Filmfestival

Berlinale: Bérénice Bejo sitzt in der Bären-Jury

Spät gibt die neue Berlinaleleitung die Namen ihrer Jurygäste 2020 bekannt. Der ganz große Glamour sieht anders aus.

Der französische STar Bérénice Bejo, hier auf einem anderen Festival, in Cannes.

Der französische STar Bérénice Bejo, hier auf einem anderen Festival, in Cannes.

Foto: Guillaume Horcajuelo / dpa

Als die neue Festivalleitung vergangene Woche ihr Programm für die 70. Berlinale (20. Februar bis 1. März) vorstellte, wollte sie noch nicht verraten, wer eigentlich neben dem bereits bekannt gegebenen Präsidenten der Internationalen Jury, Jeremy Irons, über die Bärenvergabe entscheiden werde. Carlo Chatrian, der neue künstlerische Leiter, meinte, man könne nicht gleichzeitig die Wettbewerbsbeiträge vorstellen und die Jury, die sie dann bewerte.

Eine seltsame Argumentation. Schon wurde die Furcht laut, es sei womöglich noch gar keine Jury gefunden, es wolle keiner zur „neuen“ Berlinale kommen. Am 4. Februar, nur zweieinhalb Wochen vor Festivalstart, hat die Berlinale nun endlich auch die Kojuroren bekannt gegeben. Zugkräftige Namen finden sich darin allerdings kaum. Die Furcht, sie ist nicht ganz gewichen.

Will keiner zum Festival kommen?

Prominent immerhin ist die Schauspielerin Bérénice Béjo aus Frankreich, die mit dem französischen Oscar-Sieger 2012, dem Stummfilm „The Artist“, international bekannt wurde und in Arthouse-Erfolgen wie „Le passé“ mitwirkte. Die fünf weiteren Juroren dürften dagegen nur echten Cineasten ein Begriff sein.

Da ist der italienische Schauspieler Luca Marinelli („Die Einsamkeit der Primzahlen“), der 2013 auf der Berlinale als Shooting Star geehrt wurde, und die palästinensische Regisseurin Annemarie Jacir, von der gleich drei Filme als palästinensische Beiträge ins Rennen um den Auslands-Oscar gingen. Aus den USA reist Drehbuchautor Kenneth Lonergan an, der 2016 für „Manchester by the Sea“ einen Oscar gewann, aus Brasilien der Filmkritiker und Programmer Kleber Mendonca Filho. Deutschland wird vertreten durch die Produzentin Bettina Brokemper, die etwa den Goldenen-Bär-Sieger 2010, den türkischen Film „Bal“, produziert hat.

Honorige Namen, aber kaum Mainstream

Die Berlinale gab auch die Jury des zweiten Wettbewerbs „Encounters“ für innovative Formen bekannt: Hier entscheiden die Regisseurinnen Dominga Soomayor aus Chile und Eva Trobisch aus Deutschland sowie der Produzent Shouzo Ichiyama aus Japan.

Das alles sind durchaus honorige Namen. Aber der ganz große Glamour sieht doch anders aus. Dabei könnte man den im Jubiläumsjahr gut vertragen, sind doch im Zuge seiner Ernennung als Jurypräsident alte, frauenfeindliche Äußerungen von Jeremy Irons noch einmal hochgekocht. Irons hat sich zwar schon vor Jahren dafür entschuldigt, aber seine Ernennung wirkt doch etwas ungeschickt, gerade nachdem in den Vorjahren die #MeToo-Debatte auf der Berlinale heiß diskutiert wurde. Auch dass nur drei Frauen, aber vier Herren in der Jury sitzen, ist da keine glückliche Wahl.

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