Berlinale

Und plötzlich träumen sie davon, sich umzubringen

Was passiert, wenn sich alles auflöst, die Liebe, das Leben, die Realität? Im Forums-Beitrag „Tiere“ wird der Urlaub zum Höllentrip.

Zweifelt an ihrer Welt: Anna (Birgit Minichmayr) am Genfer See

Zweifelt an ihrer Welt: Anna (Birgit Minichmayr) am Genfer See

Foto: Berlinale 2017

„Tiere“ Diese Ehe ist bloß eine leere Hülle. Romantik und Zärtlichkeit sind vom Alltag verschluckt, die gemeinsame Wohnung ist so abweisend wie eine Teflon-Pfanne, so wie das ganze Leben, und auch Sex hatten Anna (Birgit Minichmayr) und Nick (Philipp Hochmair) schon lange nicht mehr. Nick hat ihn dafür aber mit der hübschen Nachbarin aus dem dritten Stock. Weil das so ja alles nicht weitergehen kann, beschließen die beiden, sich eine Auszeit zu nehmen.

Die Wohnung wird untervermietet, das Auto vollgepackt und ein Chalet in den Schweizer Bergen angemietet. Dort wollen beide sechs Monate bleiben und wieder zu sich kommen. Nick will Rezepte für ein Kochbuch sammeln, Anna einen Roman schreiben. Aber in Greg Zglinskis Mysterythriller „Tiere“ stimmt irgendwas nicht. Und zwar gewaltig.

Schon auf der Hinfahrt träumen Anna und Nick, den anderen umzubringen, und dann steht auch noch ein Schaf auf der Straße – so plötzlich, wie das nur in der Provinz passieren kann. Die beiden und das Cabrio landen also im Graben und das Schaf im Ofen. Bloß Anna hat das nicht so glimpflich überstanden. Ihre Kopfwunde muss genäht werden, danach lösen sich Raum und Zeit für sie völlig auf.

Und dann spricht die schwarze Katze

Sie ist an mehreren Orten gleichzeitig und dann einfach nirgendwo. Sie sieht, was es nicht zu sehen gibt, und hört schwarze Katzen sprechen. „Liege ich vielleicht noch im Krankenhaus und bilde mir das alles nur ein?“, fragt sie Nick später. Oder bildet sich etwa Nick alles nur ein? Oder der Zuschauer im Kino? Man weiß schon bald nicht mehr, was man da überhaupt sieht, was Traum ist und was Realität. Denn die scheint hier für jeden anders zu sein.

Wie Birgit Minichmayr und Philipp Hochmair ihre Liebe und ihr Leben zerfleischen, das ist famos gespielt. Und doch bleibt man ratlos zurück. Denn Greg Zglinskis Forumsbeitrag „Tiere“ will zu viel sein: Kammerspiel, Mysterythriller, Krimi, surrealistisches Drama. Am Ende zweifelt man an der eigenen Welt, die des Films hat man nicht ganz verstanden.

Termine: City Wedding, 16.2., 18.30 Uhr; Cubix 9, 16.2., 20 Uhr; Cinestar 8, 18.2., 16.30 Uhr

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