Transgender

Wenn aus dem eigenen Sohn eine Tochter wird

Heino Ferch spielt in dem ARD-Film „Du Mädchen“ einen Vater, dessen Sohn sich zu einer Frau umwandeln lassen möchte. Aus der Vater-Sohn-Geschichte wird eine Vater-Tochter-Story.

Foto: Jens Kalaene / dpa

Heino Ferch steht im Garten einer Berliner Villa und brät Steaks. Die Tafel und das Essen vor der Herbstlaub-Kulisse sehen so hübsch aus, als käme gleich eine Wohnzeitschrift zum fotografieren. Es ist das Filmset für die Dreharbeiten zu „Du Mädchen“. Es ist kalt, Decken und Wärmflaschen werden gereicht.

Ferch (51) spielt den Vater des 17 Jahre alten Finn, der nach einem Jahr in San Francisco als Helen zurückkehrt und auch körperlich zum Mädchen werden will. Aus der Vater-Sohn-Geschichte wird eine Vater-Tochter-Geschichte. Wie ist das, wenn das eigene Kind das Geschlecht wechselt? Wenn ein Vater sich fragt: Warum hat er vorher nichts gemerkt?

Der Film soll 2015 in der ARD laufen. Regie führt Gregor Schnitzler („Spieltrieb“). Der Stoff klingt mutig. Produzent Ivo-Alexander Beck hatte aber kein Problem, die Geschichte zu verkaufen: „Es hat fünf Minuten gedauert.“ Jungs und Männer in Frauenkleidern, das war im Film früher eher etwas für die Sparte Klamotte. Heute geht es auch anders. Devid Striesow hat in „Transpapa“ einen Vater gespielt, der als Frau lebt.

Ernstes Thema mit komödiantischen Zügen

„Du Mädchen“ soll eine Tragikomödie werden, also beim ernsten Thema Transgender auch komödiantische Züge haben. Das Ganze „ohne, dass die Bananenschale irgendwo herumliegt“, wie Ferch sagt. Wie der Familienvater selbst bei einem Geschlechterwechsel seiner Kinder reagieren würde, weiß er nicht. „Es ist, glaube ich, ein ganz schöner Hammer, wenn wie in unserem Fall das Kind für ein Jahr ins Ausland geht, zurückkommt und auf einmal eine sehr junge, attraktive Dame vor einem steht.“

Die Doppelrolle Finn/Helen spielt Jannik Schümann (22), der Fiesling aus dem ARD-Mobbing-Drama „Homevideo“ und einer der Darsteller aus dem Kinofilm „Spieltrieb“. An diesem Drehtag ist er kein Mädchen, sondern der Junge mit Skateboard. Die Rolle sei für ihn die bisher „größte Herausforderung“, ein „kompletter Lottogewinn“, sagt Schümann.

Die Vorbereitungen waren intensiv. Er musste abnehmen und graziler werden, guckte Filme, las Bücher und überlegte sich, wie Mädchen sich bewegen. Bei den Dreharbeiten merkte Schümann, dass es als Junge einfacher ist: Die Maske dauert längst nicht so lange.