Berlinale

Wer kriegt denn nun die Bären?

Eine vorsichtige Prognose zur Preisverleihung bei der Berlinale am Sonnabend.

Der Goldene und die silbernen Bären werden an Sonnabendabend vergeben

Der Goldene und die silbernen Bären werden an Sonnabendabend vergeben

Foto: dpa

Wenn am Sonnabendabend die Bären vergeben werden, steht die Internationale Jury vor einem Problem. Die deutschen Beiträge waren sehr stark. Das ist ja erst mal erfreulich fürs hiesige Kino. Aber könnte es Jurypräsident Tom Tykwer wirklich wagen, einen deutschen Film mit einem Goldenen Bären zu ehren? Oder gar mehrere deutsche Filme auszuzeichnen? Würde das nicht automatisch nach Vetternwirtschaft riechen?

Christian Petzolds Flüchtlings-Geschichte „Transit“ steht von Anfang an hoch im Kurs, auch bei unseren Gastkritikern (siehe unten). Am Freitag hat auch Thomas Stubers „In den Gängen“ noch mal für Auftrieb in einem eher durchschnittlichen Wettbewerb gesorgt. In beiden brilliert Franz Rogowski. Und Marie Bäumer war sensationell als Romy Schneider in „3 Tage in Quiberon“. Klassische Kandidaten für die Schauspieler-Kategorien.

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Dann gibt es da noch den russischen Beitrag „Dovlatov“, der in kunstvoll kreierten Plansequenzen vom Leben des verbotenen Dichters erzählt, aber auch eine Reflexion über heutige Zensur erlaubt. Ein Preis hierfür wäre ein klares politisches Zeichen, aber auch filmästhetisch absolut nachvollziehbar. Und auch um „Utoya, 22. Juli“ kommt die Jury eigentlich nicht herum. Kaum ein Film hat für solche Diskussionen gesorgt. Die Frage, ob man ein nationales Trauma so verarbeiten kann, kann man vielleicht nicht lösen. Als filmisches Experiment ist diese Nachstellung des Terrorakts in Norwegens, das den Zuschauer in Echtzeit und ohne Schnitt mitten in das Grauen wirft, auf jeden Fall herausragend.

Aber wer weiß? Am Ende kommt es womöglich wieder zu Bären-Vergaben, mit denen keiner rechnen würde. Das wäre nicht das erste Mal.