Berlinale-Film

Rolf Eden - der Mann, der immer glücklich ist

Rolf Eden gilt als letzter deutscher Playboy, und dieses Image pflegt er auch. Er provoziert erwartbar, ist großzügig und dauerglücklich. Ein Besuch bei einem Mann, der einfach nicht scheitert, weil er es nicht will.

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Der Regisseur Peter Dörfler hat seinen neuen Dokumentarfilm über den alternden Playboy Rolf Eden im Rahmen der Berlinale vorgestellt.

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"The Big Eden" - der Titel klingt nach Big Lebowski, und irgendwie passt das. Wie einst Jeff Bridges schlurft der Star von Peter Dörfler durch seinen eigenen Film - auch er gern im Bademantel. "The Big Eden" ist ein Close-up des letzten Playboys der Republik.

Rolf Eden sitzt im wirklichen Leben an diesem Sonnabendabend auf dem Sofa in seiner Neunzigerjahre-Villa in Dahlem. Auf dem Glastisch vor ihm ergießt sich in einer Schale das Rot einer roten Rose in Plastiktropfen auf weiße Rosen. Rolf Eden ist keiner, der Angst vor Kitsch hat. Neben dem Sofa türmen sich Zeitungsausschnitte mit Artikeln über ihn aus den vergangenen Monaten.

Rolf Eden genießt es, wenn man über ihn schreibt oder ihn ins Fernsehen einlädt. Er sagt dann das, was die Leute von ihm erwarten. Etwas Provokantes, dem eigentlich die Spitze längst genommen ist, weil Rolf Eden es hundertprozentig schon mal in einem anderen Zusammenhang gesagt hat. Als über die Flatrate-Bordelle diskutiert wurde, da hat Sandra Maischberger ihn in ihre Sendung geholt. Rolf Eden erzählt von seinen Erfahrungen als Freier. Als er gefragt wird, was er davon hält, wenn Frauen zur Prostitution gezwungen werden, da sagt er: "Das ist mir so was von egal." Das sei ja leicht verdientes Geld für die Mädchen, außerdem mache es denen ja auch Spaß. Eine Frau aus der Runde explodiert fast vor Wut. Rolf Eden dreht sich zu ihr und sagt: "Sie sind die Frauenrechtlerin."

Kaffee? Tee? Champagner?

Im Film spricht ihn Dörfler auf seinen Medienwahn an. Was dachte er, als er jüngst von einer Zeitung zum "peinlichsten Berliner" gewählt wurde? Schön findet Eden das: "Von vier Millionen Einwohnern bin ich der Peinlichste. Wer ist das schon, ich finde das sehr gut."

Rolf Eden hat in 35 Filmen mitgespielt, drei alleine im vergangenen Jahr. Seine Lieblingsrolle ist aber die, die er auch an diesem abend gibt. Der Verführer. "Was möchten Sie? Kaffee, Tee, Champagner?" Später am Abend zaubert er ein Parfüm hervor, Marke Rolf Eden, das klassische Geschenk für seine Eroberungen. Und dann noch eine Flasche halbtrockenen Sekt, auch die Marke Rolf Eden. Der Mann ist großzügig, wenn man auch zu ihm großzügig ist, dann kann sogar mal eine Brustvergrößerung dabei rausspringen.

Rolf Eden war am Freitag auf einer Berlinale-Party, erzählt er. Da habe er zwei sehr hübsche Frauen kennengelernt, die ihn dann noch verwöhnt hätten. Eden lächelt, wartet die Überraschung im Gesicht seines Gegenübers gar nicht erst ab, sondern legt noch einen drauf: "Das ist toll. Seit bekannt ist, dass, wenn ich beim Sex mit einer Frau sterbe, sie dann 250.000 Euro bekommt, strengen die sich so richtig schön an."

Um die Ecke, im Esszimmer, sitzen Edens Sohn Marco (43), der bei den Grünen in Konstanz ist und der Öko-Camping fördert, und Edens Frau Brigitte, zwölf Jahre jünger als ihr Stiefsohn, die Aline heißt, aber jetzt von allen nur Brigitte genannt wird, weil Rolf Eden immer mal was mit Brigitte Bardot haben wollte. Rolf Eden, auch das zeigt der Film, ist ein Familienmensch.

Er kam nach Berlin wegen 6000 Euro

"The Big Eden" ist der letzte Teil von Peter Dörflers Trilogie über egomane Männer. Der erste Teil war "Der Panzerknacker" (2006) über eine Gangsterbande, deren letzter Coup gigantisch platzte, der zweite, "Achterbahn" (2009), zeigte den Unternehmer Norbert Witte, dessen gescheiterter Traum von einem Riesenrummel Berlin einen Riesenschuldenberg bereitete. Und jetzt also Rolf Eden. Man wird den Verdacht nicht los, dass Dörfler auch hier eine Geschichte des Scheiterns eines Giganten vermutete. Gefunden hat er das nicht.

Rolf Eden kam in den Fünfzigerjahren nach Berlin. 1933 waren die Eltern mit dem dreijährigen Rolf Shimon aus Nazi-Deutschland nach Palästina geflohen. Als junger Mann kämpfte Eden im israelischen Unabhängigkeitskrieg, kaum 20, zeugte er seine einzige Tochter und ging nach Paris, um dort im Nachtleben sein Glück zu finden. Er war Musiker. In der Zeitung las er, dass jeder, der in Berlin geboren wurde und dahin zurückkehren würde, 6000 Mark bekam, also ging er nach West-Berlin. "Eigentlich wollte ich das Geld nehmen und wieder abhauen, aber dann hat es mir hier so gut gefallen, dass ich nie wieder wegwill." - "Wollten Sie die Stadt Ihrer Eltern wieder aufbauen?" Rolf Eden lächelt, er lehnt sich zurück, als brauche die folgende Antwort Platz: "Meine Eltern waren große Berlin-Patrioten. Die haben vom Kudamm geschwärmt, von den Cafés vom Theater dort."

"Gab es in Ihrer Familie keine Bitterkeit den Deutschen gegenüber?" - "Nein, gar nicht, meiner Familie ist ja nichts passiert." Das ist Edens Haltung, daran wird sich auch nichts ändern. In Dörflers Film konfrontiert ihn ein alter Kamerad aus Kriegszeiten damit. Eden ist zu Besuch in Israel, wie jedes Jahr. "Ich habe das immer so bewundert, du warst doch ein Opfer." Rolf Eden lächelt, schüttelt den Kopf und antwortet auf Hebräisch: "Ich bin ein Sieger." Das ist Rolf Edens Strategie. Bedingungslos positiv. Im Film kommen auch die zu Wort, denen Edens Hedonismus schon mal gewaltig auf die Nerven gegangen ist. Sein Sohn Marco, zum Beispiel, der offensichtlich irgendwann aufgegeben hat, hinter dem Maskenball des Vaters noch etwas zu suchen. Oder die Mutter seines jüngsten Sohnes, die erzählt, wie sie den 14-Jährigen vor der Playboynummer seines Vaters vergeblich schützen will. Beide haben sie sich dem "Immer alles super" Rolf Edens angepasst.

"Ich hatte nie Ärger. Easy"

Geschäftlich lief es tatsächlich super. Schon der "Eden-Saloon", sein erster Laden am Kudamm, das spätere "Old Eden", war eine Goldgrube. "Man muss immer anders sein", sagt Eden. Es gab Tischtelefone, Mister-Wahlen, Go-Go-Dancing, Sitzbadewannen, Jazzmusik, den ersten Swimmingpool in einem Klub, die erste DJane überhaupt, und die auch noch oben ohne. "1964 war das", sagt Eden sehr stolz. "Das war einfach ein Erlebnis bei mir."

Das "Eden" war, kaum eröffnet, sofort in einer Touristenbibel drin. ",Europe on five dollars a day'. Die Leute kamen zu mir, als wäre ich der Papst" - "Hatten Sie auch mal eine bescheuerte Idee?" - "Ne, Ich habe einfach andere beobachtet und die Fehler, die die gemacht haben, nicht gemacht." Und natürlich: "Ich habe immer nur Glück gehabt." Diesen Satz wird er im Laufe des Abends gleich mehrmals sagen, er mag ihn eben besonders gern. Dabei lächelt er einen aus diesen stets leicht gespitzten Lippen herausfordernd an. "Immer, immer nur Glück. Bei mir geht es immer rauf. Ich hatte nie Ärger." Wie macht man das? "Das ist einfach, man drängt das Traurige weg. Easy."