Vermarktung

Welche Berlinale-Filme ins Kino kommen

Für Filmemacher ist das Festival in der Hauptstadt die perfekte Vermarktungsplattform, aber auch eine Qualitätskontrolle im harten Wettbewerb. Von den fast 400 gezeigten Streifen schaffen es am Ende nur fünf Prozent auf die Kinoleinwand.

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Asghar Farhadis Werk "Nader And Simin: A Seperation" bekam den Goldenen Bären für den besten Film. Seine weiblichen und männlichen Schauspieler-Ensembles erhielten je einen Silbernen Bären. In einem Interview äußerte sich Farhadi über die Ehrung.

Video: Reuters
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Die Berlinale ist wie ein einziger Film, ein Sog von fast 400 abgeschlossenen visuellen Einheiten an zehn Tagen. Hartgesottene schaffen es in dieser Zeit, 50 bis 70 dieser Spielfilme und Dokumentationen, Kinder- und Experimentalfilme anzusehen. Erstens, weil Berlinale immer etwas Besonderes ist, nur einmal im Jahr und eines der großen Filmfestivals der Welt. Und zweitens, weil man einen Großteil der Streifen nie wieder auf einer großen Leinwand sehen wird. Und schon gar nicht mit rotem Teppich, Regisseur vor Ort und Diskussion danach.

Tatsächlich kommen nach dem Festival mit schätzungsweise 20 Filmen nur gut fünf Prozent des gesamten Berlinale-Programms regulär ins Kino. Anders gesagt: Nur jeder 20. Film kehrt jenseits der großen Festivalbühne noch einmal auf die große Leinwand zurück.

Oft nutzen die Verleiher die Berlinale als willkommenes Werbesprungbrett kurz vor dem Kinostart. Beispiele gefällig? Bitte: Bereits seit 17.Februar läuft der Oscar-Favorit „The King's Speech“ in den Filmhäusern, einen Tag vor Kinostart gab es eine Galapremiere im Berlinale Special. Am kommenden Donnerstag gehen Wim Wenders' Drei-D-Tanzfilm „Pina“ und „True Grit“, die Western-Hommage der Brüder Coen, ins Kinorennen. Beide liefen im Wettbewerb außer Konkurrenz, letzterer dabei mit geballter Starpower von den Regiebrüdern bis zu Jeff Bridges und Josh Brolin auf dem roten Teppich.

Am 3.März jagt Liam Neeson im Thriller „Unknown“ (im Wettbewerb ebenfalls außer Konkurrenz) auch regulär im Kino durch ein verschneites Berlin. Der Hollywood-Star fehlte zwar bei der Galapremiere am Freitagabend, ließ aber einen Brief verlesen und schickte die hübsche Diane Krüger ins Werberennen. Am 10.März gehen dann zwei deutsche Wettbewerbsbeiträge in den Kampf um den Kinozuschauer. Die Integrationskomödie „Almanya – Willkommen in Deutschland“ und der Prä-RAF-Film „Wer wenn nicht wir“ müssen zeigen, ob sie den Schwung der Festivalpremiere mit in den Kinoalltag nehmen können. Und nicht nur die: Auch Rosa von Praunheims Stricher-Doku „Die Jungs vom Bahnhof Zoo“ springt am 10.März vom Panorama der Berlinale in den Kinoalltag. Dann ist das Filmfest längst Historie, und es gilt, den richtigen Kinostartpunkt zu erwischen.

Fest steht, dass von den Wettbewerbsfilmen das Tschernobyl-Drama „An einem Samstag“ am 21.April ins Kino kommt und Ulrich Köhlers „Schlafkrankheit“ am 16.Juni. Für „Margin Call“, „Coriolanus“ und „Our Grand Despair“ ist ein Kinostart in diesem Jahr vorgesehen, ein genauer Termin steht aber noch nicht fest. Das gilt für die Kochkomödie „Toast“ aus dem Berlinale Special, das langatmige Vater-Sohn-Drama „Swans“ aus dem Forum, die Landwirtschafts-Liebesgeschichte „Stadt Land Fluss“ aus der Sektion Generation 14 plus, Cyril Tuschis aufsehenerregende Dokumentation „Khodorkovsky“ (Panorama) und Ziska Riemanns vibrierendes Girliedrama „Lollipop Monster“ aus der Perspektive Deutsches Kino. Aus dieser Sektion ist „Utopia Ltd.“, Sandra Trostels Spielfilm über eine Szeneband, für den 12.Mai terminiert. Aus dem Panorama kommen immerhin drei bemerkenswerte Dokumentationen ins Kino: Britta Wauers „Im Himmel unter der Erde – Der jüdische Friedhof Weißensee“ startet genauso am 7.April wie Elfi Mikeschs „Mondo Lux – Die Bilderwelten des Werner Schroeter“. Und ab 26.Mai gibt es ein Wiedersehen mit Rolf Eden in Peter Dörflers „The Big Eden“.