„Les Contes de la Nuit" - eine Spielerei

Das Kino hat von Beginn an etwa Märchenhaftes, Phantastisches. Eine Traummaschine. Je komplexer und aufregender die technische Innovation, umso simpler die erzählte Geschichte. Das gilt für die allerersten Werke von George Méliès wie für neue wie „Avatar". Der Franzose Michel Ocelot nutzt in seinem Wettbewerbsbeitrag „Les Cotes de la Nuit" 3D und Animation, um vier Märchen zu erzählen.

Es geht um Prinzessinnen und edle Ritter, um Abenteuer und Reisen, um wilde Tiere, Monster, Drachen. Den Rahmen bilden drei Menschen, die in einem alten Kino ihre Geschichten erfinden und aufführen, während draußen die Lichter immer weniger werden.

Die Bilder sind Scherenschnitte wie einst von Lotte Reininger, die in den Zwanzigerjahren feinsinnige Avantgardemärchen-Stummfilme aus Papierbögen fertigte. Hinter den schwarzen Figuren sind bunte dreidimensionale Hintergründe zu sehen, die wirken ein bisschen wie „Matrix“ oder etwas LSD-Experiment. So wird die neue Technik zugleich benutzt, gepriesen und in die Schranken gewiesen. Das Neue ist immer auch das Alte oder doch zumindest auf den Schuttbergen der Vergangenheit erbaut. „Les Contes de la Nuit“ ist hübsch anzusehen, eine Spielerei. Wiewohl die Märchen etwas weniger linear und einfach sein könnten. Ach, immer nur Prinzessin und Liebe und Happy-End.