Berlinale

Forum: Als die Spanier einen afrikanischen König stürzten

Die Dokumentation „Anunciaron tormenta“ (A storm was coming) erzählt ein unbekanntes Stück spanischer Kolonialgeschichte. Ein Krimi.

Im Studio: Reha-Xustina Bolekia Bueriberi, die Tochter des Dichters Justo Bolekia, dem der Film seinen Titel verdankt.

Im Studio: Reha-Xustina Bolekia Bueriberi, die Tochter des Dichters Justo Bolekia, dem der Film seinen Titel verdankt.

Foto: Berlinale Forum

Eine Spurensuche mitten im afrikanischen Dschungel. Hier sei er, sagt der Guide nach einer langen Tour durch Lianen, Gräben und Wurzeln. Hier sei der Ort des Massakers gewesen. Heute versteckt in wilder Landschaft – und lange vergessen in der spanischen Geschichtsschreibung.

Oder zumindest nur in einer Fassung recherchierbar – tief in den Akten des eleganten spanischen Allgemeinen Verwaltungsarchivs in Madrid. Als damals, 1904, die spanischen Kolonialherren im zentralafrikanischen Äquatorialguinea gegen einen widerspenstigen König kämpften.

Ja, Ësáasi Eweera, König der Bubi, sei eines natürlichen Todes gestorben, heißt es da. Blumig deklamiert von spanischen Sprechern, die in einem Tonstudio aus alten Handschriften lesen.

Als der König drei Tage gefangengehalten wurde

Nun, Regisseur Javier Fernández Vázquez hört in seiner beeindruckenden Dokumentation „Anunciaron tormenta“ (A storm was coming) etwas Anderes. Von Bewohnern vor Ort, Nachkommen von Zeitzeugen, die ihrer Tradition folgend, ihre Gesichter nicht zeigen mögen.

Dass der König drei Tage auf einer Insel gefangen gehalten wurde, schwer verletzt starb, sein Dorf niedergebrannt wurde, die Bewohner verschwunden sind.

Kolonialer Krimi

„A storm was coming“ nennt das der Dichter Justo Bolekia, der im Gegensatz zu seinen Landsleuten sein Gesicht zeigt und sein Gedicht über Ësáasi Eweera nun auch im Tonstudio in seiner Heimatsprache Bubi vorliest, begleitet von seiner Tochter, als Geschenk an die nächste Generation.

Ein Geschenk ist auch dieser Film, der ein unbekanntes Stück spanischer Kolonialgeschichte spannend aufrollt. Die Gegenüberstellung schriftlicher Dokumente und mündlicher Überlieferung; von alten Fotos, die in langsamen Blenden zum Leben erweckt werden, und heutigen Impressionen vor Ort sorgen für Reibung in einem wahren kolonialen Krimi. Titel: Wie starb der afrikanische König?