Berlinale/Generation

14plus - Spannende Filme aus Asien

Der Berlinale-Wettbewerb für Jugendliche - 14plus - startet mit einem politischen Statement - einem Drama, das in den türkischen Kurdengebieten spielt.

Foto: Berlinale 2013

Jin

Eine junge Kurdin ist die Hauptfigur des türkischen Spielfilms „Jin“ – neben der grandiosen Bergwelt, in der sie unterwegs ist. Sie hat sich von ihrer Rebellengruppe gelöst, um sich zu ihrer Großmutter durchzuschlagen. Und dort in Sicherheit zu bringen. Doch der Weg durch die kurdischen Gebiete der Türkei, in denen sich Guerilla und Streitkräfte seit Jahrzehnten Kämpfe liefern, ist gefahrvoll – zumal für eine 17-Jährige ohne Papiere und ohne Schutz der Familie. Die Spannung zwischen wunderschön abgefilmten Naturaufnahmen und immer wieder überraschend aufflammenden Gewaltakten übersetzen das Gefühl einer stets präsenten Gefahr in starke Bilder. Und sie zeigen, wie unbarmherzig der Konflikt in das Leben der Menschen eingreift. Auch die Natur gerät in Unordnung, wenn Minen explodieren oder Gewehrsalven losgehen. Dann erzittert das Grün, geraten Tiere in Panik.

Regisseur Reha Erdem fokussiert sich auf seine mutige junge Heldin, die sich instinktsicher durch die Landschaft bewegt, sich der Übergriffe der Männer, denen sie begegnet, zu erwehren weiß. Seine Parteinahme ist eindeutig. Und es ist schwer, sich der Emotionalität des Filmes, der vordergründig handlungsarm ist und doch – dank der Wucht seiner Bilder und der authentischen Hauptdarstellerin Deniz Hasgüler – in jeder Minute gefangen nimmt, zu entziehen. Letztlich weist die traurige Geschichte über den Konflikt in den kurdischen Gebieten hinaus. So will auch der Regisseur selbst seinen Film verstanden wissen: als Märchen, in dem es um einen universalen Konflikt geht, wie er sich weltweit an vielen Orten genau so abspielen könnte. Andrea Huber

(Freitag, 8.2., Haus der Kulturen der Welt 1, 19.30 Uhr; Sonnabend, 9. 2., CinemaxX 3, 16.30 Uhr; Sonntag, 10.2., Cubix 8, 15.30 Uhr; Donnerstag, 14.2., CinemaxX 3, 14 Uhr)

Pluto

In der Berlinale-Sektion 14plus für Jugendliche sind in diesem Jahr viele Filme aus Asien zu sehen. Der Internatsthriller „Pluto“ ist einer davon: Darin geht es um den Mord an Yujin, dem Schüler einer elitären Highschool in Korea. Dessen Tötung stellt sich im Laufe des Films als Teil einer perfiden Strategie heraus, denn einige Schüler sind im wahrsten Sinne bereit, über Leichen zu gehen, um Bestnoten zu erreichen und ihre Uni-Karrieren abzusichern.

Im Zentrum des Films steht June, der neu an die Schule kommt. Als er von den Machtspielen seiner Mitschüler erfährt, zeichnet sich eine Tragödie ab. Denn June ist zwar hochbegabt, doch seine Familie ist nicht reich und einflussreich und das macht es ihm schwer, an dieser korrupten Schule weiterzukommen. Schließlich gerät er sogar selbst in den Verdacht, Yujin getötet zu haben. Und so beginnt seine Verwandlung, aus einem Opfer wird ein Täter.

Der südkoreanische Thriller wird mit englischen Untertiteln gezeigt. Er ist schwierig zu verstehen, da die Handlung sehr kompliziert aufgebaut ist. So gibt es einen ständigen Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Die Geschichte ist sehr spannend und tiefgründig, beschäftigt sich mit den Folgen eines extremen Leistungsdrucks. Der hat zur Folge, dass die Jugendlichen sich gegeneinander stellen und nicht gegen dieses überharte Schulsystem. Der Zuschauer stürzt in eine für ihn fremde Welt und muss bereit sein, sich darauf einlassen, um die Handlungen der Darsteller verstehen zu können. Dabei spielen alle ihre Rollen sehr natürlich ­- und mit viel Emotion. Der Film ist, vorausgesetzt man versteht gut Englisch, allemal einen Besuch wert. Er ist unserer Meinung nach viel anspruchsvoller als viele aktuelle Thriller aus Hollywood. Daniel Pothmann (15) und Oliver Biesek (15)

(Mittwoch, 13. Februar, 20 Uhr, Haus der Kulturen der Welt 1; Donnerstag, 14. Februar, 9.30 Uhr, HdKW 1; Freitag, 15. Februar, 14 Uhr, CinemaxX 3)

Und sonst noch sehenswert bei 14plus:

Capturing Dad

Ein Beitrag aus Japan, der mit viel lakonischem Humor zwei junge Frauen auf ihrem Weg zu ihrem sterbenden Vater begleitet, von dem sie nur wenig wissen. Als sie ankommen, platzen sie in bunten Sommer-Outfits in die Bestattungszeremonie für den inzwischen verstorbenen Papa. Trotz des traurigen Themas ist der Ton der Erzählung hell: Die Zuschauererwartungen bürstet der Film konsequent gegen den Strich - und erzählt so ganz viel über die schwierigen Beziehungen zwischen Eltern und Kindern, übers Abschiednehmen und Verlust. (Sa, 9.2., 17.30 Uhr, HKW 1; - So, 10.2., 16.30 Uhr, CinemaxX3; - Sa, 16.2., 11.30 Uhr, CinemaxX3)

Princesas Rojas

Laura Astorga Carrera erzählt von zwei „roten Prinzessinen“ – Claudia und ihrer jüngeren Schwester: Deren Eltern sind sandinistische Aktivisten. Die Familie flieht von Nicaragua nach Costa Rica, ein auch nur halbwegs geordnetes Familienleben gibt es nicht. Die vier bewegen sich von Ort zu Ort, wechseln Pässe und Identitäten. Und die beiden Mädchen haben sich den Plänen und der Ideologie der Eltern unterzuordnen – wie zu RAF-Zeiten in Deutschland. Konsequent nimmt der Film die Perspektive der Kinder ein. Ein dramatischer Coming-of-Age-Moment kommt, als die Familie zerfällt: Nachdem die Mutter sich solo nach Miami abgesetzt hat und der Vater als Folge seiner politischen Aktivitäten schwer verletzt wird, muss Claudia eine furchtbare Wahl treffen. Das Leben auf der Flucht muss ein Ende haben. Auch wenn das bedeutet, dass Mutter und Schwester in unerreichbare Ferne entschwinden. Eine sehr eindrucksvolle Emanzipation, die glaubwürdig nachgezeichnet wird. (Mo, 11.2., 15 Uhr, HKW 1; - Di, 12.2., 15.30 Uhr, Cubix 8; - Mi, 13.2., 11.30 Uhr, CinemaxX3; - Sa, 16.2., 16.30 Uhr, CinemaxX3)

Tough Bond

Harter, tief berührender Dokumentarfilm über eine „lost generation“ in Kenia. Kulturelle und familiäre Bindungen lösen sich - auch als Folge der Seuche Aids. Vergessen suchen viele Jugendliche auf den Straßen beim Schnüffeln von Klebstoff. Radikale Bilder geben Einblick in die Seelen geschundener junger Menschen ohne Perspektive. Die US-amerikanischen Filmer Austin Peck und Anneliese Vandenberg schonen ihre Zuschauer nicht. Ein hochpolitischer Festivalfilm zu einem wichtigen Thema - aber mit kleinen dramaturgischen Schwächen.