durfte schon mal auf Klassenfahrt nach Thailand? Teil eins spielte mitten im Problemkiez und handelte auch von Rütli-Problematik und Bildungsmisere.

Teil zwei dagegen setzt auf Exotik und Eskapismus, auf Abenteuer und Action. Das sind fraglos neue Schauwerte. Aber die treffen nicht mehr so ins Herz. Und auch nicht ins Lachzentrum.

Chantal wird zum heimlichen Star

Im ersten Teil hat die Kritikerschar, die zum Lachen ja gern in den Keller geht, erst hinter vorgehaltener Hand und dann immer offener und schallend losgeprustet. Im zweiten Teil verhält es sich genau andersherum. Da scheinen alle willens und bereit, von Herzen zu lachen – und doch wird für eine Komödie erstaunlich wenig gelacht.

Ein paar Pluspunkte gibt es aber doch. „Chantal, heul leise!“ war einer jener Sätze, die sich aus Teil Eins ganz tief eingeprägt haben. Auch diesmal gibt es wieder ein paar solcher Pointen: Wenn „We want piss“ gesagt wird, wo „Peace“ gemeint ist, beispielsweise. Darüber hinaus wird Chantal, der prolligsten Schülerin der 10b, in Teil zwei noch mehr Freiraum gegeben. Sie klaut allen die Schau.

Deren Darstellerin Jella Haase verdrängt Karoline Herfurth im Vorspann sogar von Platz zwei und ist die eigentliche Überraschung des Films. Und schließlich versteht es Regisseur Dagtekin nach wie vor, jede Situation ironisch zu brechen, auch und gerade, wenn sie ins Melodramatische zu kippen droht. Am schönsten wohl im Schlussgag.

Teil zwei war ein Film für alle, die mal Schüler waren. Teil zwei ist nur noch für die ganz Jungen, die heute die Schulbank drücken und über Youtube- und Facebook-Witze lachen können. Keine Frage: Die Fortsetzung ist ein Selbstläufer.
Er wird sein Publikum finden, auch wenn es zahlenmäßig nicht an den ersten Teil heranreichen wird. Aber die Noten werden schon anders ausfallen. „Fack ju Göhte“ war damals eine glatte Eins, „Fack ju Göhte 2“ ist höchstens eine Drei.