„Star Trek Into Darkness“

Spock weint, und nicht nur das ist zum Heulen

Im Kino startet „Star Trek Into Darkness“. Bereits vor vier Jahren gab es einen Reboot der „Star Trek“-Galaxie. Der zweite Teil fällt jedoch weit hinter den ersten zurück.

Foto: Paramount / Paramount / Zade Rosenthal

Das Rad der Geschichte dreht man nicht ungeniert zurück. Das haben wir schon aus dem letzten „Star Trek“-Film lernen müssen, der der erste war und doch wieder nicht.

„Star Trek“, die Serie, die bei uns „Raumschiff Enterprise“ hieß, war so reich an Fantasie, dass sie es nicht nur zu einer langlebigen Kinoserie gebracht hat, sondern zu gleich mehreren Seriennachfolgern der nächsten und übernächsten Generation. Der letzte Schrei, Bekanntes und Beliebtes noch mal neu zu erzählen, ist das sogenannte Prequel. Oder der Re-Boot, was nichts Neues heißt, als alles noch mal auf Anfang zu setzen.

J.J. Abrams, mit den Serien „Alias“ und „Lost“ das Wunderkind von Hollywood, hat deshalb vor vier Jahren einen neuen „Star Trek“-Film gedreht, den ersten in der erzählten und den siebten in der realen Zeit. Da durften wir erleben, wie der junge Kirk sich in Bars rumschlug und der junge Spock reichlich streberhaft auf Vulkan agierte. Vor allem aber, wie die beiden auf die Enterprise kamen. Und nicht Kirk, sondern Spock Captain wurde. Erst mal.

Der wahre Feind ist der Fan

Die bekannten Versatzstücke wurden also hübsch auf den Kopf und dann wieder halbwegs auf die Füße gestellt. Und alle, wirklich alle hatten ihre schönen Auftritte: Die neue Uhura, die sich diesmal, jawohl, in Spock verlieben durfte. Und nicht zu vergessen Sulu und Cechov, die ja sonst eher das triste Schicksal teilten, die Brücke der Enterprise etwas auszufüllen, ohne dass ihnen dabei wirklich so etwas wie eine Rolle zukam.

Aber wie das so ist, wenn ein „Wie alles begann“ selbst eine Fortsetzung, ein Prequel also ein Sequel erlebt, muss man jetzt auch irgendwie da weitermachen, wo man aufgehört hat. Captain Kirk und sein Team müssen diesmal wieder allerhand Warp-Antriebe und so manche Gefechte überstehen, aber die eigentliche Gefahr lauert von anderer Seite. Der wahre Feind ist die innere Logik. Und dessen Gralshüter ist der Fan, der Trekkie.

Zwei Neuzugänge in der Kino-Galaxie

J.J. Abrams wird nicht müde zu betonen, dass er diesen Film nicht nur für Trekkies, sondern für alle Kinofreunde gemacht hat. Also auch für eine Generation, die nicht nur für die Serie, sondern auch für die alten Kinoteile schon zu jung ist. Das freilich klingt auch irgendwie wie eine Vorab-Entschuldigung. Oder eine Art General-Amnesie. Wie beim deutschen Regie-Theater: Wir nehmen einen Klassiker, den man als Allgemeingut voraussetzen kann, und hauen den nach eigenem Gusto zurecht.

„Into Darkness“, Teil Zwo der verjüngten „Star Trek“-Crew, start am 9. Mai 2013 in den deutschen Kinos und hat zwei Neuzugänge: Alice Eve bringt etwas mehr Frauenpower auf die Brücke und spielt die Wissenschaftlerin Dr. Carol Marcus, die man nicht aus der Serie, aber aus dem zweiten (alten) Star-Trek-Film „Der Zorn des Khan“ kennt. Vor allem aber tritt mit jenem Khan selbst einer der Hauptgegenspieler der früheren Kinofilme auf. Der wird verkörpert von Benedict Cumberbatch, der als Reboot-Detektiv „Sherlock“ Holmes bislang eher auf der Seite der Guten stand. Immerhin: Der Khan steht ihm gut. Sein Dazukommen ist wirklich ein Gewinn des neuen „Star Trek“-Films.

Wer kämpft da eigentlich gegen wen

Ansonsten laviert die Enterprise aber durch allerlei dramaturgische Turbulenzen. Erst scheint der Khan der ganz ganz Böse, dann ist es der oberste Flottenchef, Admiral Marcus, der auch noch der Papa von Dr. Carol ist und uns noch einen Vater-Konflikt beschert. Und dann weiß man bald irgendwann gar nicht mehr, wofür oder gegen wen hier eigentlich gekämpft und gephasert wird.

Blättern wir deshalb doch in unserem eigenen Logbuch, das wir während des Action-Stakkatos im Saaldunkel zu schreiben versucht haben. Spock im Beziehungsstress mit Uhura, das können wir noch amüsiert hinnehmen. Aber ein Spock, der weint, sorry, das geht nun wirklich nicht. So menschlich darf ein Vulkanier einfach nicht werden. Das Traurigste aber ist, dass die Herren Sulu und Chekov wieder zu Randfiguren degradiert werden.

Alles in allem fällt „Into Darkness“ weit hinter das Reboot von 2009 zurück. Mal sehen, ob das noch für einen dritten Teil reicht. J.J. Abrams rüstet sich ja längst für ein Paralleluniversum: den (zweiten) Neustart von „Star Wars“. Wenn das mal keinen Interessenkonflikt gibt…