Kameramann ausgezeichnet

Goldener Ehrenbär und Ovationen für Michael Ballhaus

Der Donnerstagabend stand ganz im Zeichen von Michael Ballhaus. Der Berliner Kameramann erhielt seinen Goldenen Ehrenbären.

Sichtlich gerührt nahm Michael Ballhaus den Goldenen Ehrenbären entgegen

Sichtlich gerührt nahm Michael Ballhaus den Goldenen Ehrenbären entgegen

Foto: Gregor Fischer / dpa

„Es ist eine ganz besondere Ehre, ich fühle mich sehr gut mit diesem Preis.“ Michael Ballhaus ist sichtlich gerührt über den Goldenen Ehrenbären, den er am Donnerstagabend im Berlinale Palast bei stehenden Ovationen erhalten hat. Es ist eine der größten Auszeichnungen, die das Festival zu vergeben hat, und kaum einer dürfte sie mehr verdient haben als der legendäre Berliner Kameramann von Martin Scorsese und Rainer Werner Fassbinder.

Dabei hatte so mancher letzte Woche, als Berlinale-Direktor Dieter Kosslick bei der Eröffnungsfeier das Fehlen von Ballhaus entschuldigte, befürchtet, der 80-Jährige könnte womöglich zu schwach sein, den Preis selbst entgegenzunehmen. Zwar etwas wackelig auf den Beinen, aber bestens gelaunt, kommt er nicht nur am Donnerstagabend auf die Bühne, bereits am Nachmittag gibt er eine lange Pressekon­ferenz. Und am Mittwoch erzählt er ­sogar zwei volle Stunden vor Nachwuchsfilmern bei den Berlinale Talents im Hebbel Theater aus seiner langjährigen Karriere mit über 130 Filmen.

Bei seinen Erinnerungen nimmt Ballhaus kein Blatt vor den Mund, auch wenn ihm immer wieder die Namen zu den Anekdoten entfallen. Die flüstert ihm dann seine zweite Ehefrau, die Regisseurin Sherry Hormann, ein. Er erzählt von den Anfängen, als er bei den Dreharbeiten zu Max Ophüls’ „Lola Montez“ so fasziniert war, dass er selbst Kameramann werden wollte, von den ersten Fernseharbeiten in Baden-Baden bis zur Begegnung mit Fassbinder. Die ging gehörig daneben, als „Fernseh-Heini“ wurde er begrüßt, dass Ballhaus seine Koffer gar nicht erst auspacken wollte.

Der manische Filmemacher wurde dann doch einer seiner wichtigsten Regisseure, 16 Spielfilme drehten sie zusammen, „aber einfach war es nie, er war einfach ein böser Mensch“. Immer wieder neue, scheinbar unmögliche Forderungen stellte Fassbinder und wartete darauf, „dass ich sage, das geht nicht. Aber ich habe immer eine Lösung gefunden. Das hat ihn beeindruckt.“ Nur wehe, wenn er mit anderen Regisseuren gearbeitet hat, „da wurde er furchtbar eifersüchtig“. Zum Glück hatte Ballhaus mit seiner Frau Helga und den beiden Söhnen eine Familie, zu der er nach den Dreharbeiten heimging, statt mit der Clique um Fassbinder zu feiern. „Das war eine Schlangengrube, es ging nur darum, wer die nächste Hauptrolle bekommt und mit wem er als Nächstes schläft. Ich bin da immer auf Distanz geblieben.“

Als es dann bei der Vorbereitung zum Großprojekt „Berlin Alexanderplatz“ zum Bruch mit Fassbinder kam, entpuppte sich das als Glück und Schritt zu Ballhaus’ zweiter Karriere in Hollywood. Martin Scorsese wurde auf ihn aufmerksam. Sie drehten „After Hours“ zusammen und Scorsese wurde zu seiner prägendsten Arbeitsbeziehung in Amerika. Sieben Filme drehten sie gemeinsam, auch wenn Ballhaus mit dessen Gewaltexzessen seine Schwierigkeiten hatte, bei „Good Fellas“ etwa und bei „Gangs of New York“, der, das war Ballhaus’ Wunsch, nach der Bären-Verleihung gezeigt wurde.

Eine besondere Beziehung habe ihn mit dem Regisseur Mike Nichols verbunden. „Das war mehr als nur Zusammenarbeit, das war eine wunderbare Freundschaft“, erinnert er sich. Sie seien sogar zusammen in die Oper und zu Konzerten gegangen, „das hätte Marty nie gemacht“. Sie unterhielten sich auch über ihre gemeinsame Geburtsstadt Berlin, von wo Nichols 1938 nach Amerika hatte fliehen müssen, und stellten fest, dass sie in derselben Straße in Dahlem gewohnt haben – wenn auch zu unterschiedlichen Zeiten.

Man könnte ihm noch stundenlang so zuhören. „Ich fühlte mich der Berlinale von Anfang an verbunden“, sagt er zum Abschluss lächelnd, „ich war schon zu einer Zeit dabei, als sie noch im Sommer stattgefunden hat, und war wenn möglich immer hier.“ Den Preis bezeichnet er nun als „krönenden Abschluss meiner besonderen Liebe zur Berlinale“.