Interview

Martin Freeman: „In Berlin wurde mein Herz gebrochen“

Größe spielt für ihn keine Rolle: Schauspieler Martin Freeman spricht im Interview über Blockbuster und kleinere Filme.

Ein bisschen Ego schadet ja nicht, aber er will das nicht übertreiben: Martin Freeman auf der Berlinale-Pressekonferenz

Ein bisschen Ego schadet ja nicht, aber er will das nicht übertreiben: Martin Freeman auf der Berlinale-Pressekonferenz

Foto: HANNIBAL HANSCHKE / REUTERS

Vom Porno-Lichtdouble in „Tatsächlich Liebe“ über die britische Version von „The Office“ und „Der Hobbit“ zu „Sherlock“ an der Seite von Benedict Cumberbatch: Martin Freemans Karriere ist beachtlich, dabei ist er selbst absolut unscheinbar. In „The Operative“ (siehe links) spielt er einen britischen Geheimagenten des Mossad, der von Leipzig aus Diane Kruger in Teheran dirigiert. Im Interview ist er britisch höflich zuvorkommend und überrascht mit einer ganz besonderen Beziehung zu Berlin.

Mister Freeman, willkommen auf der Berlinale!

Martin Freeman: Vielen Dank – sie werden mir das jetzt vermutlich nicht glauben, aber es ist meine erste.

Aber Berlin kennen Sie doch wohl?

Ja, ich war schon oft hier, aber nie auf dem Festival.

Erinnern Sie sich an Ihr erstes Mal hier?

Oh ja, und das reißt jetzt alte Wunden auf. Ich war 15, bin das erste Mal überhaupt geflogen und dann nach Berlin. Die Mauer stand noch. Das muss 1987 gewesen sein. Ich war mit meiner damaligen Jugendtheatergruppe unterwegs, wir haben das Musical „Marry me a little“ aufgeführt. Wir wohnten irgendwo in einer Jugendherberge und haben die Sehenswürdigkeiten in West-Berlin abgeklappert. Ich war jung, frei und habe mich prompt in ein deutsches Mädchen verliebt. Zehn Tage waren wir zusammen, dann hat sie mir das Herz gebrochen.

Wussten Sie da schon, dass Sie Schauspieler werden wollen?

Nein. Das kristallisierte sich erst mit 17 heraus. Ich stand auf der Bühne und habe gemerkt, dass ich ganz gut bin in dem, was ich da tue. Mir hatte es immer schon Spaß gemacht, ich hatte aber bis dahin nicht das Selbstvertrauen, an mich zu glauben. Ich habe vier ältere Geschwister, wir waren eine recht laute Familie, ich musste um jedes Stückchen Aufmerksamkeit kämpfen. Das hat geprägt.

Sie sind bekannt als der Typ Schauspieler, der immer recht normale Rollen spielt. Woran liegt das? Warum greifen Sie nicht mal nach Höherem?

Ach, manchmal tue ich das ja. Aber nur, wenn es sich anbietet und zur Figur passt. Meist aber glaube ich die Übertreibung auf der Leinwand nicht. Oft sehe ich einen Film und merke, dass das Ego des Schauspielers die Rolle überschattet. Ein bisschen Ego schadet ja nicht, gerade als Schauspieler, aber ich will damit nicht übertreiben. Für mich kommt es nicht auf die Größe an.

Was hat Sie an der Rolle in „Die Agentin“ gereizt?

Dass er Agent ist, aber nicht extrem dargestellt wird. Er reagiert eher, als dass er agiert. Er liest die Leute, muss zuhören und beobachten. Das sind alles Eigenschaften, die ich auch als Schauspieler schätze. Mein eigenes Spiel würde ich auch eher als reagierend beschreiben.

Wenn es für Sie nicht auf Größe ankommt, ist es Ihnen egal, ob Sie an einem Set von „Der Hobbit“, „Black Panther“ oder einer kleineren Produktion wie „Die Agentin“ arbeiten?

Vom Spiel her unterscheidet sich da nichts. Das Umfeld ist ein anderes, klar, aber vor der Kamera ist die Situation die Gleiche. Jeder gibt sein Bestes. Vom Regisseur über den Kameramann bis zum Beleuchterpraktikanten. Egal ob mit 30 oder mit 30 Millionen Dollar Budget. Das Gute an meinem Job: Ich kann zwischen den Welten pendeln, mache teure Filme und kleinere wie diesen hier. Das Los des Selbstständigen. Ich ziehe der Arbeit hinterher. Ich habe das Glück, wählen zu können.

Auf welche Ihrer Figuren werden Sie am häufigsten angesprochen?

Das wechselt ständig. Am Anfang war es ganz klar „The Office“, dann natürlich „Der Hobbit“ oder auch „Sherlock“. Im Moment ist es wohl „Black Panther“. Da sagen die Leute nicht: „Hey, ich habe dich in dem Film gesehen“. Sie sagen: „Hey, ich habe den Film sieben oder acht Mal gesehen.“ Es ist unglaublich, welchen Eindruck der Film bei den Leuten hinterlässt. Dabei habe ich ja nur eine kleine Nebenrolle.

Wie hat der Ruhm Ihr Leben verändert?

Nicht so massiv, wie sich das viele vielleicht denken. Ich versuche den Rummel so weit wie möglich zu vermeiden. Ich bin ja nicht wahnsinnig und werfe mich freiwillig der Meute zum Fraß vor. Es ist nett, gemocht und wahrgenommen zu werden. Aber es gibt Leute, die denken, nur weil sie mich aus dem Kino kennen, können sie sich alles erlauben. Die meisten sind aber nett.

Was machen Sie zu Hause?

Ich koche für meine Familie. Oder versuche es zumindest. Ich bin jetzt niemand, der einem Sternekoch das Wasser reichen kann, aber bisher habe ich zumindest noch niemanden vergiftet.