Filmfestspiele

Die Berlinale 2015 im große Diven-Test

Wer war die Beste im Film, wer die Schönste auf dem Teppich? Wir haben uns auf der Berlinale 2015 umgesehen und einen ganz persönlichen, ganz subjektiven Vergleich gezogen.

Am Abend laufen zum letzten Mal in diesem Jahr die Promis über den Roten Teppich, wenn die Bären verliehen werden. Zehn Tage lang haben zahllose Stars und Sternchen die Auslegwaren am Potsdamer Platz, am Friedrichstadt-Palast und am Zoo Palast bevölkert. Aber wer war am überzeugendsten im Film? Wer hat den meisten Glamour auf die Premiere gebracht? Wer ist die Primadonna unter den Berlinale-Diven? Wir wagen einmal, in strenger Reihenfolge ihres Erscheinens, einen höchst subjektiven Direktvergleich.

Die Falco-Frisierte: Juliette Binoche

Im Iglu und im Ewigen Eis machte Juliette Binoche im Eröffnungsfilm „Nobody Wants The Night“ eine ganz gute Figur. Auch wenn der Film die Berlinale-Gänge, nun ja, kalt gelassen hat. Bei der Premiere sorgte das cremefarbene Wickelmantelkleid von Armani für unfreiwillige Hingucker, la Binoche hatte die gewagte Kreation nicht ganz unter Kontrolle. Vor allem beim Hinsetzen gab es im Dekolleté und Beinschlitz mehr Einblicke, als ihr lieb sein konnte. Vielleicht wollte die Französin aber auch nur von ihrer missglückten Falco-Gedächtnisfrisur ablenken. Da muss wohl der Föhn in letzter Sekunde gestreikt haben.

Fazit: für die doppelte Stil-Panne Note 4

Die Natürliche: Nicole Kidman

Arme Nicole Kidman. Da spielt sie schon mal in einem Werner-Herzog-Film mit. Der Mann hat ja auch in den USA hohe Reputation. Aber dann enttäuscht „Queen of the Desert“ als völlig zahnloses Alterswerk, das ihr kaum Raum lässt, um schauspielerisch zu glänzen. Schön geschwitzt haben wird sie in der Wüste. Etwas von der Hitze hätte am zugigen Potsdamer Platz ganz gut getan. Über ihre rüschig-trutschige Engelsrobe von Valentino kann man geteilter Meinung sein, dafür überraschte die 47-Jährige mit erstaunlich natürlicher Mimik, entspanntem Lächeln und sympathischen Fältchen um die Augen. Frau Kidman macht offensichtlich gerade eine Botoxpause.

Fazit: Punktabzug für Fluffärmel Note 2-

Die Prinzessin: Natalie Portman

Welch Verschwendung: Natalie Portman war eine der vielen Stars in Terrence Malicks „Knight of Cups“. Und dann war sie doch nur gefühlte neun Minuten zu sehen. Trotzdem reiste sie tapfer nach Berlin und sorgte für Glamour, während der medienscheue Regisseur wie stets nirgends zu sichten war. Die 33-Jährige war eine der jüngsten Diven dieser Berlinale, verströmte aber die Aura einer klassischen Filmgöttin. In ihrer schwarzen Riemenrobe von Lanvin sah sie hinreißend aus. Und dann trat sie am Tag darauf gleich noch einmal auf. Und vergab im Berlinalepalast die Trophäen an die Shooting Stars. Mehr Einsatz als im gesamten Film.

Fazit: unsere Königin der Herzen Note 1

Die Gestürzte: Helen Mirren

Eigentlich kann Helen Mirren ja alles. Die Queen spielen. Oder eine Renter-Profikillerin. Und das mit 69 Jahren! In ihrem Film „Woman in Gold“ kämpft sie jetzt für Restitutionsansprüche gegen eine übermächtige Bürokratie. Und findet dafür auch auf der Pressekonferenz kämpferische Worte. Schon dazu erschien sie im Abendkleid, eine kermitgrüne Blumenrobe von Dolce & Gabbana. Mit der wandelte sie Stunden später auch über die tückische Treppe des Friedrichstadt-Palastes. Dafür aber war das Gewand ein klein wenig zu lang. Die Schauspielerin verhedderte sich im Spitzsaum – und stürzte auf den Stufen. Wie schmerzvoll auch immer das war, formvollendet stand sie wieder auf und ließ sich nichts anmerken.

Fazit: für damenhafte Contenance Note 2

Die Kokette: Charlotte Gainsbourg

Sie ist ja schon so was wie die Mater Dolorosa des Europäischen Autorenkinos. Und das nicht nur durch all ihre Lars-von-Trier-Filme. Jetzt hat sie auch Wim Wenders für sein Leidensdrama „Every Thing Will Be Fine“ für sich entdeckt: als Mutter, die ein Kind und ihren Halt verliert. Sie sagt fast gar nichts, aber ihre Blicke verraten mal wieder alles. Im Film ist sie in einfacher Landkluft und betont ungeschminkt zu sehen. Auf dem Roten Teppich dagegen hat man fast den Eindruck, sie versuche ihren Ruf als verruchte Ober-„Nymphomaniac“ gegen den akuten „Fifty Shades of Grey“-Hype zu verteidigen, so akrobatisch freizügig zeigt sie sich in ihrer Mega-Schlitzrobe. Mehr Beinfreiheit hat keine geboten.

Fazit: für ganzen Körpereinsatz Note 2+

Die Grundgütige: Cate Blanchett

Bei der Premiere zu „Knight of Cups“ fehlte sie noch. Die paar Minuten Film waren ihr wohl zu wenig. Dafür kam sie zum Ende für Kenneth Branaghs Märchenfilm „Cinderella“. Da ist die Australierin die böse Stiefmutter – und damit voll im biestige Hexen-Trend. Ganz anders dagegen ihr Auftritt gestern Abend im Berlinale Palast. Die 45-Jährige setzte den glamourösen Schlusspunkt der Festspiele. Und gab sich gegenüber ihrem Aschenputtel Lily James eher wie eine liebevolle Schwester.

Fazit: wegen einmal Schwänzen Note 3

Die Fehlanzeige: Léa Seydoux

Der erste Sonnabend des Festivals ist der meistumkämpfte Premierentermin. Da wollen alle ihren Film zeigen. Dieter Kosslick hat den Teppich diesmal für den französischen Film „Tagebuch einer Kammerzofe“ ausgerollt. Also nicht für Nicole Kidman oder Natalie Portman, sondern für Léa Seyoux. Und dann sagt der französische Jungstar mit der markanten Zahnlücke so überraschend wie kurzfristig ab, da sie mit Daniel Craig in den Tiroler Bergen Szenen für den nächsten James Bond drehen sollte. Für den Britischen Filmpreis in London am Tag nach der Berliner Premiere hatte sie dann komischerweise Zeit.

Fazit: für unentschuldigtes Fehlen Note 6