Filmfestival

Die Berlinale kann losgehen: Die Bären sind schon gegossen

Die neuen Berlinale-Chefs luden in die Gießerei Noack. Und machten sich selbst ein Bild davon, wie die Festivaltrophäen entstehen

Die neuen Berlinale-Chefs Mariette Rissenbeek und Carlo Chatrian mit einem Goldenen Bären.

Die neuen Berlinale-Chefs Mariette Rissenbeek und Carlo Chatrian mit einem Goldenen Bären.

Foto: Maurizio Gambarini / FUNKE FotoServices

Das Berlinale-Fieber beginnt alljährlich mit der traditionellen Pressekonferenz, auf der das Festival sein Programm bekannt gibt, das man dann auch gleich in Form eines Programmhefts mit nach Hause nehmen kann. So gesehen ist es noch ein bisschen hin: Die Pressekonferenz wird erst am Mittwoch nächster Woche abgehalten, die Berlinale, die dieses Jahr ihr 70. Jubiläum feiert, startet so spät wie nie, erst am 20. Februar.

Aber eigentlich beginnt das Festival doch schon einen Schritt früher: dann nämlich, wenn in der Gießerei Noack die Bären gegossen sind, die am Ende des Festivals verliehen werden. Insofern kann es schon mal losgehen: Die Trophäen sind jetzt abholbereit.

Bären in der Klemme und unterm Hammer

Davon konnte sich die Presse am gestrigen Dienstag in den Räumen des Traditionshauses überzeugen. Und die neuen Berlinale-Chefs, die Geschäftsführerin Mariette Rissenbeek und der künstlerische Leiter Carlo Chatrian, die nach der 18-jährigen Ära von Dieter Kosslick die Führung gemeinsam übernommen haben, konnten sich ebenfalls ein Bild davon machen, wie die Preise eigentlich entstehen.

Vom Gießen bis zum Ziselieren. Die Goldenen und Silbernen Bären klemmten zum Teil noch im Schraubstock, zum Teil glänzten sie schon fertig poliert auf den Regalen.

Seit Gründung der Berlinale werden die Bären – nach einem Entwurf der Bildhauerin Renée Sintenis – immer hier, in der Charlottenburger Firma hergestellt. Zur Sicherheit überigens immer ein paar mehr als nötig.

Noch eine Erklärung zum umstrittenen Jury-Chef

Kann ja sein, dass es für besondere Leistungen mal einen zusätzlichen Preis gibt oder einer ex aequo, also zu gleichen Teilen, an mehrere vergeben wird. Nicht auszudenken auch der Fall, es könnte einer verloren gehen. Falls am Ende Bären übrig blieben, kämen sie im Folgejahr zum Zuge, erklärt Gießerei-Inhaber Hermann Noack: „Sie werden nicht schlecht.“

„Die Bären sind ein Symbol für den künstlerischen Wert der Berlinale“, sagte Carlo Chatrian, der denn auch gleich mit Mariette Rissenbeek testete, wie es sich anfühlt, so einen Bären in der Hand zu halten. Für die beiden war diese Präsentation das erste Mal von vielen ersten Malen, die demnächst auf sie zukommen. Am Ende posierten sie denn auch lächelnd mit „ihren“ Preisen für die Fotografen.

Doch der Termin war nicht nur eitel Sonnenschein. Auch in der Gießerei musste Rissenbeek sie noch einmal erklären, dass sie an Jeremy Irons als Präsident der Internationalen Jury festhalten. Der Schauspieler wurde kürzlich von älteren Äußerungen eingeholt, die ihn als frauenfeindlich erscheinen lassen – auch wenn er sich schon vor Jahren davon distanziert und dafür entschuldigt hatte.

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Special-Reihe mit Schwerpunkt Erinnerung

Wie um das zu übertünchen, wurden gestern auch weitere Beiträge des Festivalprogamms bekannt gegeben. So wird in der Sektion Berlinale Special „Nomera“ (Die Zahlen) gezeigt, eine bitterböse Parabel von Oleg Sentsov, der von 2014 bis 2019 Russlands berühmtester politischer Gefangener war.

Dem Thema Erinnerung wird in der Special-Sparte eine besondere Rolle gewidmet. Im französische Dokumentarfilm „Golda Maria“ etwa geht es um das Zeugnis einer Auschwitz-Überlebenden. Und der US-Film „The American Sector“ erzählt von den in den USA verteilten Teilen der Berliner Mauer, die zu stummen Zeitzeugen der jüngeren Geschichte geworden sind.

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