Berlinale-Publikumspreis

Die Leserjury der Morgenpost beim Probesitzen im Kino

Elf Tage lang Filme auf der Berlinale schauen: Für zwölf Berliner wird der Traum wahr. Und am Ende dürfen sie einen Preis verleihen.

Die zwölfköpfige Leserjury der Berliner Morgenpost bei ihrem ersten Treffen im Zoo Palast.

Die zwölfköpfige Leserjury der Berliner Morgenpost bei ihrem ersten Treffen im Zoo Palast.

Foto: Maurizio Gambarini

Einmal umsonst auf die Berlinale kommen. So viele Filme gucken, wie man schafft. Und dafür noch nicht mal in der Schlange anstehen müssen: Für zwölf Leser der Berliner Morgenpost wird dieser Traum wahr. Sie schauen sich für unsere Zeitung alle Beiträge im Wettbewerb an, die auch um den Goldenen und die Silbernen Bären konkurrieren, um am Ende über den Publikumsfavoriten zu entscheiden. Und darüber hinaus können sie noch in allen anderen Sektionen des Festivals weiter schauen. So sie denn noch Kraft und Sitzfleisch haben.

Die zwölf Geschworenen wurden aus knapp 200 Bewerbungen ausgewählt. Quer durch alle Jahrgänge. Die jüngste Jurorin ist 27, der älteste Juror 40 Jahre älter. Wie in den Vorjahren auch gab es bei den Bewerbungen eine leichte Mehrheit bei den Damen, weshalb sie nun auch in der Jury in der Überzahl sind.

Zwölf Juroren dürfen für elf Tage aufs Festival

Wir haben uns schon vorab mit den Zwölf getroffen, um sie darauf vorzubereiten, was in den nächsten Tagen so alles auf sie zukommen wird. Und damit schon etwas Berlinale-Gefühl aufkommt, haben wir sie dafür in ein Kino eingeladen. Der Zoo Palast war so freundlich, dafür eines seiner Club-Kinos zu öffnen. Eine Art Probesitzen für die Berlinale-Tage.

Die Berlinale-Pressekonferenzen im Livestream:

In der Jury sitzen in diesem Jahr Ronja Selle (27, Filmstudentin), Christoph Beißner (33, IT-Mitarbeiter), Stephanie Gleixner (34, Klimaforscherin), Nikos Fragkou (35, darstellender und visueller Künstler), Juliane Springsguth (39, Tüftlerin), Daniela Richter (43, Prüferin beim Bundesrechnungshof), Claudio Freimark (48, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie), Annette Lehmann (55, Bibliothekarin in der Staatsbibliothek), Suzanne Combüchen-Kolloß (56, Mode-Retail-Buyer), Rainer Müller (60, Lebensmitteltechnologe im Vorruhestand), Ulrike-Juliane Müller (61, Biologin und Fachwirtin für Prävention und Gesundheitsförderung) sowie Henk Mekkes (67, Rentner).

Preisverleihung am 29. Februar

Den Leserpreis der Morgenpost gibt es seit 1974. Eingeführt wurde er zu einer Zeit, als die Bären-Vergabe immer elitärer zu werden drohte und ein Publikumserfolg fast schon als anrüchig galt. Deshalb wurde dieser Leserpreis als gemeinsames Projekt des Festivals mit unserer Zeitung als Korrektiv und Gegengewicht eingeführt. Längst ist es jedoch wieder ganz selbstverständlich, dass Filme wie „Magnolia“ (2000), „Nader und Simin“ (2011) oder „Seefeuer“ (2016) sowohl den Goldenen Bären als auch den Leserpreis der Berliner Morgenpost erhalten.

Der Publikumspreis ging an so unterschiedliche Regisseure wie Rainer Werner Fassbinder (für „Die Ehe der Maria Braun“), Barry Levinson („Rain Man“) und Kevin Costner („Der mit dem Wolf tanzt“). Zu den letzten Siegerfilmen gehörten unter anderem „Barbara“ (2011), „Boyhood“ (2014), „Victoria“ (2015) und „Systemsprenger“ (2019). Der Preis für 2020 wird am 29. Februar, wenige Stunden vor der Bären-Vergabe, bei einer Zeremonie für alle unabhängigen Preise im Hyatt-Hotel verliehen.