"Coriolanus"

Ralph Fiennes wollte eigentlich in Berlin drehen

Ralph Fiennes gibt bei der Berlinale sein Regiedebüt mit "Coriolanus". Obwohl historisch in der Römerzeit angesiedelt, ist der Film dennoch von drängender Aktualität. Denn darin erhebt sich das Volk gegen seine Machthaber. Morgenpost Online sprach mit dem Schauspieler darüber.

Foto: Getty Images

Morgenpost Online: Am Montag gab es die schöne Meldung, dass Sie nichts dagegen hätten, im nächsten James Bond den Bösewicht zu geben.

Ralph Fiennes: Wer sagt denn sowas?

Morgenpost Online: Bisher war es nur ein Gerücht. Aber James Logan meint, Sie hätten schon ein paar Mal interessiert nachgefragt.

Fiennes: Also, lassen Sie mich das mal so sagen: Wenn das Drehbuch gut wäre, dann wäre ich an James Bond interessiert.

Morgenpost Online: Wieso wäre, der Drehbuch-Autor ist doch hier im Hotel. Und Sie wissen von „Coriolanus“, dass er ein guter Mann ist.

Fiennes: (grinst und schweigt eine Weile) Ich werde nichts sagen, bis ich nicht das ganze Drehbuch gelesen habe. Aber es stimmt, dass Kontakte zwischen den Bond-Leuten und mir gegeben hat. Alles weitere wird sich zeigen, wenn ich das ganze Buch lesen durfte.

Morgenpost Online: Wie kommt ein viel beschäftigter Schauspieler wie Sie dazu, auch noch Regie führen zu wollen? Und dann auch noch Shakespeare.

Fiennes: Weil ich das Gefühl hatte, dass ich mit meinen Auftritten als Coriolanus im Theater noch nicht alles gesagt habe. Außerdem habe ich schon längere Zeit darauf gewartet, dass ich mich reif für die erste Regie fühle. Dass es Shakespeare werden würde, war klar.

Morgenpost Online: Irgendwelche Vorbilder im Kopf gehabt?

Fiennes: Obwohl ich nicht mit all seinen Filmen einverstanden bin, ist mir Buz Luhrman hier doch ein Vorbild gewesen. Wie er diese Geschichte von „Romeo und Julia“ in die heutige Zeit katapultiert hat, das ist große Klasse. Ansonsten habe ich mich sehr mit dem Film „Schlacht um Algier“ auseinandergesetzt. Diese Unmittelbarkeit der Schlachtszenen, den Realismus, das wollte ich für meinen Film auch haben.

Morgenpost Online: Viele Leute fragen sich, wie ein Festival und ein Film zusammenkommen.

Fiennes: Ach so. Das ist hier recht einfach gewesen. Berlin fühlte sich einfach als der perfekte Platz für diesen Film an.

Morgenpost Online: Weil Sie hier mit dem „englischen Patienten“ einen so großen Erfolg hatten?

Fiennes: Nein, ich meine etwas anderes. Zum einen ist „Coriolanus“ ein Stück, das in der deutschen Theaterwelt so bekannt ist wie kaum in einem anderen Land, außerhalb Englands. Dann finde ich, dass mich Berlin mit seiner Geschichte, mit seiner Architektur und so weiter und so fort, schon immer gereizt hat. Und nicht zuletzt, wollte ich den Film eigentlich in Berlin machen.

Morgenpost Online: Gedreht wurde der Film letztendlich in Belgrad. Wann war Berlin der Favorit?

Fiennes: Dass war, als wir mit dem „Vorleser“ in Berlin waren. Da hatte ich viel Zeit, mich in der Stadt umzuschauen. Es gab viele Plätze, die ich toll fand. Aber es gab Probleme mit der Finanzierung. Und so haben wir letztendlich in Belgrad gedreht.

Morgenpost Online: Ist dieser Coriolanus, den Sie brillant spielen, eigentlich ein Irrer?

Fiennes: Nein, nicht im klinischen Sinne. Wie auch seine Mutter und seine Frau, ist er nur sehr fanatisch. Was sie wollen, das müssen sie auch durchsetzen. Und dann ist er auch ein Charakter, der sehr schnell sehr wütend werden kann. Das kann ich gut nachvollziehen. Wut kann sehr befreiend sein.

Morgenpost Online: Hat es Ihnen als Erstlings-Regisseur geholfen, dass man Sie auch nachts um 3 Uhr wecken könnte und Sie hätten den Text parat?

Fiennes: Den kann ich wirklich im Schlaf. Also konnte ich mich auf andere Sachen konzentrieren.

Morgenpost Online: Gab es etwas, dass Sie zur Verzweiflung gebracht hat?

Fiennes: Oh ja. Jeder Regisseur, dem ich bisher von meinen Plänen erzählt hatte, einen Film zu inszenieren, hat mich gewarnt und meinte: „Warte ab, bis Du im Schneideraum sitzt!“. Und genau so ist es auch gewesen.

Morgenpost Online: Aber man hat jemand an seiner Seite.

Fiennes: Richtig. Aber dieser Jemand erwartet ständig Entscheidungen von einem. Und wenn man sich dann auch noch ständig selbst anschauen muss auf dem Material – was im Kino ja schon unangenehm ist – und entscheiden muss, welches Fiennes-Bild drin bleiben darf und welches nicht, ist das schon hart.

Morgenpost Online: Als würde man eine neue Sprache lernen?

Fiennes: Besser hätte ich es nicht ausdrücken können. Es stimmt schon, dass ich noch einen oder zwei Shakespeares auf die Leinwand holen möchte. Aber als mich John Logan gestern fragte, ob wir als nächstes nicht „Antonius und Cleopatra“ machen wollen, war mir das nicht recht, dass das jetzt schon an die Öffentlichkeit geht. Das Stück reizt mich. Aber jetzt warten erst mal andere Aufgaben auf mich.

Morgenpost Online: Zum Beispiel Harry Potter versuchen zu töten.

Fiennes: Das kann ich Ihnen sagen. Das wird ein hartes Stück Arbeit für mich als Lord, dessen Namen man besser nicht ausspricht.

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