Film

David Mark Wahlberg gegen Goliath Russell Crowe

Ein Privatdetektiv legt sich mit einem mächtigen Bürgermeister an. Das klingt vertraut und hat man auch schon besser gesehen: „Broken City“

Foto: Universum

Es ist ja nicht so, dass etwas nicht schmeckt, nur weil es aus bewährten Zutaten gekocht wurde. Ganz im Gegenteil, oder? „Broken City“ besteht aus lauter Versatzstücken, die man aus dem Politthriller-Genre bereits kennt: Da ist der wegen seiner Schießwütigkeit geschasste Polizist (Mark Wahlberg), der sich nun als Privatdetektiv durchschlägt. Wie die Besten seiner Zunft im Film Noir der 40er-Jahre beschäftigt er eine scharfzüngige Sekretärin (Alona Tal), mit der er sich in Schlagfertigkeit üben kann.

Auf der anderen Seite des Machtspektrums gibt es den mächtigen und machtbesessenen Bürgermeister (Russell Crowe), der vor nichts zurückschreckt, um sich seine Wiederwahl zu sichern. Er heuert den Privatdetektiv an, weil er glaubt, dass seine Frau (Catherine Zeta-Jones) ein Verhältnis hat, das ihn kompromittieren könnte.

Was in der Küche schmeckt, kann im Kino sauer aufstoßen

Und wie das immer so ist, findet der Privatdetektiv dann natürlich viel mehr heraus, als er sollte. So dass der Bürgermeister wiederum zu rabiaten Methoden greifen muss, um den Expolizisten im Zaum zu halten. Es kommt zu einer Art „David gegen Goliath“-Duell: Der große Mann, der doch alle Strippen ziehen kann, gegen den kleinen Mann, der sich ganz auf seine Alleinkämpfer-Instinkte verlassen muss.

Die Kurzbeschreibung mag verdeutlichen, worin ein wichtiger Unterschied zwischen Küche und Kino besteht: Wo der Esser die Wiederholung genießt, gerade weil sie Vertrautes zurückbringt, beginnt für den Zuschauer die Langeweile, weil er absehen kann, worauf es hinausläuft.

Den Nebenereignissen ist nur schwer zu folgen

Als sei den Filmemachern von „Broken City“ diese Gefahr bewusst gewesen, haben sie das Figurenarsenal um gleich eine ganze Reihe von Männern mit mal mehr, mal weniger dunkler Agenda erweitert. Der Bürgermeister sieht seine Wiederwahl durch einen sympathischen Herausforderer (Barry Pepper) gefährdet, dessen gut aussehender Chefberater (Kyle Chandler) in eigene Intrigen verwickelt scheint.

Und dann gibt es noch den vielleicht nicht ganz sauberen Polizeichef (Jeffrey Wright), einen eventuell bestechlichen Richter, einige eifrige Reporter und auch noch die schöne Freundin (Natalie Martinez) des Privatdetektivs, die von einer Schauspielkarriere träumt.

Doch wie das so ist im Kino: Wenn die Haupthandlung nicht interessant ist, fällt es um so schwerer, den Nebenereignissen zu folgen. Zumal auch hier wieder an allen Ecken das allzu Vertraute auftaucht: der korrupte Immobilien-Deal, die verheimlichte sexuelle Orientierung, der trockene Alkoholiker, der wieder zur Flasche greift.

Eine alte Kinosünde

Das ist schade, denn „Broken City“ ist gewissermaßen ein Regiedebüt: Allen Hughes, der bis dato mit seinem Zwillingsbruder Albert unter dem Titel „The Hughes Brothers“ inszeniert, produziert und geschrieben hat („Menace II Society“, „Book of Eli“), firmiert hier erstmals in alleiniger Verantwortung.

Tatsächlich gibt es in dem Stakkato der Bilder, die Großstadtglamour mit Gehttoverwahrlosung eng verschränken, eine ansteckende Energie, die man im Genre des Politthrillers sonst oft vermisst. Doch leider verpufft diese Energie in einem Plot, der die alte Kinosünde begeht, gleichzeitig unübersichtlich und vorhersehbar zu sein.

Die Stars halten einen bei der Stange

Was „Broken City“ schließlich doch noch zu einer akzeptablen Auswahl für den Kinoabend macht, sind einmal mehr die Schauspieler. Man hat sie zwar alle schon viel besser gesehen. Angefangen vom leider viel zu kurz vorkommenden Barry Pepper, der etwa in Spike Lees „25 Stunden“ einen großartigen Auftritt hatte, bis hin zu Mark Wahlberg in der Hauptrolle, der in Martins Scorseses „Departed“ bewies, dass er über Marky Mark hinauskann, und hier seiner Figur des abgebrühten Ex-Cops eine interessante Offenheit verleiht.

Russell Crowe legt seinen machthungrigen Bösewicht als völlige Überzeichnung an, hat dabei aber sichtlich mehr Spaß als zuletzt beim Singen im Musical „Les Misérables“. Und bei Catherine Zeta-Jones, auch wenn sie sehr viel weniger zur Geltung kommt als etwa in Steven Soderberghs „Traffic“, ist man als als Zuschauer einfach froh, dass man sie nach Jahren des Rückzugs überhaupt wieder in Filmen spielen sieht.

Thriller USA 2012, 109 min., von Allen Hughes, mit Mark Wahlberg, Russell Crowe, Catherine Zeta-Jones, Jeffrey Wright