Perfekter Look

Wie ein Outfit für die Berlinale entsteht

Mit Schauspielerin Almila Bagriacik bei der letzten Anprobe für den perfekten Look auf dem roten Festival-Teppich.

Almila Bagriacik probiert im Laden von Rebelonfire ihr Kleid an

Almila Bagriacik probiert im Laden von Rebelonfire ihr Kleid an

Foto: jörg Krauthöfer

So richtig wohl fühlt sich Almila Bagriacik noch nicht, als sie zum ersten Mal in ihrem Kleid für den Empfang des Medienboard Berlin-Brandenburg vor dem Spiegel steht. Die schimmernde, bodenlange Robe ist hochgeschlitzt und am Rücken tief ausgeschnitten. Dabei sei sie doch eigentlich eher ein Turnschuhmädchen, sagt die Schauspielerin und lacht. Auf den Leib geschneidert hat ihr das Berlinale-Outfit Valeria Piskounova. Die kniet nun bei der finalen Anprobe im Showroom ihres Labels Rebelonfire an der Droysenstraße vor ihrer prominenten Kundin, nimmt letzte Änderungen vor und redet ihr gut zu: Natürlich könne man den Schlitz auch noch ein wenig entschärfen.

Piskounova und Bagriacik arbeiten seit einem Jahr zusammen – für die Schauspielerin eine Vertrauensfrage. „Wenn ich es mir aussuchen kann, arbeite ich nur mit Menschen zusammen, die ich auch mag“, sagt die 27-Jährige. Auch der weiße Jumpsuit, in dem sie im September den Deutschen Schauspielerpreis für „Die Opfer – Vergesst mich nicht“ entgegennahm, stammte von der Designerin. Gegen die Aufregung vor der Verleihung gab sie der zukünftigen Kieler „Tatort“-Kommissarin Glückssteine mit und beruhigte sie bei der Anprobe mit Räucherstäbchen.

Inspiration für den chromfarbenen Entwurf sei dieses Mal die Mode von Gianni Versace in den 90er-Jahren gewesen, sagt Piskounova. Ein weiteres Stilvorbild, vor allem für Herrenanzüge, ist auch der Look der US-Serie „Suits“ und Gangsterfilmklassiker wie „Der Pate“ und „Goodfellas“, deren Poster den Laden schmücken. Kein Wunder also, dass auch „4 Blocks“-Hauptdarsteller Kida Khodr Ramadan sich gerne in Charlottenburg ausstatten lässt. Mit dem 41-Jährigen steht Almila Bagriacik seit dieser Woche wieder für die zweite Staffel des Neuköllner Clan-Epos’ vor der Kamera. Zeitgleich probt sie in Bochum für das Theaterstück „Träum weiter“. In der vergangenen Nacht hat die Wahlberlinerin, die in Ankara geboren wurde, deshalb nur wenige Stunden geschlafen, ursprünglich geplante Berlinale-Auftritte am Freitag musste sie ausfallen lassen. Auch, ob sie es zum Medienboard-Empfang schaffen würde, konnte sie bis kurz vorher noch nicht sagen. Nun sind es bis zum roten Teppich nur noch wenige Stunden – und auch Haare und Make-up müssen noch gemacht werden.

Dem Kleid verpasst Valeria Piskounova in der letzten Minute noch mit zusätzlichen Ketten-Elementen den letzten Schliff. Der hohe Schlitz bleibt. Für den zweiten Teil der Nacht – die „Place to B“-Party im „Borchardt“ – allerdings kombiniert mit weißen Turnschuhen statt Plateau-High-Heels. Da ist Almila Bagriacik dann wieder ganz bei sich selbst.