Berlinale

Forum: Wenn ein Schloss zum Grab wird – „A Portuguesa“

Lebendig gewordene Tableaus: Die Portugiesin Rita Azevedo Gomes verfilmt stilvoll Robert Musils Novelle - und Ingrid Caven gurrt dazu.

Kurzes Liebesglück im Zuber: Es wird viel gestanden und gesessen im Film – auch in Fässern. Hier die namenlose „Portugiesin“ (Clara Riedenstein) und ihr Ehemann, der Lord von Ketten (Marcello Urgeghe)

Kurzes Liebesglück im Zuber: Es wird viel gestanden und gesessen im Film – auch in Fässern. Hier die namenlose „Portugiesin“ (Clara Riedenstein) und ihr Ehemann, der Lord von Ketten (Marcello Urgeghe)

Foto: Berlinale 2019

Fackelflimmern, Grillengezirpe: Es herrscht Krieg im mittelalterlichen Italien, doch beim Kampf des Lords von Ketten (Marcello Urgeghe) gegen den Erzbischof von Trient (Luis Lucas) ertönt kein Schlachtgetöse und Heldengeschrei im Gewande dieses Kostümfilms.

Die portugiesische Regisseurin Rita Azevedo Gomes setzt in ihrer stilvollen Verfilmung von Robert Musils Novelle „Die Portugiesin“ vielmehr auf heimelige Atmosphäre statt auf scheppernde Attraktion, auf Deklamation statt Dekoration.

Zwischen bukolischer Idylle und kaminkalter Tristesse

Denn es geht ja in diesen 136 Minuten auch gar nicht um das männliche Sich-Beweisen im Krieg, sondern um den puren Stillstand der Frau hinter dem Mann. Die Portugiesin (Clara Riedenstein) ist nämlich jene aus dem fernen iberischen Land herbeigeschleppte Gattin, die Lord von Ketten zunächst ehelicht, um sie dann – dem Lockruf des Krieges folgend – elf Jahre lang auf seinem italienischen Schloss allein zu lassen.

Mitgehangen, mitgefangen. Der Film erzählt nun vom Alltag der fremden Frau. Von ihrer Sehnsucht zwischen meerblauen Wänden. Zwischen bukolischer Idylle und kaminkalter Tristesse werden für sie Tage zu Wochen und Wochen zu Monaten.

Ingrid Caven singt dazu Walther von der Vogelweide

Es wird reichlich gestanden und gesessen in lebendig gewordenen Tableaus, die Protagonistin meist in der Mitte zen­triert. Kostüme rauschen, ein Wolf als Sinnbild der unterdrückten Lust wird großgezogen. Und in den Tagen seltenen Glücks, wenn der kriegsmüde Gatte heimkehrt, gibt es Trauben beim Bade im Zuber.

Das ist alles so streng und schön und klar, wie es sich anhört. Ein bisschen fernab von der Welt, stil- und niveauvoll, konzentriert und auch ein wenig exaltiert, wenn Ingrid Caven als Erzählerin sich im schwarzen Kleid durch den Schlosshof windet, Walther von der Vogelweides berühmtes Lied „Under der linden“ vor sich hin gurrt und das Geschehen im Gemäuer, das für die Schlossherrin langsam zum Grab wird, ironisch kommentiert.

Termin: 17.2., 20 Uhr Cubix 9 Mehr zum Thema: http://Forum-_Eine_Verbeugung_vor_„Vertigo“_und_San_Francisco{esc#213524279}[news]

© Berliner Morgenpost 2019 – Alle Rechte vorbehalten.