Film

Arbeiten Chinesen härter als wir, Frau Zhang?

Ziyi Zhang gehört zu den bekanntesten chinesischen Schauspielern. Jetzt kommt sie mit einem neuen Film in unsere Kinos. Ein Gespräch über Paparazzi, Sexskandale und ihren Traummann George Clooney.

Foto: rc/mlm/sd / AFP/Getty Images

Image und reale Person zusammenzubringen, ist bei Schauspielern nicht immer einfach. Und bei Ziyi Zhang passen sie gleich überhaupt nicht zusammen.

Auf der Leinwand gibt die Chinesin die gnadenlose Kampfsport-Akrobatin wie etwa in „Tiger & Dragon“ oder „The Grandmaster“ (ab 27. Juni 2013 im Kino), dem Eröffnungsfilm der diesjährigen Berlinale. Sie boxte sich auch schon als „Geisha“ ganz nach oben.

In ihrer Heimat ist die 34-Jährige ein Superstar und wurde angeblich in einen Sexskandal verwickelt, der international Schlagzeilen machte. Doch beim Gespräch im Berliner Ritz-Carlton Hotel sitzt einem eine Gestalt gegenüber, die eine mädchenhafte Leichtigkeit ausstrahlt. Sie wirkt so heiter und unverkrampft, als hätte sie mit all dem nichts zu tun, macht immer wieder Scherze und bricht in ein koboldhaftes Gelächter aus.

Berliner Morgenpost: Nach Filmen wie „Die Geisha“ schienen Sie vor dem großen Durchbruch in Hollywood, aber in den vergangenen Jahren haben Sie sich wieder nach China zurückgezogen. Warum eigentlich?

Ziyi Zhang: Weil ich drei Jahre lang nichts anderes gemacht habe, als Wong Kar-Wais „The Grandmaster“ zu drehen. Ich sagte erst „nur drei Monate“, aber dann ging das immer weiter und weiter und weiter. Zwischendurch fragte ich meine Managerin: „Müssen wir nicht den Vertrag verlängern“, aber sie meinte nur: „Welchen Vertrag?“. Nur weil der Regisseur ein Freund ist, habe ich das überhaupt mitgemacht. —Aber was Hollywood angeht, so habe ich nichts dagegen. Solange man mir ein Drehbuch anbietet, das mich innerlich berührt, warum nicht?

Macht es denn mehr Spaß, in China zu arbeiten?

Eigentlich ist es im Westen viel angenehmer. Den Stars dort geht es richtig gut, denn Hollywood hat viel Geld. Die haben geregelte Arbeitszeiten, und viel mehr Urlaub. Bei Wong Kar-Wai haben wir schon mal 24 Stunden am Stück gedreht. Und in China ist es ganz selten, dass du als Schauspieler einen Wohnwagen bekommst. Und auch mental geht’s dir bei westlichen Produktionen besser.

Was heißt das?

Als ich „Tiger & Dragon“ drehte, sagte Regisseur Ang Lee sechs Monate lang nicht, ob er mit meiner Leistung zufrieden war. Jeden Tag blieb ich 15 Minuten länger am Set, nur weil ich auf einen Kommentar von ihm hoffte. Ein „Ziemlich gut, schlaf schön.“ – Aber nichts. Ich bekam totale Selbstzweifel. Erst ein halbes Jahr später bei der Abschlussparty meinte er zu mir: „Du warst fantastisch.“ Bei „Die Geisha“ dagegen lobte mich Regisseur Rob Marshall jeden Tag. Das war eine große Erleichterung. Erst nach einer Woche kapierte ich: Er sagte das zu allen.

Woher kommt diese unterschiedliche Einstellung?

Das muss kulturell begründet sein. Meine Eltern sagten auch nie zu mir: „Du bist die Beste, ich liebe dich.“ In der Schule ist es ähnlich. Unsere Lehrer haben nie die besten Noten verteilt. Aber das hat auch seine Vorteile: Denn so arbeitest du noch härter.

Sie werden zu Ihren eigenen Kindern hoffentlich eines Tages zärtlicher sein.

Ganz sicher. Ich werde ihnen jeden Tag sagen, dass ich sie liebe, dass sie die besten sind und mit Küssen zudecken. Aber es ist nicht so, dass meine Mutter mich nicht geliebt hätte. Sie drückt es eben in Worten aus, sondern auf andere Weise. Zum Beispiel, indem sie 100 verschiedene Gerichte gekocht hat.

Macht sie das immer noch?

Nicht mehr. Sie ist älter geworden. Und damit auch fauler (lacht laut).

Andererseits werden Sie in China auch als Star umjubelt. Streichelt das nicht Ihr Ego?

Offen gestanden ist das Publikum zu Hause wesentlich kritischer als im Westen. Als „Hero“ vor zehn Jahren bei der Berlinale Premiere hatte, gab es dort viel Applaus und Unterstützung. Aber in China haben die Leute mich argwöhnisch beäugt und ihren Senf zu allem abgegeben, was ich machte. So oft habe ich gehört „Sie ist scheiße.“ – Und man hat mich auch immer mit meiner Kollegin Gong Li verglichen. Mit diesem Druck bin ich groß geworden

Wie sind Sie damit umgegangen?

Ich habe einfach versucht, das Ganze nicht so ernst zu nehmen. Was nicht immer leicht war, wie Sie sich vorstellen können.

Können Sie als Star in China eigentlich unbehelligt leben oder werden Sie von Paparazzi gejagt?

Das ist unterschiedlich. Einmal an Weihnachten wurde mein Apartment von Paparazzi belagert, die mich dann den ganzen Tag verfolgt haben. Nur weil sie wissen wollten, mit wem ich den Abend verbringe. Aber ich führe mein Leben trotzdem so, wie ich will, ich gehe auch normal aus. Die Leute erkennen mich in der Regel nicht. Gleichzeitig hat es seine Vorteile, wenn du bekannt bist. Zum Beispiel schaute ich mit zwei Freunden „Life of Pi“ im Kino an, einer davon ist ein großer Popstar in China und der andere ein bekannter Pianist. Und wir buchten eine ganze Reihe für uns, damit wir unsere Ruhe hatten. Mitten in der Vorführung kamen auf einmal Leute, die Tickets für diese Reihe hatten. Offenbar hatte da das Kino einen Fehler gemacht. Und sie begannen mit uns zu diskutieren und wurden richtig wütend. Bis einer auf einmal merkte: „Oh, das ist ja Zhang Ziyi.“ Sofort wurden sie friedlich: „Kein Problem, lasst euch nicht stören...“

Aber Sie sind noch Angriffen der chinesischen Öffentlichkeit ausgesetzt. Letztes Jahr wurden Gerüchte lanciert, denen zufolge Sie bezahlten Sex mit hochrangigen Politikern hatten. Wie gingen Sie mit so etwas um?

In so einer Situation gibt es nur einen, der dir helfen kann: Du selbst. Und deshalb muss ich stark genug sein, alles durchzustehen – diese falschen Anschuldigungen und angeblichen Skandale.

Bei diesem Interview wirken Sie so gelöst und heiter, da merkt man Ihnen von dem ganzen Stress überhaupt nichts an.

Ich bin erwachsen geworden, bin kein kleines Mädchen mehr. Denn ich habe eben schon vorher so viele Dinge im Leben durchgestanden. Und ich habe nie vergessen, wer ich bin und was mir etwas von Herzen bedeutet. Daher mache ich die Dinge, die aus meiner Sicht richtig sind und an die ich glaube. Denn den Rest kann ich nicht kontrollieren.

Aber wie erklären Sie sich, dass man Ihren Ruf mit solchen Gerüchten zu schädigen versucht?

In der chinesische Gesellschaft läuft es nicht mehr so einfach wie früher. Es ist nicht so, dass du deine Arbeit machst und den Leuten gefällt das oder nicht. Jetzt versucht jeder, über den anderen hinwegzutrampeln, weil er sich dadurch besser fühlt. Jeder will etwas erreichen, also zieht er dich nach unten und versucht, dich schlecht aussehen zu lassen, damit deine Geschäftspartner die Verträge mit dir stornieren. Da läuft aller möglicher Blödsinn ab. Aber was kannst du tun? Ich versuche, einfach stärker zu sein und über dem Ganzen zu stehen.

Sie sind ja fähige Kung-Fu-Kämpferin, wie man in „The Grandmaster“ wieder erleben kann. Können Sie sich da auch handgreiflich wehren?

Wollen Sie es sehen? Aber ich muss Sie warnen – das könnte schmerzhaft werden. Nein, im Ernst, ich würde nicht versuchen, jemand zu verprügeln. So gut bin ich im Zweikampf nun wieder nicht. Da sollten Sie mich nicht mit meinen Filmfiguren verwechseln. Im Zweifelsfall laufe ich lieber davon.

Kung-Fu ist gleichzeitig eine Philosophie. Gibt es da Aspekte, mit denen Sie sich identifizieren können?

Durchaus. Die wahren Meister könnten andere Leute dank ihren Fähigkeiten töten, aber sie haben genügend Selbstkontrolle, um so etwas nicht zu tun. Und sie schlagen nicht einfach zu, sondern beobachten lieber; so sehen sie alles. Und das tue ich auch – ich beobachte in aller Ruhe, anstatt mich ins Getümmel zu stürzen.

Leben Sie noch in Peking?

Ja. Ich hatte mal einen Boyfriend, wegen dem ich teilweise Zeit in New York verbrachte, aber jetzt nicht mehr.

Der Smog stört Sie nicht?

Natürlich. Die Umweltverschmutzung ist schrecklich. Und das macht es ziemlich anstrengend, hier zu leben. Andererseits gewöhnst du dich an alles. Zu einem befreundeten Sportler, der an den Olympischen Spielen teilnahm, sagte ich: „Jetzt weißt du, warum du unsere Athleten nicht schlagen konntest. Sie sind an die Luft hier gewohnt!“

Was haben Sie von Peking vermisst, als Sie zeitweise im Ausland lebten?

Meine Freunde. Und das Essen. Nichts geht über hausgemachte Nudeln und Klöße.

Welches Pekinger Restaurant würden Sie einem westlichen Touristen empfehlen?

Sie müssen unbedingt in den Lan Club – das ist das beste Restaurant für chinesische Küche. Und auch die Innenarchitektur ist großartig – sie wurde von Philippe Starck designt.

Könnte Sie sich vorstellen, wieder in den Westen zu ziehen?

Darüber habe ich nie nachgedacht. Aber ich liebe Paris, ich hätte auch nichts dagegen die Sprache zu lernen.

Ihr damaliger Boyfriend war Israeli. Haben Sie ein Schwäche für ausländische Männer?

Oh ja, ich liebe ganz besonders die Franzosen. Aber mein wahrer Traumkandidat ist George Clooney.

Es sollte für Sie doch nicht schwer sein, ihn kennenzulernen.

Das heißt nicht, dass ich ihn wirklich treffen will. In Realität läuft das immer ganz anders. Es ist viel besser, wenn du dir deine Träume bewahrst.