Film

Casey Affleck über die Regie-Arbeit und das Ende seiner Ehe

Im Zoo Palast feierte Oscar-Gewinner Casey Affleck die Weltpremiere seines Films „Light of my Life“.

Als Schauspieler kam er schon zu Oscar-Meriten, in Berlin stellt er sich nun auch als Regisseur vor:  Casey Affleck

Als Schauspieler kam er schon zu Oscar-Meriten, in Berlin stellt er sich nun auch als Regisseur vor: Casey Affleck

Foto: Jens Kalaene / dpa

Casey Affleck bittet im Hotel de Rome zum Interview. Das Drama, in dem der Oscar-Gewinner nicht nur die Hauptrolle, sondern auch Regie und Drehbuch übernahm, handelt von einem Vater und seiner Tochter, die sich gemeinsam durchschlagen müssen in einer Welt, in der fast alle Frauen von einer Pandemie dahingerafft wurden. Starker Tobak mit jeder Menge Endzeit-Bitterkeit, doch im Gespräch kann von Düsternis keine Rede sein. Wie auch von seinem wilden Bart und den langen Haaren, die er sich für die Rolle wachsen ließ, nicht mehr viel übrig ist. Im Gegenteil präsentiert sich der Oscar-Gewinner bestens gelaunt.

Mr. Affleck, wie sind Sie bloß auf die Idee zu Ihrem zweiten Regiefilm gekommen?

Casey Affleck: Am Anfang stand eigentlich der Wunsch, eine Geschichte zu erzählen, was es bedeutet, Kinder großzuziehen. Aufgehängt an einer kleinen, ganz spezifischen Idee. Die letzten 14 Jahre gab es in meinem Leben kein wichtigeres und schöneres Thema als meine Kinder. Das hat sich verändert, als meine Frau und ich uns scheiden ließen. Als alleinstehendes Elternteil Kinder großzuziehen, ist eine andere Sache, als wenn man es gemeinsam tut. Man könnte also – lange Rede, kurzer Sinn – sagen, dass mein Film eine in Dystopie und Science-Fiction getauchte Metapher für den Zusammenbruch dieses Balance gebenden Systems Kleinfamilie ist.

Wäre es da nicht naheliegender gewesen, eine Geschichte über einen Vater und seinen Sohn zu erzählen?

Das hatte ich auch vor. Aber als mein Ältester das mitbekam, hat er mir unmissverständlich klargemacht, dass er nicht will, dass ich einen Film drehe, der womöglich von ihm und mir handeln könnte. Er wurde richtig aufgebracht, wenn die Sprache auf die Sache kam. Also habe ich sie entsprechend verändert, denn vom eigentlichen Thema wollte ich nicht abrücken. Zum Glück habe ich zwei Nichten, die haben mich dann zu meiner Filmtochter in „Light of my Life“ inspiriert.

Wie fanden Sie die richtige junge Darstellerin für eine so anspruchsvolle Rolle?

Letztlich ganz herkömmlich durch einen Casting-Aufruf in den USA und Kanada. Aber die Suche dauerte verdammt lange. Als ich Annas Bewerbungsvideo sah, wusste ich gleich, dass sie etwas Besonderes ist. Mindestens so wichtig war allerdings ein Gespräch mit ihren Eltern. Darüber nämlich vermittelt sich viel, wenn man Kinderdarsteller einzuschätzen versucht. Mir war es wichtig, dass sie diesen nicht gerade anspruchslosen Dreharbeiten gewachsen sein würde – und dass sie an dieser Erfahrung auch wirklich Freude hat.

Ähnlich gelagerte Endzeit-Geschichten wurden im Kino schon oft erzählt. Haben Sie sich davon inspirieren lassen?

Einer meiner Einflüsse war ausgerechnet der Blockbuster „World War Z“. Weil der in mir die Frage aufkommen ließ, was in solchen Katastrophengeschichten eigentlich aus Menschen wird, die man nur einmal durchs Bild laufen sieht. Was passiert mit so einem Vater und seiner Tochter, wenn gerade kein Zombie, aber eben auch kein Brad Pitt in der Nähe ist? Wie kommen sie an Nahrung, wo schlafen sie? Außerdem beeindruckte mich die apokalyptische Atmosphäre in „Children of Men“. Doch ich habe mich auch an ganz anderen Geschichten orientiert, etwa der Beziehung von Harrison Ford und dem Jungen im Film „Der einzige Zeuge“.

Sie haben viele Jahre an „Light of my Life“ gearbeitet. Half am Ende der Oscar-Gewinn für „Manchester by the Sea“ dabei, das Projekt Wirklichkeit werden zu lassen?

Letzteres kann ich klar verneinen, denn wir drehten bereits, bevor ich den Oscar oder irgendeinen der anderen Preise dafür gewann. Dass es so lange gedauert hat, lag nur daran, dass ich immer wieder das Skript überarbeitet habe. Meine Hauptaufmerksamkeit galt den Schauspieljobs, außerdem schrieb ich zwischendurch auch noch ein paar andere Drehbücher. Die wären allerdings sehr viel aufwendiger in der Umsetzung gewesen, weshalb ich mich schließlich für diese erste Regiearbeit nach der ja wirklich vollkommen anders gelagerten Fake-Dokumentation „I’m Still Here“ doch für die eher schlichte Geschichte von „Light of my Life“ entschied.

Was reizt Sie überhaupt am Inszenieren? Wird Ihnen die Schauspielerei allein zu langweilig?

Nein, keine Sorge! Aber als Schauspieler stellt man sich nun einmal in den Dienst der Geschichte eines anderen. Klar, der kann man auch seinen Stempel aufdrücken, doch letztlich setzen wir vor der Kamera die Vision des Regisseurs um. So wie Teamsportler sich alle an die Taktik des Trainers halten sollten, wenn am Ende statt Chaos ein Sieg rauskommen soll. Je älter ich werde, desto mehr Lust habe ich aber auch, hin und wieder mal meine Taktik umzusetzen – und von Dingen zu erzählen, die mir am Herzen liegen. Inzwischen habe ich den Eindruck, reif genug dafür zu sein, deshalb werde ich sicher noch öfter Regie führen. Was aber nicht heißt, dass ich die Schauspielerei aufgebe.

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