Berlinale

Amanda Seyfried bereitet sich mit Pornos auf Film vor

Die Schauspielerin verkörpert in „Lovelace“ einen Pornostar. Bei der Berlinale-Pressekonferenz sprach sie über die Nacktszenen im Film.

Foto: Kay Nietfeld / dpa

Sie sieht dann doch wieder aus, wie man sie kennt. Lange blonde Haare, sommersprossenloser Alabasterteint. Hollywoodstar Amanda Seyfried ist ganz Amanda Seyfried, als sie Samstagmittag im ärmellosen roten Kleid vor die Presse tritt, um ihren Film „Lovelace“ vorzustellen. Darin spielt sie einen Pornostar aus den Siebziger Jahren, Linda Lovelace, mit brünetter Dauerwelle und aufgemalten Sommersprossen. Und mit einem oralen Talent zur Stimulierung männlicher Geschlechtsteile, der Titel des Streifens wurde, der Lovelace berühmt machte, „Deep Throat“.

Auch Seyfrieds Lippen sind bezaubernd, freilich eher im lächelnd liebreizenden Sinn. Und damit hat sie offensichtlich auch einem Radiojournalisten aus Österreich den Kopf verdreht, der es sich nicht nehmen lässt, sie und die versammelte Weltpresse darüber zu informieren, wie sehr er dieses Lächeln in jedem ihrer Filme genießt.

Als Vorbereitung sah Seyfried Pornos an

Sonst hat sie nicht viel zu sagen, weder zu diesem noch zu ihrem zweiten Berlinale-Film „Les Misérables“. Außer dass sie zwischen den Premieren ihre Garderobe wechseln werde und das Musical viel anstrengender war, weil sie wegen ihrer Stimme nicht trinken und nur bestimmte Sachen essen durfte. „Lovelace“ sei „eine Veränderung“ für sie gewesen, eine mittelgroße Übertreibung aus dem Mund des „Mamma Mia!“-Stars. Über die Nacktszenen in ihrem neuen Film habe sie aber gar nicht nachgedacht. Als Vorbereitung habe sie sich auch den Originalporno angesehen, das sei „interessant“ gewesen. Bei Fragen über die Ausbeutung von Frauen verhaspelt sie sich. Und lächelt sie dann einfach weg. Auch das ein Talent.

Der zweite Star der Pressekonferenz ist James Franco, auch er ein Berlinale-Wiedergänger, der dieses Jahr mit gleich drei Filmen vertreten ist, darunter der Experimentalfilm „Interior. Leather Bar“ über die zensierten und verschollenen 40 Minuten des Skandalfilms „Cruising“ von 1980. Nebenbei wirbt er noch für einen Disneyfilm, in dem er den Zauberer von Oz spielt, und eröffnet in Friedrichshain eine Ausstellung mit eigenen Kunstwerken. Passenderweise erscheint der Tausendsassa unrasiert, in verwegenerer brauner Wildlederjacke und spricht, meist mit geschlossenen Augen, von „Experimenten und Explorationen“ und dem „Sprung ins Unbekannte“, der ihn an seiner Arbeit reize.

Gemeinsamkeiten zwischen Hugh Hefner und James Franco

In „Lovelace“ hat er eigentlich nur einen Kurzauftritt als „Playboy“-Boss Hugh Hefner. Vergleiche mit dem Frauenheld wiegelt der 34 Jahre alte Junggeselle ab. „Ich arbeite sogar für ihn, führe Interviews für den ‚Playboy‘, aber sonst verbindet uns nichts. Ich besitze weder einen Palast noch ein Magazin.“

Der Rest des Podiums ist angesichts dieser geballten Promipräsenz eher Staffage, auch wenn die Regisseure Rob Epstein und Jeffrey Friedman durchaus etwas zu sagen hätten über den Einfluss von Pornos auf die Popkultur und Linda Lovelace als spätere Galionsfigur der Emanzipationsbewegung der Siebziger. Dem zweiten Hauptdarsteller des Films, Peter Saarsgard, wird gar nur eine einzige Frage gestellt, und das von der Moderatorin. Eine Lehrstunde in Sachen Starpower.