Berlinale

Zu Besuch bei den unglaublich netten Shooting Stars

Europas Nachwuchs-Schauspieler von heute sind mindestens dreisprachig aufgewachsen – und vor allem sind sie wahnsinnig sympathisch

Sind sie nicht alle wahnsinnig nett? Die zehn "European Shooting Stars 2019" sind schon jetzt die wohl sym- pathischsten Berlinale-Gäste.

Sind sie nicht alle wahnsinnig nett? Die zehn "European Shooting Stars 2019" sind schon jetzt die wohl sym- pathischsten Berlinale-Gäste.

Foto: Reto Klar

Ein bisschen kann einem Aisling Franciosi auch leidtun. Da hat die 26-Jährige in so beeindruckenden Filmen wie „The Nightingale“ die Hauptrolle gehabt und sogar in der Kultserie „Game of Thrones“ mitgespielt – und doch wird sie hier auf dem Treffen der European Shooting Stars der Berlinale auf ihre Heimat Irland angesprochen.

„Ja, natürlich mache ich mir Sorgen um den Brexit“, sagt sie. Die Grenze zu Nordirland sei schließlich die Quelle für jahrelangen blutigen Streit gewesen. „Ich bin kein Experte auf dem Gebiet, aber ich habe das Gefühl, dass selbst diejenigen, die Bescheid wissen sollten, nicht wissen, was sie da tun.“

Traditionell treffen sich am ersten Sonnabendmorgen auf der Berlinale die zehn europäischen Nachwuchsschauspieler, die von einer Jury als die besten ihres Landes angesehen werden. Es ist die Chance, sich einer großen Öffentlichkeit zu präsentieren und für viele ist es ein Karrieresprung. Vielleicht wäre ohne diese Einrichtung die Italienerin Alba Rohrwacher niemals jetzt im belgischen Film „Hellhole“ aufgetaucht?

Die Liste der deutschen Shooting Stars der vergangenen Jahre liest sich jedenfalls heute wie eine der Topstars: Daniel Brühl, Heike Makatsch, Jürgen Vogel, Moritz Bleibtreu, Max Riemelt, Nina Hoss und Maria Schrader waren dabei. Zuletzt stand Franz Rogowski hier in der Berlinale Audi Lounge.

Der Jahrgang 2019 scheint wohl der sympathischste, mit dem man es je zu tun hatte. Bei niemandem blitzt auch nur ein Funken Selbstverliebtheit durch. Die Deutsche Emma Drogunova (bekannt aus „Der Trafikant“) erfuhr von ihrer Nominierung in einem Taxi und kreischte so laut, dass der Fahrer dachte, ihr sei etwas passiert. Der Pole Dawid Ogrodnik betont er, wie froh die Menschen hier sein können, in so einer weltoffenen Stadt wie Berlin zu sein, während seine Heimat gerade unter einem Rechtsruck leide. Trotzdem wäre er jetzt gern in Warschau: „Mein Sohn wird heute ein Jahr alt.“

Der Mazedonier Blagoj Veselinov ist ebenfalls zum ersten Mal in Berlin und hat sich extra drei Tage frei genommen, um noch mehr zu sehen. „In meinem Heimatland verändert sich gerade viel“, sagt er, „alle meine Freunde sind nach Nordeuropa gegangen.“ Seine Freundin will das ebenfalls, aber gerade jetzt wurde er in der Heimat mit dem Film „Secret Ingredient“ berühmt. „Das ist schon seltsam, plötzlich von allen als Schauspieler anerkannt zu werden.“

Wie viele der Shooting Stars spricht auch Veselinov neben seiner Muttersprache und Englisch auch noch andere Sprachen. Die Irin Aisling Franciosi hat einen italienischen Vater und Französisch studiert, und die Estin Rea Lest versteht Russisch und lernt gerade Finnisch. „Ich finde es fantastisch“, sagt Lest, „dass man in Europa 300 Kilometer fahren kann und plötzlich in einer anderen Welt sein kann.“

Ardalan Esmaili ist in Schweden geboren und aufgewachsen, spricht aber zu Hause mit seinen iranischen Eltern nur Persisch. „Aber ich habe einen starken schwedischen Akzent“, sagt er. Den musste er für seinen Film „The Charmer“ aber loswerden. „Trotzdem finde ich es fantastisch“, sagt er, „dass jemand wie ich mein Land auf der Berlinale vertreten kann.“