Essen beim Filmfestival

Der große Berlinale-Street-Food-Test mit Ralf Zacherl

Unsere Reporterin geht mit Ex-Sternekoch Ralf Zacherl auf Probiertour. Beim Berlinale Street Food sind jede Menge Leckereien im Angebot.

Obwohl ich ganz pünktlich bin, sehe ich Ralf Zacherl schon am vereinbarten Treffpunkt, dem Eingang des „Grand Hyatt“ Hotels, warten. Lachend begrüßt der Koch des „Schmidt Z & Ko.“ mich. Ohne, dass ich es bemerke, sind wir auch irgendwie schon beim „Du“ gelandet. Der Anlass unseres Treffens: Wir wollen den ultimativen Fress-Test des Berlinale Street Foods machen. Und wer könnte da besser geeignet sein als ein ehemaliger Sternekoch.

Schwein vs. Käse

Als Erstes werden mir Allgäuer Käsespätzle mit gerösteten Zwiebeln und Ralf Zacherl ein „Pulled Pork Sandwich“ kredenzt. Während ich noch in meinen Spätzle herumstochere, hat der Profikoch bereits die Hälfte seines Sandwiches verputzt. „Mit roh gehobelten Äpfeln, Wildkräutersalat und selbst gemachter Grillsoße ist das 18 Stunden gegarte Schweinefleisch wirklich richtig lecker und aromatisch. Einzig das etwas labberige Brötchen ist nicht ganz so genial“, sagt Zacherl und putzt sich den Mund.

Damit verweist das Sandwich sowohl geschmacklich als auch optisch die Käsespeise auf die hinteren Plätze. „Die Spätzle wirken leider etwas trocken und der Käse zieht kaum Fäden. Wobei man zur Ehrenrettung sagen muss, dass die Röstzwiebeln selbst gemacht sind“, sagt der Koch über meine Test-Speise. Neugierig, wie mein Essen wohl schmeckt, stiehlt mir Zacherl die von ihm als sexy angepriesenen Zwiebelchen, was mit Enttäuschung seinerseits über die geringe „Knusprigkeit“ endet. Als die Kamera einen kurzen Moment mal aus ist, schnappt er sich schnell ein Bier. Kaum wieder vor der Kamera, scharen sich die Fans um ihn, so dass wir eine kleine Test-Pause einlegen müssen. Freundlich und gut gelaunt steht der Fernsehkoch für jedes Fan-Selfie berei

Eierschaum vs. Bohnen

Auf die deutsch-amerikanischen Speisen folgt die mediterrane Fusionsküche. Als ich noch irritiert versuche zu verstehen, was hinter den interessant klingenden Namen steckt, hat der 45-Jährige bereits sein Gericht gewählt. „Probier’ einfach, was dich spontan anspricht“, ermuntert er mich zur mutigen Wahl, „das ist doch das Tolle an Street Food“.

Also wird eine „Java Beans Roll“ für den Herren und eine „Egg und Potato Cream“ für die Dame bestellt. Die Böhnchen, auf einem Salatblatt drapiert und mit Fake-Mayonnaise serviert, lösen bei Zacherl Enttäuschung aus: „Leider sind meine Bohnen eher langweilig. Die dominante Gewürzgurke kann das sonst eher fade Gericht auch nicht mehr wirklich retten.“

Damit geht es weiter mit meinem Gericht. Die ominöse „Egg und Potato Cream“ sieht zwar aufregend schaumig und fluffig aus, geschmacklich erinnert es mich aber eher an ein rohes Ei, was nicht wirklich zum Weiteressen animiert. Zwiebeln möchte ich hiernach auch nicht mehr sehen. Mit kindlicher Euphorie fragt Zacherl, ob er auch mal bei mir probieren dürfe, die Textur sähe so interessant aus. Der eine Probierlöffel reicht ihm dann aber scheinbar doch. Als wir uns gerade darüber unterhalten, wie toll es doch sei, dass heute einmal die Frau zahlt, unterbrechen uns engagierte Veganerfreunde, die glitzernde Sterne in die Kamera halten und sich gegen Pelz einsetzen wollen. Dabei sind wir doch gerade extra bei der vegetarischen Speise.

Schokobälle vs. Chili

Zu guter Letzt folgt dann der indische Speisentruck. Dort bestellen wir „Chocolate Balls“ und „Samosas“. Letzteres überzeugt nicht nur optisch und geschmacklich, sondern auch preislich. Für 2,50 Euro ist das heute unsere mit Abstand günstigste Speise. Hier hat der Koch seine Lieblingsspeise des Abends gefunden. „Die traditionelle indische Kost ist mit Erbsen und Kartoffeln gefüllt. Außerdem gibt es einen Koriander- sowie einen feurig scharfe Chili-Dip dazu. Die Samosas sind nicht nur schön angerichtet, sondern schmecken auch wirklich gut“, sagt Zacherl.

Meine drei braunen „Chocolate Balls“ erinnern eher an Pferdeäpfel. Als ich meine Bewertung mit den Worten „Grundsätzlich ist das Gericht nicht schlecht“ einleite, bricht Zacherl in schallendes Gelächter über meinen Versuch der Diplomatie aus.

Zwar schmecken die Bällchen tatsächlich sehr schokoladig und die Nüsse darin sind auch durchaus genießbar, doch verspüre ich aufgrund der Trockenheit plötzlich ein dringendes Bedürfnis nach ein paar Schlucken Wasser. Ralf Zacherl geht es wenig. Er hat vor lauter Chili den Wunsch nach einem Glas Milch

Das Ergebnis

Lustig fröhlich und mit vollen Bäuchen sind wir also am Ende unserer kulinarischen Reise durch die Speisen von der „Markthalle Neun“, der „Kulinarischen Küche“ und „Slow Food Berlin“ angelangt. Es gab Tränen des Lachens und des Chilis, jede Menge gute und schlechte Scherze und leckeres Essen. Das Resümee des Profikochs: „Also mit dir würde ich mich hier jederzeit wieder treffen“, gibt sich Zacherl ganz charmant. „Die Leute sind super nett und das Essen lecker. Besser als bei McDonalds und Starbucks schmeckt es hier allemal. Noch dazu gibt es einige ungewöhnliche Speisen.“ Wer also frisches und selbst gemachtes Street Food probieren möchte, ist hier sicherlich nicht verkehrt.

Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist in Anbetracht der formidablen Lage und des besonderen Anlasses akzeptabel. Vor langem in der Warteschlange-stehen blieben wir heute verschont. Das ist aber wohl die bekannte Ausnahme, die die Regel – und zwar des Wartens – bestätigt. Mit glitzernden und funkelnden Lichtern ist das Ambiente irgendwie gemütlich weihnachtlich.

Für warme Hände und Füße wären allerdings ein paar Heizstrahler nicht schlecht, wobei unsere Köpfe dank der kuscheligen Mützen warm geblieben sind. Sämtliche Speisen waren auf nachhaltigem Geschirr angerichtet, was auch die Veganer-Freunde unter uns beruhigen sollte. Völlig erschöpft vom fleißigen Probieren gibt es zum Abschied eine Umarmung vom Koch und einen letzten Winker in die Kamera hinein.