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Jane Fonda stiehlt auf dem roten Teppich allen die Show

Die Jagd um die Bären und das Schaulaufen der Stars hat begonnen. Die Berliner Morgenpost berichtet aus den Kinos und vom Drumherum.

2. Tag der Berlinale

Der Wettbewerb startet. Der Österreicher Ulrich Seidl schließt in „Paradies: Hoffnung“ seine Trilogie ab. Es geht um ein übergewichtiges Mädchen in einem Diät-Camp, das sich in einen 40 Jahre älteren Arzt verliebt.

Hollywoodstar Matt Damon spielt in dem Öko-Drama „Promised Land“ von Gus Van Sant mit. Der US-Regisseur thematisiert darin die Förderung von Erdgas durch das sogenannte Fracking.

Aus Polen kommt „In the Name of“ von Malgoska Szumowska, ein Drama um einen schwulen Priester.

>>>Alles zur 63. Berlinale finden Sie HIER.<<<

+++ 21:40 Einer der bewegendsten Momente des Abends: Regisseur Wolf Gremm, Mann von der Erfolgsproduzentin Regina Ziegler, zeigt sich seit längerer Zeit mal wieder bei der ARD-"Blue Hour" - er machte vor einem Jahr seine Krebserkrankung bekannt. "Mir geht es gut. Ich möchte bald eine Komödie drehen - ein autobiographischer Streifzug durch die Berliner Kliniken."

+++ 19:00 Jane Fonda posiert für die Fotografen, die so laut schreien, dass sich auch Premierengast Friedbert Pflüger neugierig umdreht.

+++ 18:53 Der rote Teppich zu "Promised Land" beginnt. Draußen herrscht Wind und Schneetreiben vor - genauso wie letztes Jahr.

+++ 18:30 Ende der Pressekonferenz

+++ 18:28 "Ich werde Sie auch weiterhin belästigen mit meinen Filmen", sagt Seidl zum Schluss. Sein nächstes Projekt soll ein Kellerfilm werden.

+++ 18:15 Kommentar von Schauspieler Joseph Lorenz: "Wenn der Name Seidl drauf steht, spiele ich auch mit einer Ente."

+++ 18:09 Seidls „Paradies: Hoffnung“: Sein Film über ein übergewichtiges Mädchen, das sich in einem Diät-Camp in einen 40 Jahre älteren Arzt verliebt, wurde bei der ersten Vorstellung nicht ganz so kontrovers aufgenommen wie Seidls „Paradies: Glaube“ über religiösen Fanatismus.

+++ 17:58 Matt Damon äußert sich zu Fracking: “Das ist ein großes Geschäft in den USA“, sagte der Schauspieler. „Wir wollen über keine Lösungen urteilen, sondern zeigen, was passiert.“

+++ 17:45 Regisseur Gus Van Sant eröffnet die Filmvorstellung. Er erzählt in „Promised Land“ vom Kampf einer amerikanischen Kleinstadt gegen einen Gaskonzern. Es geht auch um die umstrittene Förderpraxis des sogenannten Fracking.

Matt Damon stellt das Umwelt-Drama „Promised Land“ vor

+++ 17:01 Kosslick erntet Lob und Kritik Kaum hat die Berlinale begonnen, schon kommen kritische Stimmen auf. Moniert wurde vor allem, dass Dieter Kosslick nicht so viele Weltpremieren und Stars nach Berlin hole wie die anderen wichtigen Festivals in Cannes und Venedig.

Doch wahrscheinlich wird sich der Festivalchef seine Feierlaune davon nicht verderben lassen. Immerhin bekam er auch ein dickes Lob von Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit: Kosslick mache einen „verdammt guten Job“.

+++ 16.30 Uhr Langsam wird es voll in der Hauptstadt. Freitagmittag landeten gleich zwei Hollywoodstars in Tegel: Charlize Theron (übrigens mit Kurzhaarschnitt), die am Sonnabend bei der "Cinema for Peace"-Gala im "Waldorf Astoria" geehrt wird, und Amanda Seyfried. Sie stellt am Sonnabend den Film "Les Misérables" vor.

+++ 15.50 Uhr Matt Damon wirbt für neuen Hauptstadtflughafen. Der Hollywoodstar freut sich trotz aller Pannen auf den neuen Hauptstadtflughafen Berlin Brandenburg. „Ich würde es lieben, wenn Berlin den internationalen Flughafen hätte, den es als Hauptstadt verdient“, sagte der 42-Jährige.

Er komme sehr gern in die deutsche Hauptstadt – doch auf die Zwischenstopps am Frankfurter Flughafen könne er dafür auch gut verzichten.

+++15.45 Uhr Roehler auch ohne Berlinale-Auftritt zufrieden. Nicht mit dem neuen Film auf der Berlinale? Regisseur Oskar Roehler (54) nimmt es locker. „Das ist doch wurscht“, sagte er bei der Festivaleröffnung. Es sei keine Frage von gut oder schlecht.

Seine Familien- und Gesellschaftsgeschichte „Quellen des Lebens“ feierte schon vor der Berlinale ihre Premiere. Es sei ein „Publikumsfilm“, sagt Roehler. Festivalerfahrung hat er reichlich gesammelt: mit „Der alte Affe Angst“ (2003), „Elementarteilchen“ (2006) und „Jud Süß – Film ohne Gewissen“ (2010).

+++ 15.20 Uhr Auch die Piraten sind auf der Berlinale. Als Anfang des Jahrtausends in Schweden die Datentauschplattform The Pirate Bay ans Netz ging, bot sie Filme und Musik zum Nulltarif. Wer hinter dem illegalen Angebot stand, zeigt die Langzeitdokumentation „TPB AFK: The Pirate Bay Away From Keyboard“. Der schwedische Regisseur Simon Klose hat die Gründer von Pirate Bay begleitet, die 2008 vor Gericht gestellt wurden. Der Film wird zeitgleich mit der Berliner Weltpremiere frei ins Netz gestellt.

+++ 14.58 Uhr Matt Damon hat keine Berührungsängste. Der Schauspieler zeigte sich vor der Vorstellung des Wettbewerbsfilms "Promised Land" am Potsdamer Platz den Fans und hatte dabei keine Berührungsängste. Matt Damon schrieb fleißig Autogramme und ließ gemeinsame Fotos schießen.

Das Umwelt-Drama „Promised Land“ von Regisseur Gus Van Sant („Milk“) erzählt vom Kampf einer amerikanischen Kleinstadt gegen einen Gaskonzern. Damon und Van Sant arbeiteten bereits vorher zusammen: Damon gewann 1997 den Drehbuch-Oscar für „Good Will Hunting – Der gute Will Hunting“, bei dem Gus Van Sant Regie führte.

+++ 14.46 Uhr Hugh Grant hat‘s eilig. Was auch immer er hier vorgehabt hat: Hugh Grants Berlin-Besuch ist schon wieder beendet. Soeben wurde er am Flughafen Tegel entdeckt. Sein Ziel: London.

+++ 14.02 Uhr Zwei Freunde im „Grill Royal“. Sie sind zwei echte Größen der Filmbranche, kennen sich aus Hollywood - und weilen derzeit beide in Berlin. Nur kurz nach seiner Ankunft am Mittwochnachmittag in der Hauptstadt verabredete sich Matt Damon („Das Bourne Ultimatum“) mit seinem guten Kumpel George Clooney. Er weilt bekanntlich in der Hauptstadt, um ab März in Babelsberg sein engagiertes Regieprojekt „The Monuments Men“ entstehen zu lassen.

Gemeinsam spazierten die Stars im lässigen Freizeit- Outfit vom noblen „Hotel de Rome“ an der Behrensstraße, wo Damon während der Berlinale nächtigt, zum nahe gelegenen „Grill Royal“ an der Friedrichstraße.

Gesprächsstoff dürfte es zwischen dem 51-jährigen Clooney und seinem 42 Jahre alten Kollegen genug geben. Schließlich wird am heutigen Freitag der Film „Promised Land“ vorgestellt - in der Hauptrolle: Matt Damon.

+++ 13 Uhr Party-Marathon an Tag 2 der Berlinale. Traditionell gleicht der Tag nach der Eröffnungsgala einem wahren Party-Marathon. So locken heute drei hochkarätige Events die Prominenz. Wer sich nicht entscheiden kann, muss ein Kunststück vollbringen – und sich auf allen Veranstaltungen blicken lassen.

Im Hotel „Ritz Carlton“ treffen sich bei Movie Meets Media prominente Gäste wie Sönke Möhring und Nadja Uhl zum mehr oder weniger intensiven Austausch. Der Branchentreff gehört zum festen Inventar der Berlinale.

Ins Museum für Kommunikation lädt die ARD zur „Blue Hour“. Veronica Ferres und Axel Milberg haben sich auch angekündigt.

Glamourös gefeiert wird im Humboldt Carré bei der „Festival Night“ der Zeitschrift „Bunte“ und BMW. Im vergangenen Jahr ließ sich sogar Diane Kruger hier blicken.

+++ 11.58 Uhr Wieder hat das Festival eine politische Note. Kulturstaatsminister Bernd Neumann würdigte, dass die Berlinale im Wettbewerb den neuen Film des in seiner Heimat verfolgten iranischen Regisseurs Jafar Panahi zeigt. „Vielleicht kann er ihn sogar persönlich präsentieren“, sagte Neumann. Er rief die iranische Regierung dazu auf, Panahi zur Weltpremiere seines Films „Geschlossener Vorhang“ („pardé“) nach Berlin reisen zu lassen.

+++ 11.45 Uhr Jane Fonda umarmt täglich den Tod. Die zweifache Oscar-Preisträgerin („Coming Home“) ist Gast der Berlinale. Sie beschäftigt sich intensiv mit dem Tod. „Jeden Tag! Ich umarme ihn“, sagte die 75-jährige Jane Fonda am Rande der Berlinale der „Bild“-Zeitung. „Wenn man ständig in Furcht vor dem Tod lebt, lebt man nicht. Als 2010 bei mir Brustkrebs diagnostiziert wurde, war ich traurig – Angst hatte ich nicht. Mein Leben war damals schon erfüllt.“

Trotzdem muss die einstige Fitness-Queen wegen ihres Alters Einschränkungen hinnehmen. Sie könne kein Aerobic mehr machen, sagte sie. „Das geht leider nicht mehr wegen meiner Osteoporose. Mittlerweile schwöre ich auf Yoga.“

+++ 11.30 Uhr „Jesus wäre bestimmt gern ins Kino gegangen“. Rainer Maria Kardinal Woelki würdigte zur Berlinale die Macht des Kinos. Die Zuschauer würden in vielen Filmen mit Hilfe erfundener Geschichten oder in akribischen Dokumentationen mit Wahrheiten konfrontiert, die mal leichter, mal schwerer zu ertragen seien, sagte der Berliner Erzbischof in einem vorab verbreiteten Beitrag für den rbb-Hörfunk am Sonnabend.

Mit Blick auf den Satz des Schriftstellers Max Frisch, „die Wahrheit kann man nicht beschreiben, nur erfinden“, sagte Woelki, Jesus habe mit seinen Gleichnissen nichts anderes gemacht: „Auch er hat Geschichten erfunden: Vom verlorenen Sohn, vom Sämann, von den Talenten.“ Über diese Gleichnisse sei es ihm gelungen, seine Botschaft auf den Punkt zu bringen: „Jesus wäre bestimmt auch gern ins Kino gegangen“, sagte der Kardinal.

+++ 11.10 Uhr Kommt George Clooney? Es ist die Frage, die Fans seit Tagen umtreibt: Kommt George Clooney zur Premiere seines Kollegen und Kumpels Matt Damon am heutigen Freitagabend - oder bleibt er fern, um ihm nicht die Show zu stehlen? Die Antwort: Angeblich reist Clooney über das Wochenende nach Groß-Britannien. Wäre ja auch zu schön gewesen...

+++ 11 Uhr Nachlese zur Eröffnungsgala. Der rote Teppich war gerade eröffnet, Hunderte Fans und Fotografen hatten sich vor dem Berlinale-Palast am Marlene-Dietrich-Platz positioniert – da begann es zu schneien. Doch das Frieren hat eben Tradition bei der Berlinale, und so blieb sich auch die 63. Ausgabe der Filmfestspiele treu. Unverändert hoch war zudem der Anteil an nationaler und internationaler Prominenz unter den rund 1600 Gästen, die sich am Donnerstag zur Eröffnungsgala eingefunden hatten.

Gekommen waren u.a.: Isabella Rossellini, Stammgast des Festivals, Mario Adorf, Iris Berben, Senta Berger, Heike Makatsch, Nadja Uhl und Veronica Ferres. „Berlinale ist, wenn Dieter Kosslick auf Hochtouren läuft“, formulierte Letztere, im Hosenanzug gekommen, ihr Festspiel-Gefühl.

Außerdem wurden gesichtet: Martina Gedeck und Florian David Fitz, Wenig Alkohol, viel Schlaf - das hält nach eigener Aussage auch Filmdiva Jane Fonda, mittlerweile 75 Jahre alt, in beeindruckender Form, die sie stolz in einem hautengen Goldkleid präsentierte.

Wie viele der Damen hatte sich Nina Hoss für eine glamouröse Robe mit Schleppe entschieden – mit welcher sie mehr zu kämpfen hatte als mit ihren Nerven. Die Schauspielerin ist mit dem Film „Gold“ im Wettbewerb vertreten. „Ich bin voller Vorfreude, fühle mich nicht unter Druck. Ich freue mich einfach auf all die großartigen Teilnehmer, da ist es schwer, einen Favoriten zu benennen.“

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit scherrzte mit dem ihm eigenen Humor: „Berlin hat ein Flughafen-Problem? Warum? Es sind doch alle Stars gelandet.“

+++ Auch Bundesminister kamen. Nicht nur Regisseure, Produzenten und Schauspieler wollten den Auftakt der Berlinale gebührend feiern. Politiker wie Gesundheitsminister Daniel Bahr, Wirtschaftsminister Philipp Rösler und SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier waren ebenfalls zugegen. Steinmeier freute sich, nicht im Mittelpunkt zu stehen, sondern in Ruhe Filme anschauen zu können. „Glücklicherweise spielen wir hier nur die Nebenrolle.“

+++ Eva Padberg ist „kinofaul“. Weniger erfahren - zumindest hinsichtlich des inhaltlichen Teils der Berlinale, schien Model Eva Padberg zu sein. „Ich bin ziemlich kinofaul. Und darin will ich mich bessern, hier auf der Fashion Week.“ Kurzes Stocken: „Ähm, auf der Berlinale.“ Neun Tage bleiben ihr noch – um sich zu orientieren.